Voest-Alpine AG: Milliarden für Investitionen

Milliarden für Investitionen –

keine Verbesserungen der Sozialleistungen geplant?

Der Voest-Alpine-Konzern mit den Großstandorten Linz und Leoben-Donawitz wird weiter mit beträchtlichem finanziellen Aufwand modernisiert bzw. spezialisiert.

Der Autobau wird revolutioniert!

Noch unlängst galt im Automobilbau folgende Logik: Das Autowerk macht allein den PKW; Zulieferfirmen beliefern mit notwendigen Einzelteilen. Die künftige Version lautet konkret im Falle Voest-Alpine: Es werden – just in time – ganze Karosserien bestimmter Autotypen gefertigt; das heißt die Autohersteller lagern die Gesamtproduktion aus. Riesige Autowerke gehören – nach dieser Version – bald der Vergangenheit an. Dies heißt konkret, dass zwar Automobile billiger produziert werden, aber es bedeutet auch einen drohenden Massenabbau zehntausender Arbeitsplätze und einen gnadenlosen Verdrängungswettbewerb in der Automobilindustrie (siehe das jüngste Beispiel bei FIAT/Italien). Nach dem kürzlich getätigten Kauf der deutschen Firma Matzner-Holding ist die VA – lt. Aussage von Generaldirektor Strutzl – nun in der Lage ein neues Nischenprodukt "Karosserie" zu fertigen.

Gleichzeitig soll in Linz bis zum Jahr 2006 mit einem Kostenaufwand von rund 1Milliarde Euro die Rohstahlerzeugung um ein Viertel auf über 5 Millionen Tonnen pro Jahr hinaufgefahren werden; bis zum Jahr 2010 soll noch einmal ein ähnlicher Betrag in die Bereiche Stahlverarbeitung, Walzwerke, Verzinkung und Bandbeschichtung fließen.

Donawitzer Schiene – ein weiteres Juwel des Konzerns!

Von der kommenden und hoffentlich nicht auf tönernen Füßen stehenden "Auto-Expansion" etwas im Schatten, erfreuen sich die hochqualitativen Schienenprodukte aus Donawitz weiterhin einer guten Nachfrage. 2001 wurde mit der Übernahme der deutschen Thyssen/Krupp die Schienentechnik weiter internationalisiert, heuer folgte die niederländische Railpro. Die VA-Unternehmensstrategie des "Systemlieferanten" scheint aufzugehen. Mit der bekannten Beteiligung an der Zeltweger Weichenfirma VAE (wo es diesmal mit der heurigen Bilanz nicht so gut aussieht) und Engineering-Aktivitäten ist die Voest-Alpine in der Lage, bei Schienenaufträgen als Generalunternehmer für Großprojekte – wie den über 50 Kilometer langen Schweizer St. Gotthard-Basistunnel – zu fungieren.

Wo bleiben die zeitgerechten Sozialleistungen?

Das Beispiel des Voest-Alpine-Konzerns zeigt eindringlich, welche Chancen sich – trotz Stahlkrise und Handelskrieg USA/EU - mit kompetentem Management und hochqualifizierten Beschäftigten auf dem Weltmarkt böten. Gerade diese Erfolge wie in Linz und Donawitz errungen, bestätigen einmal mehr wie notwendig in Österreich Schlüsselindustrien unter staatlicher Mitverantwortung bzw. –kontrolle bleiben. Aktuelle Forderung: Eine drastische Aufstockung der staatlichen Anteile durch die ÖIAG um ideenloses Spekulieren britischer, amerikanischer oder kanadischer Investmentfonds – die nur schnellen Profit im Auge haben – einen entschiedenen Riegel vorzuschieben.

Auch ist es für die arbeitenden Menschen der Voest-Alpine und deren Betriebsratskörperschaften höchst an der Zeit über neue Formen von Sozialleistungen zu verhandeln. Wir erinnern: In den letzten Jahren wurden fast alle sozialen Betriebsleistungen zugunsten eines Prämiensystems wegrationalisiert. Hier herrscht großer Handlungsbedarf beispielsweise über die weitere Zukunft der VAPS-Kollegenschaft in Zeiten großer ökonomischer Erfolge (Stichwort: "Aufstockung der Stamm-Mannschaft in der Donawitzer VA"). Auch die Frage der Arbeitszeitverkürzung in Richtung 35- oder gar 33-Stunden-Woche harrt auf konkrete Verhandlungen, ebenso der Bereich der konstanten Lehrlings- bzw. Facharbeiterausbildung (Motto: "Der Jugend der Leobener Regíon eine langfristige und gute berufliche Chance").

Also viele und sehr wichtige Themenbereiche, womit sich Betriebsratskörperschaften, Gewerkschaft und Arbeiterkammer im Sinne der arbeitenden Menschen raschest zu beschäftigen haben.

- Kurt Luttenberger -


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