Linke Gewerkschaftskonferenz in Athen

Anfang Juni fand in Athen auf Einladung der griechischen Gewerkschaftsorganisation PAME, die mit der kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) zusammenarbeitet, die dritte Konferenz revolutionärer, kommunistischer und linker Gewerkschaften statt. Sie stand unter dem Motto:

Die Zukunft gehört jenen, die kämpfen !

Der Einladung waren Gewerkschaftsorganisationen aus 16 europäischen Ländern gefolgt, die stärksten Delegationen waren die griechischen und die türkischen, deren immer engere Zusammenarbeit ein Ergebnis der bisherigen Koordinierungen war. Aus Italien kamen die Representanti dei Basi (RdB), die innerhalb der CGIL sich kritisch mit dem reformistischen Kurs der CGIL-Führung auseinandersetzt und versucht, deren früherer revolutionärer Basisarbeit wieder mehr Leben einzuhauchen. Auch aus Frankreich waren der offiziellen CGT-Führung eher kritisch gegenüberstehende BetriebsrätInnen und GewerkschafterInnen anwesend, die das Abdriften der CGT in reformistisch-bürokratische Politik kritisierten. Auch die größte baskische Gewerkschaftsorganisation LAB war anwesend. Eine große Delegation war aus Belgien, hauptsächlich GewerkschaftsaktivistInnen der Arbeiterpartei, erschienen. Vor allem gegenüber diesen Vertretern muss man die Punzierung als sektiererisch endlich fallen lassen, weil sowohl sie als auch die PDTB wirklich massenverankert sind und in allen Kämpfen eine tragende Rolle spielen, z.B. bei den Betriebsbesetzungen des größten belgischen Stahlwerks und bei den Handelsangestellten sowie im öffentlichen Dienst. Die deutsche Delegation setzte sich aus kritischen marxistischen Gewerkschaftern aller möglichen Bereiche zusammen, es waren KollegInnen aus der DKP, der PDS, dem Arbeiterbund usw. vertreten.

Die Plenardiskussionen, die manchmal von Übersetzungsproblemen heimgesucht wurde, erbrachte demgemäß von konkreten Berichten über Arbeitskämpfe, Streiks, Aktionen dominiert. Interessant war daran, dass radikale, in unseren Reihen oft als sektiererisch eingestufte Gewerkschafter in allen realen Kämpfen ihrer Länder an vorderster Front, nicht selten diese Kämpfe organisierend mitwirken. Dass es für KommunistInnen wohltuend ist, wenn man ausnahmsweise (außer vielleicht mit britischen Teilnehmern) nicht über neue Subjekte, den Untergang oder das Nichtvorhandensein der Kernschichten der Arbeiterklasse diskutieren muss, versteht sich von selbst. Es gab keine Diskurse, sondern Diskussionen, die unterschiedlichen Standpunkte und Einschätzungen wurden nicht mit einem soziologistischen Quacksprech vernebelt, sondern offen und kämpferisch angesprochen. Es blieb kein Zweifel an der Tatsache, dass wir nach wie vor im Zeitalter des Imperialismus leben, der seine Verwertungsbedingungen unter Einsatz aggressivster Mittel eben "globalisiert". Demgemäß war auch wenig die Rede von "Neoliberalismus" und "Globalisierung", sondern die Dinge wurden beim Namen genannt und konkret analysiert. Das darf auch nicht verwundern, leistet der Großteil der Delegierten doch tagtäglich Widerstand in seinem/ihrem Betrieb.

Ein Ausschuss, in den - unabhängig von der Stärke der Gewerkschaften - je ein Vertreter aus allen vertretenen Staaten gewählt wurde, koordiniert die weitere Tätigkeit, die sich vor allem in gemeinsamen europaweiten Kampagnen etwa gegen den Ausverkauf öffentlichen Eigentums und der öffentlichen Versorgung zeigen soll und wird. Vertreter Österreichs wird in diesem Ausschuss Oliver Jonischkeit, GLB-Sekretär im ÖGB sein.

Robert Hobek, Vorsitzender des GLB Post/Telekom, regte nach einem Treffen mit anderen Gewerkschaftern aus diesen Bereichen in seiner Rede eine engere Vernetzung der linken und kommunistischen Telekom/Post-Bediensteten an (siehe Interview auf Seite 20), der nächste Schritt soll eine entsprechende Konferenz in Wien sein.

In der verabschiedeten Resolution wurden die anstehenden Probleme offen beim Namen genannt und eine Orientierung auf gemeinsame Protest- und Aktionstage eingeschlagen. Die ins Leben gerufene Koordinierungsgruppe wird an dieser praktischen Arbeit zu messen sein.


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