Solidarität - dringend gefragt

Die Situation der Gewerkschaften ist nicht rosig. Die GÖD steht einer geplanten Verwaltungsreform gegenüber, mit der die Regierung zehntausende Beamtenplätze abbauen, ausgliedern, umstrukturieren möchte - mit dem Hauptziel der Verschlechterung von Besoldung und Arbeitsbedingungen, sprich "Einsparung" von Milliarden. GÖD-Vorsitzender Neugebauer (FCG): "Wir brauchen keine -zig Millionen für Beratungsfirmen, die das bringen, was man ihnen als Vorgaben sagte - unter Verzicht auf den Erfahrungsschatz der Mitarbeiter." Was hunderttausende Arbeiter und Angestellte seit Jahren erleben, macht nun auch vor der öffentlichen Verwaltung nicht halt.

Die Gewerkschaftsjugend steht noch immer vor dem ungelösten Problem der Ausbildung. Aber in der Eröffnung wurde das Motto "Denk nach, mach dich stark!" mit einem anderen Problem verknüpft: "Stark machen heißt nicht Aufrüstung, Abfangjäger und NATO-Beitritt", sondern Solidarität im Kampf um die Rechte der Jugend.

"Braucht unsere verkehrte Welt Solidarität?" war die Frage des Mottos für den Gewerkschaftstag der Chemiearbeiter. Die als Einstiege gezeigten Videos machten deutlich, welche Solidarität gemeint ist.*) Die Mitgliederzahl ist wegen Betriebsstilllegungen und Rationalisierungen in den letzten vier Jahren abermals um mehr als 3.000 auf 35.940 gesunken.

Allein in der chemischen Industrie ging 1992 bis 1996 fast ein Viertel der rund 34.000 Arbeitsplätze verloren, seither sind es neuerlich um rund 1.400 ArbeiterInnen weniger, die jedoch eine Steigerung des Produktionswertes um fast 14 Prozent erarbeiteten. Ein ähnliches Bild meldet die Fachgruppe Papier, wo die Industrie allein 1998 den Betriebserfolg mehr als verdoppeln konnte, während die Beschäftigtenzahlen kontinuierlich zurückgingen. In der Glasindustrie war die Beschäftigtenzahl nach der vorhergegangenen Krise wieder auf über 8.000 gestiegen, seither jedoch bei steigenden Produktions- und Gewinndaten um rund 500 zurückgegangen. In der Mineralölwirtschaft einschließlich die zur Chemie gehörenden Betriebsteile der OMV sind kontinuierliches Wachstum der Gewinne und Sinken der Beschäftigtenzahlen der Alltag.

"Lebensmittelindustrie gesundgeschrumpft" war eine Zeitungsmeldung im Oktober. Die Exporte steigen zwar, doch die weiter wachsenden Importe drücken aufs Handelsdefizit. Seit dem EU-Anschluss hat die Branche mit 30.000 mehr als ein Drittel der Beschäftigten eingebüßt, allein von 1997 bis 2000 stieg jedoch der Produktionswert um 20 Prozent, berichtete ANG-Vorsitzender Dr.Leopold Simperl. Die ANG ist vor zehn Jahren aus der Fusion der LUGA mit den Land- und Forstarbeitern entstanden, versuchte später eine Kooperation mit den Chemiearbeitern, nun wurde das Zusammengehen mit der Gruppe Metall/Textil beschlossen. Die Einsparungseffekte spielen bei diesen kleinen Gewerkschaften eine bedeutende Rolle, aus dem größeren solidarischen Zusammenhalt erwartet man sich besseres Durchsetzungsvermögen, und so lautete bei ANG das Motto "Solidarität - die Kraft für das 3. Jahrtausend".

- Schm -

*) Solidarisch zeigte sich auch der bisherige und wiedergewählte Vorsitzende, Kollege Wilhelm Beck, der mir als einzigem am Verlauf der Veranstaltung interessierten Journalisten persönlich die schwer auffindbaren Kongressunterlagen beschaffte ...

 


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