Der Kunde ist König

So dachte ich bisher, aber wie sich nun herausstellt gibt es bei Wien Energie Kunden und solche, die sich "eigenangestellte Kunden" (=Gemeindebedienstete) nennen dürfen. Der Unterschied zwischen den beiden liegt darin, dass der Kunde von allen Seiten königlich bedient und umworben wird und der "eigenangestellte Kunde" noch Leistungen – als Dank für die Stromlieferung von Wien Energie - erbringen muss. Leistungen in der Form, dass der Holdingbedienstete jetzt auf Aufforderung von Wienstrom seine eigenen Gas- und Stromzähler ablesen und die Daten per zugesandter "Selbstlesekarte" bekannt geben muss.

Im selben Brief in dem Wien Energie dies höflich mitteilt werden auch gleich Drohungen ausgestoßen, denn in einem Absatz heißt es wörtlich: "Falls Sie Ihre Zählerstände nicht mit der Selbstlesekarte bekannt geben, werden Ihre Zählerstände geschätzt bzw. bei Wienstrom- und Wiengas-MitarbeiterInnen nicht abgerechnet."

Der letzte Absatz ist besonders gelungen: "Wienstrom dankt Ihnen bereits jetzt für Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung. Die Personalvertretung ersucht ebenfalls um Ihre Mitwirkung."

Zu letzterem sei gesagt, dass der GLB-Personalvertretung davon nichts mitgeteilt wurde und sie diese Vorgangsweise verurteilt, da es sich dabei wieder einmal um Einsparungen auf Kosten der Bediensteten und in weiterer Folge um Arbeitsplatzeinsparungen handelt.

Begründet wird diese "eigenangestellte Zählerablesung" damit, dass die Veränderungen für Wienstrom im Zusammenhang mit der Strommarktöffnung diese organisatorische Neugestaltung notwendig machen.

Es bleibt zu hoffen, dass Wienstrom bei dieser organisatorischen Neugestaltung nicht darauf vergessen hat genügend Schlüssel für die "eigenangestellten Strom- und Gaszähler ablesenden Kunden" zu bestellen, damit sich diese auch tatsächlich Zutritt zu den Zählerräumlichkeiten verschaffen können. Oder wird von Wienstrom verlangt, dass wir "eigenangestellten Kunden" diese Schlüssel auf eigene Kosten erstehen? Zu bedenken sollte jedenfalls geben, dass jeder Bedienstete der seinen Zählerstand selbst abliest und per "Selbstlesekarte" einschickt, damit mithelfen könnte seinen eigenen Arbeitsplatz wegzurationalisieren.

Peter Schendera

GLB-Personalvertreter Garage Vorgarten

(Aus "Der Winker", Oktober 2001)

 


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