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Detlev Claussen
Theodor W. Adorno.
Ein letztes Genie.
S. Fischer-Verlag, Frankfurt/Main 2003, 479 Seiten.
Der vorliegende Prachtband soll Adornos Texte zum Sprechen bringen und sie hinter der ins Unendliche angewachsenen Sekundärliteratur wieder im Original hervortreten lassen. So zieht sich der wortgewaltig gesponnene Faden des Autors von der Kindheit Adornos über die Schulzeit während des Ersten Weltkriegs, die intellektuelle Sozialisation Adornos in der Frankfurter, Wiener, Berliner und Londoner Zwischenkriegszeit, die Erfahrung des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges, das Exil in den USA des New Deal bis hin zur Rückkehr ins Deutschland der Adenauer-Zeit und zum Studentenprotest. Adorno ist der individuelle Punkt, in dem das „Jahrhundert der Extreme“, wie es Hobsbawm einmal nannte, sich exemplarisch für den Autor verdichtet.
Wie Claussen selbst ausführt, begreift er Adorno als Künstler, dessen weitgefächerte – philosophische, soziologische, musikalische – Interessen als Einheit zu verstehen sind. Dieser Arbeitsvorgabe wird der Autor im vorliegenden Buch mehr als gerecht; darüber hinaus bietet es den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass die einzelnen Kapiteln auch für sich gelesen werden können. Hervorzuheben bleibt auch noch die gelungene Auswahl von Briefen am Ende des Buches, die es dem Leser ermöglichen, mit viel Gefühl in die Person Adornos einzutauchen. So schreibt Adorno 1962 in einem Brief an Ernst Bloch, wo er ihm rät, wenn er nach Alpbach eingeladen wird, dies auch anzunehmen, da „von Österreich halt immer noch der Trost des Verfalls ausgeht“.
Zum Autor: Detlev Claussen, geboren 1948, Publizist und Professor für Gesellschaftstheorie, Kultur- und Wissenschaftssoziologie an der Universität Hannover.
Rezension von Josef Schmee
(c) 2004 by Gewerkschaftlicher Linksblock
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