Mit dem Streikfonds doch nicht ins Kasino...

- Heinz Granzer -

Als sich die einstmals 1922 vom damaligen Staatskanzler Karl Renner initiierte "Arbeiterbank" (1963 brav sozialpartnerschaftlich zu "Bank für Arbeit und Wirtschaft" umbenannt) 1995 ausgerechnet mit der "Bayerischen Landesbank" (BLB) einließ, war offensichtlich doch die auch damals geäußerte Sorge angebracht, hier sollte ein neuerlicher Ausverkauf eingeleitet werden. Immerhin wollten sich die bayerischen Banker auch schon damals nicht mit dem durch die KONSUM-Pleite an die BAWAG zurückgefallenen 30,66prozentigen Aktien-Paket begnügen, sondern übernahmen auch noch gleich weitere 15 Prozent der vom ÖGB selbst gehaltenen Anteile. Insgesamt 469 Millionen Euro ließ sich die BLB diesen Einstieg in die Gewerkschaftsbank kosten und strebte ganz offensichtlich die mehrheitliche Übernahme an. Die ebenfalls am KONSUM-Anteil interessierte P.S.K.-Bank blieb auf der Strecke und wurde inzwischen selbst von der BAWAG übernommen ...
Das Schreckensbild einer Arbeiterbewegung, die den zentralen Streikfonds des ÖGB unter der Kontrolle des Klassenfeindes weiß, ist nun durch den Rückkauf der Anteile zunichte gemacht, sollte man fürs erste meinen. Immerhin rund 600 Millionen Euro hat es den ÖGB dem Vernehmen nach gekostet, wieder alleiniger Herr im Haus sein zu können. - Demnach haben die Bayern aber auch immerhin rund 130 Millionen Euro mehr herausgeholt, als sie selbst noch vor acht Jahren in die BAWAG investierten.
Geld, das offensichtlich bereits dringlich anderen Orts benötigte wurde. Von den erfolgreicheren BAWAG-Managern angeblich belächelt, endeten andere Auslandsbeteiligungen der Bayern wie die bei der Tiroler Sparkasse eher unglücklich und die kroatische Rijecka Banka wurde man überhaupt nur um lediglich einen symbolischen Euro beim Staat Kroatien wieder los. Und bei der Kirch-Pleite gingen durch einschlägige Konsortialverträge auch der BAWAG Millionen verloren.
Kein Wunder also, dass die Bayerische Landesbank darauf aus war, ihre BAWAG-Aktien wieder zu verscherbeln, nachdem es ja mit der angestrebten Übernahme nicht geklappt hatte. Als dann schon öffentlich nach potentiellen Käufern gesucht wurde, nutzte die BAWAKG ihr Vorkaufsrecht.
Immerhin verbleiben die nunmehr wiederum getrennten Partner miteinander im Geschäft. So ist es für die Bayern durchaus lukrativ, sich vorerst mit einem Drittel des Kaufpreises zufrieden zu geben und den Rest zu stunden. Anstelle einer Dividendenrendite von etwa 1,6 Prozent würden so angeblich 2,5 bis 3,5 Prozent Zinsen lukriert werden können.
Für den BAWAG-Eigentümer ÖGB hat das auch noch den Vorteil, dass kein Fremder Einblick in seine Bücher und den Streikfonds bekommt. Freilich bleibt die Grundsatzfrage, nach welchen gesellschaftspolitischen Kriterien die nunmehr wieder hundertprozentige Banktochter geführt werden soll. Von günstigeren Konditionen für Bezieher kleinerer Einkommen war beispielsweise die Rede, auch wenn das zu geringeren Dividenden führe. Oder aber die BAWAG springe als Bank dort in Bresche, wo sich der früher mehrheitlich staatliche Bankensektor mit Creditanstalt und Länderbank zurückgezogen hätte.
Nun, auch die BAWAG hat sich von ihrer traditionsreichen Papierfabrik Steyrermühl bereits getrennt und diese ins Ausland verkauft. Und einträgliche Bankgeschäfte über die Karibik hatte es ja zur allgemeinen Entrüstung der weniger erfolgreichen Konkurrenz auch gegeben. Jetzt geht es vor allem um die heikle Frage, wer der nächste Partner sein soll oder darf. Von Seiten der Betriebsratsvorsitzenden Ingrid Streibel-Zarfl spricht auch nichts Grundsätzliches gegen einen simplen Börsengang.


(c) 2004 by Gewerkschaftlicher Linksblock