
Der Krieg und die Gewerkschaften
Von Michael GEHMACHER. Der Kampf gegen Krieg ist ein maßgebliches Ziel für alle Gewerkschaften. Auch der ÖGB hat sich in seinen Statuten zur "Wahrung des Weltfriedens" verpflichtet, nicht zufällig, sondern aufgrund der Erfahrungen mit dem 2. Weltkrieg. Dieses Ziel wurde in der Vergangenheit kaum umgesetzt. Eigene Aktivitäten gegen bestimmte Kriege hat es nur in sehr geringem Ausmaß gegeben, Demonstrationen oder gar Arbeitsniederlegungen in der Waffenproduktion nie. Unterschiede zwischen den einzelnen Gewerkschaften gab es nur im Umgang mit der bestehenden Friedensbewegung. Das bekannteste Beispiel dafür ist wohl jenes rund um den Panzertransport nach Chile. Die Metallergewerkschaft (GMBE) stellte sich damals hinter die Steyr-Werke und die Regierung und damit gegen die chilenische Bevölkerung. Die GMBE half mit, die Steyerbelegschaft gegen die AktivistInnen der Solidaritätsbewegung aufzuhetzen. Mit dem Argument "Für Arbeitsplätze zu kämpfen" ging man damals gewaltsame Auseinandersetzungen mit jenen Menschen ein, denen die internationale Solidarität ein ernstes Anliegen war. Später, als man gegen die Regierung für Arbeitsplätze hätte kämpfen müssen, war man weit weniger "gewaltbereit". Die Ehre des ÖGB retteten damals die Eisenbahner, die sich zumindest gegen einen Panzertransport auf der Schiene stellten. Auch die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) hat eine gewisse Tradition, für "den Frieden" einzutreten. Letztes sichtbares Zeichen: GPA-Vorsitzender Sallmutter sprach sich in der "Kompetenz" gegen den NATO-Krieg gegen Jugoslawien aus, keine Unterstützung der demonstrierenden jugoslawischen Gewerkschaftsmitglieder, aber zumindest ein Lippenbekenntnis. Rudolf Nürnberger, Vorsitzender der GMT (Gewerkschaft Metall-Textil), pflegt andere Traditionen: Er nimmt gerne Angelobungen von Präsenzdienern vor und kümmert sich um gute Verbindungen zwische