Recht auf Teilzeit –
Wundermittel oder Falle?

Trotz des kürzlich eingeführten Rechts auf Teilzeit wird sich die Situation teilzeitbeschäftigter Frauen in Österreich nicht wesentlich verbessern.
Ab 1. Mai 2004 haben Eltern bis zum 7. Lebensjahr ihres Kindes unter bestimmten Bedingungen das Recht auf Teilzeit bei gleichzeitigem Rückkehrrecht zur ursprünglichen Arbeitszeit. Damit sollte eine wesentliche Voraussetzung zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie geschaffen werden. Allerdings besteht erheblicher Handlungsbedarf, wenn es darum geht, dass Teilzeitbeschäftigung auch mit hoher Arbeitsplatzqualität verbunden sein soll.

85 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten in Österreich sind Frauen. Dieser Anteil ist im internationalen Vergleich sehr hoch. Wesentlicher Grund hierfür ist, dass die Teilzeitbeschäftigung der Frau als nahezu einzige Vereinbarkeitsstrategie angeboten wird. So die Ergebnisse einer Studie im Rahmen der Evaluierung des Nationalen Aktionsplanes für Beschäftigung (NAP), die im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen durchgeführt wurde.
Die Studie zeigt auf, dass Teilzeitarbeit vor allem für Frauen zu Benachteiligungen am Arbeitsmarkt führt. Dies zeigt sich durch geringere Stundenverdienste als bei Vollzeitbeschäftigung, niedrigere berufshierarchische Positionierung und geringe Aufstiegschancen. Gerade im Hinblick auf die finanzielle Situation hat dies langfristig negative Folgen, etwa betreffend künftige Pensionen.

Grundsätzlich können sich auch Männer eine Teilzeitbeschäftigung vorstellen. Das wesentliche Argument dagegen ist die niedrige Bezahlung. Womit die Hauptaufgabe der Kinderbetreuung wieder bei den Frauen liegt, so die Studienautorinnen Nadja Bergmann und Claudia Sorger von L&R Sozialforschung.
Der nähere Blick auf die Motive der Männer zeigt, dass sich unter jenen, die zur Zeit keiner Teilzeitbeschäftigung nachgehen, 32 Prozent eine Teilzeitbeschäftigung grundsätzlich vorstellen können. Interessant ist die Tatsache, dass bei Männern die Bereitschaft zur Teilzeit mit der Kinderanzahl sinkt, während es sich bei Frauen genau umgekehrt verhält.
Unter den derzeit Vollzeit beschäftigten Männern ohne Kinder wären 27,3 Prozent prinzipiell zur Teilzeit bereit, unter jenen mit Kindern sind es nur 17,5 Prozent.

Das Recht auf Teilzeit allein ändert daher nichts an der Tatsache, dass Teilzeitbeschäftigung vor allem Frauenbeschäftigung ist und zu einer Reihe von Benachteiligungen am Arbeitsmarkt führt.

Die gesamte Studie „Qualifizierte Teilzeitbeschäftigung in Österreich. Bestandsaufnahme und Potenziale“ steht unter www.lrsocialresearch.at als Download zur Verfügung. Die Studie wurde in Kooperation von L&R Sozialforschung, FORBA und dem Institut für Staats- und Politikwissenschaft der Universität Wien erstellt.


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