
Was haben kriminelle Frächter mit unserer Weltanschauung zu tun ?
Von Manfred GROSS. In Luxemburg strandeten die Opfer wirtschaftskrimineller Frächter, die über ein Netz von Subfirmen gruppiert sind, Ausbeutung der übelsten Art betrieben haben. Für einen Bettel wurden Fahrer aus Süd-Ost-Europa nicht nur illegal beschäftigt, sondern nach Kilometerleistung "entlohnt". Das heißt: Um überhaupt Geld auf die Hand zu bekommen, mussten sie Kilometer "fressen" und durchfahren – ohne Rücksicht auf ihr Befinden und auf die geleistete Arbeitszeit. Welche Folgen das haben kann und tatsächlich immer wieder hat, ist bekannt. Man kann also davon ausgehen, dass die Wirtschaftskriminellen Gesundheit und Leben der Fahrer wie anderer Verkehrsteilnehmer aufs Spiel setzen, um Profite zu scheffeln. In Österreich tobt derzeit ein Streit, ob der überwiegende Teil der Frächter – die Gewerkschaft spricht von 80 Prozent – gegen einschlägige Bestimmungen verstößt, oder ob es "nur" 10 bis 15 Prozent sind, wie von der Wirtschaftskammer behauptet wird. Fest steht soviel, dass illegale Praktiken und illegale Beschäftigungen in diesem Gewerbe nicht an Einzelfällen festgemacht werden können. Fest steht weiters, dass diese Handlungen nur mit Verwaltungsstrafen geahndet werden. Es zahlt sich hierzulande also aus, Ausbeutung der dreckigsten Art zu betreiben und – nebenbei bemerkt – auch noch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge unter den Tisch fallen zu lassen. In den USA machte der Energiekonzern Enron Pleite. Ein Wirtschaftsprüfer machte die bemerkenswerte Aussage, dass er zwar manche Erkenntnisse über die Machinationen der Konzernherren gewonnen hätte, aber noch immer nicht wisse, womit das Unternehmen eigentlich Geld verdient und wofür es dieses ausgegeben hätte! Fest steht in diesem Fall so viel, dass die tausenden MitarbeiterInnen ihre Jobs und ihre Pensionsansprüche verloren haben, weil letztere auf angesparte Aktien des Pleitekonzerns gestützt waren. Fest steht weiters, dass die Manager jahrelang die Bilanzen gefälscht haben, um den Kurs der Aktien hoch zu treiben, und ihre eigenen Aktienpakete zu einer Zeit abstießen, als sie damit noch Milliarden verdienten und Politiker "schmierten". Drittens aber steht fest, dass Enron nur die Spitze eines Eisbergs darstellt und weltweit auf diese Weise Profit gemacht und geschoben wird – ohne Rücksicht auf die Opfer, die in manchen Fällen nicht nur Job und Pension verlieren ... Die kriminellen Frächter da – die kriminellen Manager dort: Es ist ein ganzes Wirtschaftssystem, das nicht erst heute und nicht nur in den bekannt gewordenen Fällen über Leichen geht, wenn nur der Profit stimmt. Und es ist der Profit einiger weniger, während die Opfer weltweit nach Hunderttausenden und Millionen zählen. Es ist ein System, das keine Grenzen kennt und sich aller Regeln entledigt. Hier sind die Opfer osteuropäische Transportarbeiter, dort sind es Arbeiter und Angestellte, die sich scheinbar in Sicherheit gefühlt haben und nun vor dem Nichts stehen, woanders sind es ganze Bevölkerungsgruppen und Völker, die für ein kriminelles Wirtschaftssystem schwitzen, hungern und bluten. Wo sich aber Widerstand regt, wird dieser diffamiert, diskreditiert und – wenn dieser dem System gefährlich wird – niedergemacht. Wer immer noch der Illusion nachhängt, dass es eine Wende zum Besseren gibt, ohne dass man sich selbst der sicher nicht angenehmen Aufgabe unterzieht, gegen zu steuern und sich im eigenen Lebens- und Wirkungsbereich zu engagieren, wird vielleicht schon bald ein böses Erwachen haben. WTO-Abkommen und WEF (World Economic Forum) nehmen in Verhandlungen um einschlägige Abkommen und Diskussionen bereits vorweg, was die nächsten Entfesselungsstufen der kapitalistischen Wirtschaft neuer Prägung sein werden. Die Auswirkungen werden in allen Lebensbereichen spürbar sein, wenn nicht Gegenkräfte entstehen, die über jene Splitter hinaus reichen, die bereits heute die Systemfrage stellen und beherzt gegen die Durchsetzung des Prinzips "Profit um jeden Preis" antreten. Es ist also nicht nur ein politischer Kampf gegen das System und seine Auswirkungen. Es ist der Kampf um die Köpfe. Es ist ein Kampf um die Einsicht in den Gang der Dinge und um die Erkenntnis, dass dieses System weder gottgegeben noch unüberwindbar ist. Es ist ein Kampf um Weltanschauung – eine revolutionäre Weltanschauung. Wie alle Kämpfe beginnt auch dieser im Kleinen, um im Großen gewonnen werden zu können. Wir sehen für unseren Teil unsere Aufgabe darin, durch unsere tägliche Arbeit, durch unser gewerkschaftspolitisches Wirken und durch Überzeugungsarbeit neue MitstreiterInnen zu gewinnen. Eine Formierung wie unsere darf über das Wirken im Kleinen aber das Große – die Idee einer anderen, einer sozialen und im besten Sinne des Wortes demokratischen Gesellschaft – nicht aus den Augen verlieren. Und so geht es bei einer Reform des GLB um zweierlei: Um ein Organisationsleben, das diesen Namen auch verdient und in Betrieben und Regionen seinen Niederschlag findet – und um eine politische und weltanschauliche Formierung, die letztlich den täglichen Mühen einer Gemeinschaft Sinn gibt. Wie wir uns das vorstellen und was die GLB-Bundesleitung im einzelnen dazu erarbeitet hat wollen wir in einer eigenen "arbeit"-Präsentation darstellen.