Lohnabschluss Chemie

Eine der schwierigsten Lohnverhandlungen im Bereich der Chemiegewerkschaft konnte für rund 24.000 ArbeiterInnen erfolgreich zu Ende geführt werden: Nach vier Verhandlungsrunden kamen Arbeitgeber- und ArbeitnehmerInnen-Vertreter überein, sowohl die kollektivvertraglichen Mindestlöhne wie auch die tatsächlichen IST-Löhne um drei Prozent zu erhöhen. "Damit ist es gelungen, für die betroffenen Arbeiter in der Chemischen Industrie auch eine tatsächliche Reallohnerhöhung zu erzielen, diese liegt um 0,6 Prozent über der zu Grunde liegenden Inflationsrate", stellt der Vorsitzende der Chemiegewerkschaft, Wilhelm Beck, fest.

Im Zusammenhang mit den von der Chemiegewerkschaft geforderten gesundheitlichen Präventivmaßnahmen einigten sich die Verhandlungspartner auf eine Abgeltung pro Schichtarbeiter im Nachtschichtbereich von jeweils 30 Euro.

Aner hat immer des Bummerl ...

Ein trauriges Warten am Wegrand der sozialpartnerschaftlichen Verlassenschaft

Einmal aus der Schule plaudern konnten die gewerkschaftlichen Unterhändler nach der empörender Weise bereits zum drittenmal geplatzten Lohnrunde. Auf tut sich ein gar erschreckendes Bild vom auf einmal gar so bösen Sozialpartner und wie man doch eh so nett zu ihm war. Und, wirst es schon sehen, dass man ja auch einmal selbst fuchtig werden könnte ...

Nach einem aufmunterndem Lied: "Du musst Dich selber wehrn, sie machen sunst, was sie wolln" wird musikalisch auch an die Härte des Arbeitslebens erinnert: "Weil in der Arbeit, in der Arbeit, muass ma alles gebn ..."

Dann spricht Vorsitzender Kollege Wilhelm Beck:

"Wir haben in den letzten Jahren immer eine maßvolle Lohnpolitik betrieben. Nur heuer hat man uns bereits in der ersten Verhandlungsrunde nicht nur kein finanzielles Angebot gemacht, sondern alle sechs Rahmenforderungen abgelehnt.

Wir haben bereits nach der ersten Runde unsere Forderungen nochmals überdacht und sind in die zweite Lohnrunde gegangen, wo man uns nach vielen Stunden nur mehr eine Abgeltung der Inflationsrate angeboten hat und ein winziges Entgegenkommen in der Gesundheitsfrage. Alle anderen Fragen, was die Arbeitsbedingungen betroffen hat, wurden rundweg abgelehnt.

Dann sind wir in die dritte Runde gegangen und in dieser wurde signalisiert, ein bisschen über der Inflationsrate, aber dafür alles, was in Sachen Gesundheit zugestanden wurde, wieder weg. Und das lassen wir uns nicht gefallen, wir wollen unseren gerechten Anteil haben.

Und deshalb werden wir morgen neben der Abgeltung der Inflation für jeden Arbeitnehmer 25 Euro pro Kopf und Monat fordern. Darüber hinaus werden wir in der Frage der Gesundheit unserer Schichtarbeiter weiterhin die Forderung aufrecht erhalten, dass wir Mittel zur Verfügung kriegen in der Höhe eines Arbeitstages, um die Gesundheit unserer Schichtarbeiter zu erhalten".

Es folgt Kollege Artmäuer von Semperit: "Ich glaube, dass die Verhandlungsführer auf Arbeitgeberseite unter dem Schutz dieser nicht sehr arbeitnehmerfreundlichen Regierung meinen, dass sie auch die Sozialpartnerschaft nicht mehr brauchen.

Unser Vorsitzender, Wilhelm Beck, hat in der Endphase der dritten Runde gesagt, ‚gut Freunde, wenn das Jahr 2000 ein sehr gutes war, und wir deswegen einen passablen Abschluss erreicht haben plus einer Einmalzahlung von 3.000 Schilling für jeden Arbeitnehmer, dann nehmen wir zur Kenntnis, dass das Jahr 2001 nicht so gut war. Aber dann gebt uns zumindest das bisschen, das wir vergangenes Jahr gekriegt haben, halt ohne die Einmalzahlung‘. Und in so einer Situation dann noch einmal auf dem Rücken der Gesundheit der arbeitenden Menschen zu sagen, ja, aber dann ist uns die Gesundheit nichts mehr wert, das ist Frotzelei, und deswegen bin ich froh, dass wir ohne Ergebnis auseinander gegangen sind."

Und ein anderer Kollege: "Uns wurde mit einer Präpotenz und Menschenverachtung begegnet, die ich nicht kannte. Ich war zum ersten Mal bei KV-Verhandlungen im kleinen Verhandlungsteam dabei und habe mit dieser Behandlung nicht gerechnet."

Eine Stimme aus der Kunststoffindustrie: "Ich persönlich als Mitglied des Verhandlungsteams habe den Eindruck, dass man sich von der ehemals viel gerühmten österreichischen Sozialpartnerschaft zur Sozialgegnerschaft bewegt hat."

Und aus der Erdölindustrie: "Liebe Freunde, ich fürchte, das ist nur ein Probegalopp. Die Manager müssen es spüren, sonst geht nichts. Es funktioniert auch nicht mit einer Lichterkette ums Parlament - das genügt nicht. Die sagen: "Depperte, steht's die ganze Nacht mit Kerzerln durt, des tuat uns net weh". Daher haben wir vor einem Jahr versucht, die Raffinerie und dann das Tanklager in der Lobau zu blockieren. Das hat auch nicht genügt und so haben wir erstmals in Österreich eine Aufsichtsratssitzung blockiert. Wir haben zwei Stunden vorher noch Gespräche in einem kleinen Rahmen geführt, doch das hat nicht genügt. Sie haben bis zum Schluss nicht geglaubt, dass wir weitergehen und die ganze Sitzung blockieren werden. Dann ist der ORF gekommen, dann sind Autobusse von uns gekommen, da haben sie gesagt, der ORF darf nicht rein, wir haben dann selber gefilmt. Wir sind dann in die Aufsichtsratssitzung reingegangen - zweihundert Leute vielleicht - und da haben sie wirklich Angst gehabt. Sie sind dort gesessen, die Araber dabei, die das nicht gewohnt sind, aber das hat erstmals genützt, Freunde!

Wir müssen Gewehr bei Fuß stehen, Freunde! Das ist heute, meines Erachtens nach, ein Probegalopp, mehr nicht, vielleicht nützt er was. Aber übermorgen geschieht das Gleiche wieder in einem anderen Bereich."


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