
Dammbruch
Dammbruch Um das Angebot der Städtischen Büchereien weiterhin in Anspruch nehmen
zu können, werden jetzt die Finanzschwächsten unserer Gesellschaft zur
Kasse gebeten. Von Rudi Hieblinger. *) Am 1. Juli 2002 wurden die Gebühren für die Benutzung der Büchereien
Wien (vormals Städtische Büchereien) erhöht. So hat es der Wiener
Gemeinderat in seiner Sitzung vom 29. Mai beschlossen. Eine
Gebührenerhöhung war abzusehen, und viele BenutzerInnen der Büchereien
hatten sich auf eine solche bereits eingestellt. Aber auf welche Weise
sich die Gebührenerhöhung dann einstellen würde, damit hatte niemand
gerechnet, am allerwenigsten die bei den Büchereien Beschäftigten. Eh keine Gebührenerhöhung ? Für NutzerInnen der Büchereien, die sich mit dem "normalen"
Angebot, das ihnen eine Zweigstelle bietet (also Bücher, Zeitschriften,
Toncassetten und CD´s) begnügen, ist diese Gebührenerhöhung eigentlich
eine Gebührenreduzierung. Die jährliche Benützungsberechtigung für
Personen mit "normalem" Einkommen kostet jetzt nämlich statt 18,15 Euro nur
noch 18.- Euro. Dabei hatten viele, auch die BibliothekarInnen fix mit
einer Erhöhung auf 20.- Euro gerechnet. Ist doch auch die Bim teurer geworden. Überraschung, Überraschung ! Zum Ausgleich für so viel Großzügigkeit wurde den Arbeitslosen, den
BezieherInnen einer Mindestrente, Präsenz- und Zivildienern sowie
SchülerInnen über 18 Jahre die Befreiung von den Grundgebühren
gestrichen. Für StudentInnen sowieso - denn die haben sich ja schon bei
den Studiengebühren als durchaus belastbar erwiesen. Sie müssen ohne
Ansehen der Person 3.- Euro jährlich bezahlen. Das ist nicht viel, aber zu
befürchten ist, dass es nur als Einstieg dient und ausbaufähig scheint. Abschied der Gemeinde Wien von der Ära Kreisky In der Ära Kreisky war es in Ansätzen gelungen - zumindest formal -
Chancengleichheit herzustellen. Eines der Mittel zu diesem Zweck war der
möglichst kostenlose Zugang zu Bildungseinrichtungen für alle
diejenigen, die sonst diese Einrichtungen nicht in Anspruch genommen
hätten. Damit ist es - da ist Wien gar nicht anders - fürs erste vorbei,
jetzt regiert die Zauberformel "Steigerung des Kostendeckungsgrads", was
bedeutet, dass Einrichtungen, für die Kostendeckung oder gar Profit
jenseits des Möglichen liegen, dazu angehalten werden, ihre Einnahmen -
mit welchen Mitteln auch immer - zu steigern. Frohen Mutes wurde bereits
begonnen, an einer neuen Zweiklassengesellschaft zu basteln, so genannte
neue Medien wie CD's und DVD's sind nur noch für diejenigen da, die sich
das Entlehnen solcher Sachen auch leisten wollen und können. Wer das
nicht kann, bleibt eben über. Hinter dem Rücken der Bediensteten Die Vorlage, auf Grund derer der Wiener Gemeinderat dieses "kleine"
Belastungspaket, welches ja nicht nur die Büchereien betrifft,
beschlossen hat, wurde übrigens von der Dienststellenleitung erstellt,
ohne sich um die Meinung der Bediensteten oder der Personalvertretung zu
kümmern, die diese unsoziale Form der Gebührenerhöhung beeinsprucht
hätten. Müssen doch die Bediensteten die neuen Gebühren einheben und
sich von nicht wenigen bisher von Gebühren befreiten BenutzerInnen
allerlei schöne Dinge anhören.
Auch hier wurde - zumindest bei den Büchereien - Neuland erschlossen.
>Eine Fortsetzung folgt nämlich sicher. *) Rudi Hieblinger ist Mitglied im Zentralvorstand der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten.