
Noam Chomsky - ein Querdenker gegen die globale Welt(un)ordnung
Noam Chomsky Profit over People ISBN 3-203-76010-X, Europa-Verlag, Hamburg-Wien 158 Seiten, Preis: 13,30 Euro Noam Chomsky - ein Querdenker gegen die globale Welt(un)ordnung Ende letzten Jahres stimmte das US-Repräsentantenhaus einer Reform der Agrarpolitik zu, nach der die Subventionen an die US-Landwirte um 75 Prozent angehoben wurden. Unvorstellbare 2.560 Mrd Schilling (170 Milliarden Dollar) können danach die Farmer bis 2011 kassieren, obwohl sich die USA im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO dazu verpflichtet hatten, ihre Beihilfen zu reduzieren. Aber schließlich haben die USA auch schon gegen eine WTO-Entscheidung Berufung eingelegt, nach der US-Gesetzen ein Verstoß gegen die Regeln des freien Warenverkehrs konstatiert wurde. Exportfirmen ist es nämlich erlaubt, ihre Waren über Tochterfirmen in diversen Steuerparadiesen steuerfrei etwa nach Europa zu liefern. Zugleich suchen aber die USA ureigenste "amerikanische Werte" wie "freie Konkurrenz, faire Regeln und effektive Durchsetzung" über eben jene WTO durchzusetzen deren Urteile hier in Frage gestellt werden. Hellsichtig verdammt der US-amerikanische Sprachwissenschafter und Gesellschaftskritiker Noam Chomsky, der als "Einstein der Linguistik" gilt und am Massachusetts Institute of Technology (MIT) lehrt, diese Doppelzüngigkeit als einen weiteren Versuch, die WTO als neues Werkzeug für die Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten zu gebrauchen, nachdem die UNO Amerikas "Leidenschaft für die Deregulierung" nicht mehr so recht dienlich sein will. In zahlreichen Polemiken und Aufsätzen denunziert der betagte einstige Protagonist der Anti-Vietnamkriegsbewegung und Wortführer der Neuen Linken in den USA eine scheinheilige "Globalisierung", die für ihn die Form eines "Sozialismus für die Reichen" angenommen hat. "Dieser ist im System eines ‚globalen Merkantilismus der Konzerne‘ angesiedelt, wo der ‚Handel‘ zum größten Teil in zentral geleiteten, innerbetrieblichen Transaktionen zwischen riesigen Institutionen besteht, die ihrem Wesen nach totalitär sind und nur dem Zweck dienen, demokratische Entscheidungsprozesse zu unterminieren und die Herren und Meister vor der Disziplin des Marktes zu bewahren. In ihren strengen Lehrsätzen werden nur die Armen und Hilflosen unterwiesen". Soweit Chomsky in seinem Aufsatz über "Neoliberalismus und globale Weltordnung", der zusammen mit anderen seiner Arbeiten unter dem Titel "Profit Over People" letztes Jahr auch im Europa-Verlag erschienen ist. Staunend lässt sich da nachvollziehen, wie gerade diejenigen, die sich weltweit als Moralapostel aufspielen, für sich selbst die ärgsten Sünder sind. Bis zurück in die Frühgeschichte der USA lässt sich mit Chomsky beispielsweise in seinem Essay "Konsens ohne Zustimmung" die Entwicklung einer spezifischen Staatstheorie verfolgen, bei der etwa schon bei James Madison die erstrangige Pflicht der Regierung wäre, "die Minderheit der Wohlhabenden gegen die Mehrheit zu schützen". Denn, wie es auch bereits ein John Jay, der Präsident des 2. Kontinentalkongresses und der erste Oberste Richter der USA als herrschende Lehre formulierte, "die Menschen, denen das Land gehört, sollten es auch regieren". Und wem das Land gehörte, das sollte sich bald durch den Aufstieg von Privatkonzernen und der für ihren Schutz und ihre Unterstützung notwendigen Strukturen zeigen, auch wenn es nach wie vor schwierig sein soll, die Öffentlichkeit auf die Rolle des Zuschauers zu beschränken. So Chomsky. Bei ihm finden sich noch eine Fülle von ihm zusammengetragene Fakten, die die großmäuligen Postulate von der Freiheit und ihren ewigen Werten als ziemlich durchsichtige Methode entlarven, unverblümt die eigenen Interessen in den Vordergrund zu stellen. Da ist es dann auch nicht verwunderlich, dass sich der Autor inzwischen unter den meistzitiertesten Autoren befinden soll. Er kann es sich dann auch selbst bei kniffligen Fragen nicht verkneifen, gegen den Strom zu schwimmen, wenn er etwa hartnäckig auf die einstige Zusammenarbeit des CIA mit einem gewissen Osama Bin Laden hinweist. So nachzulesen etwa im Internet unter -granzer-