
Ein Besuch ...
Von Heinz GRANZER. Als geschichtsträchtig entpuppt sich das Gelände der Linzer Tabakwerke an der Donau hinter Parkbad und Eishalle. Bereits seit 1650 war hier eine Wollzeugmanufaktur ansässig, die vor Ort 11.000 Menschen beschäftigte. Per Heimarbeit waren noch weitere 41.000 eingebunden. Seit 1850 gibt es dann die Tabak-Manufaktur. Bereits 1643 wurde ja im oberösterreichischen Schwertberg Tabak angebaut und 1722 das staatliche Tabakmonopol errichtet. Heute zählt das Linzer Werk zu den drei verbliebenen Standorten der Austria Tabakwerke, die nach dem EU-Beitritt und dem damit verbundenen Fall des Tabakmonopols und dem mittlerweile erfolgten Verkauf an den britischen Gallaher-Konzern verblieben sind. Durch die Schließung des Standorts Malmö der 1999 erworbenen Zigarettendivision der Swedish Match konnte die Produktion sogar aufgestockt werden. Wurden früher in Linz jährlich elf Milliarden Zigaretten erzeugt, so erreicht man nunmehr - mit zusätzlichen 17 nach Österreich verlagerten Maschinen - einen Ausstoß von 17 Milliarden Zigaretten im Jahr. Der Zuwachs von Arbeitsplätzen hielt sich dabei in Grenzen, gerade 15 männliche Arbeitskräfte wurden aufgenommen. Der Frauenanteil liegt insgesamt bei 90 Prozent, die Männer sind überwiegend als Maschinenschlosser und Installateure beschäftigt. Im Werk selbst sind kaum Menschen an den Anlagen auszumachen, alles scheint vollautomatisch zu funktionieren. Immerhin arbeiten 240 Beschäftigte in drei Schichten im Werk, 1950 waren es noch mehr als dreimal so viele. Damals produzierten 750 Arbeiter unterstützt von 66 Angestellten jährlich 2,9 Milliarden Zigaretten. Aber nach wie vor ist auch eine Personalreserve nötig, wenn einmal eine Maschine ausfällt. Der nahezu vollautomatische Ablauf der Produktion in den riesigen Hallen in insgesamt fünf Stockwerken ist recht beeindruckend. Etwa 7,2 Millionen Kilogramm Rohtabak werden hier verarbeitet, 25 bis 30 Tabaksorten vermischt. Der heimische Anbau in Fürstenfeld liefert zwar kein feines Aroma, aber doch ein als neutrales Füllmaterial geeignetes Rohprodukt. Der aus Anatolien oder Südamerika angelieferte Tabak ist für jegliche Weiterverarbeitung aber zu trocken. Er muss erst einmal unter Dampf gesetzt und auf 70 Grad Celsius erhitzt mit 18 Prozent Feuchtigkeit versehen werden. Dann geht es in die so genannte "Soßentrommel", wo natürliche Extrakte zum Beispiel aus Feigen zugesetzt werden. In den fünften Stock befördert werden dann Rippen- und Blatt-Tabak fein geschnitten vermengt und mit Aroma-Stoffen wie Bananen, Rum, etc. versehen. Bei Lizenz-Produkten wie der Marlboro vom Philip Morris Konzern wird deren Zusammensetzung als gut gehütetes Geheimnis gewahrt und auch hinsichtlich der Qualität entsprechend kontrolliert. Um gleichbleibenden Geschmack garantieren zu können, verbleibt der Tabak schließlich 24 Stunden in einer Mischbox. Erst dann erfolgt die Verarbeitung im dritten Stock, wo der Tabak durch einen Fallschacht auf seine Papierhülle praktiziert und so eine superlange Zigarette geleimt wird. Diese wird dann zerschnitten mit Doppelfiltern versehen, die wiederum in der Mitte geschnitten und je nach Lage um 180 Grad gedreht schließlich in einem Tempo von 8.000 Stück in der Minute die Maschine verlassen. Der Rest ist dann nahezu vollautomatische Verpackungsarbeit. Immerhin sind zwei Arbeiter je Schicht dafür abgestellt, Stichproben hinsichtlich ihrer Qualität zu untersuchen und ein eigener "Raucherkreis" ist damit beschäftigt, mittels "Probe rauchen" das Produkt mit der Vortagsqualität zu vergleichen. Erfreulich ist das Ganze auf jeden Fall für den jeweiligen Finanzminister, denn produziert wird schließlich noch immer zu 80 Prozent für den Inlandsverbrauch, nur 20 Prozent gehen in den Export, aber dann auch schon bis nach China oder nach Afrika. Bei Produktionskosten von drei bis vier Schilling pro Zigarettenpackerl verbleiben rund drei Viertel des Preises für eine Schachtel Zigaretten als Tabaksteuer in den Taschen des Finanzministers und eigentlich könnten es noch mehr sein, immerhin betrug noch vor dem Verkauf der ATW deren "Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit" über 2,66 Milliarden Schilling! Die dafür im Vorjahr lukrierten zehneinhalb Milliarden sind da eigentlich nur ein schwacher Trost ...