Wiens industrielle Großbetriebe auf Schrumpfkurs

Die Wiener ÖVP hat entdeckt, daß die Industriebetriebe Wiens nur mehr 90.000 Menschen beschäftigen statt den 228.000 wie vor 30 Jahren. Wien sei eine Stadt ohne Produktion. Und das sei schlecht für den Wirtschaftsstandort Wien. Was die Zahlen betrifft, ist diese Entdeckung natürlich richtig. Richtig ist auch, was der Wiener SPÖ dazu einfällt: daß nämlich wenig qualifizierte Produktionen im Niedriglohnbereich abgewandert sind und das eben den Strukturwandel in der Hauptstadt widerspiegle. Was beide aber vergessen und vergessen machen wollen ist, daß sich in all diesen Jahren die Eigentumsstruktur in der Wiener Industrie grundlegend verändert hat. Diese ist aber eine wesentliche Ursache für das Industriesterben in Wien.
Bis in die 70er Jahre war in Wien die verstaatlichte Industrie führend. Es gab auch große Betriebe, die den ehemals verstaatlichten Banken gehörten. Davon ist nichts mehr übrig geblieben. Sie wurden entweder an multinationale Konzerne verkauft oder liquidiert. Gefördert wurden von den SPÖ-geführten Regierungen und von der SPÖ-Stadtverwaltung in den letzten 20 Jahren fast ausschließlich diese multinationalen Konzerne, die aber nach einer gewissen Zeit sich wieder verabschieden und industrielle Wüsten zurück lassen .
Z.B. Siemens: Der deutsche Konzern hat fast die ganze Wiener verstaatlichte Elektroindustrie übernommen. Heute gibt es keine mehr in Wien.
Z.B. Grundig: mit vielen öffentlichen Förder-Millionen ausgestattet hat er Pleite gemacht und sein Werk in Wien geschlossen.
Z.B. Phillips: trotz vielen Ansiedlungs-Millionen stehen wieder hunderte Arbeitsplätze auf der Abschußliste.
Z.B. Semperit, das auch für den Wiener Arbeitsmarkt große Bedeutung hatte. Aus dem ehemaligen führenden Reifenwerk, das der staatlichen CA -Bank und zuletzt dem deutschen Multi Continental gehörte, wurde zunächst die Forschung abgezogen und dann aus Profitgründen geschlossen.

Privatisierung und Ausverkauf waren und sind die wichtigsten Ursachen des Arbeitplatzsterbens in Wien. Seit dem die Ausgliederung, Privatisierung und Liquidierung öffentlicher Dienste insbesondere auch im Bereich der Gemeinde Wien dazu gekommen ist , ist am Wiener Arbeitsmarkt Feuer am Dach. Nur: es gibt keinen wirksamen Einsatz dagegen. Es fehlt eine stärkere und daher spürbare linke Opposition in den Institutionen, die etwas bewirken könnten- in Gewerkschaft und Arbeiterkammer.


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