Turbokapitalismus in Aktion

US-Kapital setzt 500 Leute in Krisenbezirk auf die Straße - Nationalisierung als Lösung

Die ca. 500 Beschäftigten von Tyco Waidhofen/Thaya wurden gestern Montag informiert, dass der Konzern sein österreichisches Werk mit Relais-Produktion innerhalb von drei Jahren komplett nach Tschechien verlegt.
Nichts außergewöhnliches in Zeiten wie diesen? Oder doch:

**Tyco Waidhofen (früher Schrack und dann auch Siemens) ist hochprofitabel und geht so gut, dass eigentlich Leute aufgenommen werden müssten.
**Waidhofen ist der Bezirk in Niederösterreich mit der höchsten Arbeitslosigkeit und hoher Abwanderung, wo kaum auch nur annähernd ähnliche
Arbeitsplätze gefunden werden können.
** Der Tyco-Konzern zahlt an seine Chefs gleichzeitig aufreizende Geldsummen. Dazu sind die Chefs in außergewöhnliche Betrügereien verwickelt.

Der Tyco-Konzern ist Kapitalismus pur: ein Mischkonzern (von Windel bis Gartenschläuche) mit weltweit 227.000 Arbeitenden. Am Hauptsitz auf den Bahamas wird der aus diesen Leuten gezogene Mehrwert angesammelt. Die Firma funktioniert als eine Art Inkassobüro: Sie hat branchenweise Subfirmen als eine Art Peitschenknaller beschäftigt, die für den laufenden Geldfluss auf die Bahamas sorgen. Das Bild des Kraken ist durchaus angebracht. Gleichzeitig werden die Firmen "mit spartanischen Mitteln geführt" ("Presse", 19.9.2002), sprich kurzgehalten. Konkret heisst das: Wenn ein Arbeiter in Waidhofen einen Werkzeugkasten bestellen will, muss von den Bahamas eine Genehmigung eingeholt werden - zugegebenermaßen schwer zu glauben, aber so ist es. Dass Tyco Waidhofen trotzdem gut läuft, liegt offenbar nicht an den Einkassierern, sondern an der Qualifikation und an der Arbeit der Beschäftigten.

In den USA ist Tyco jüngst in die Schlagzeilen geraten, weil bei den Finanzen manipuliert wurde und die Chefs aufreizenden Luxus über die Firma finanzierten. Tyco-Chef Dennis Kozlowsky wird vorgeworfen, dass er entgegen der Regeln mit 170 Millionen Dollar Tyco-Geld (mehr als 2 Milliarden Schilling) privaten Luxus finanzierte.

Dass derselbe Mann in den letzten 5 Jahren gleichzeitig das Doppelte, nämlich 330 Millionen Dollar (ca. 4 Milliarden Schilling !!!) "legal" von der Firma kassierte, das ist offenbar bürgerliche Normalität (Zahlen aus der "Presse" vom 19.9.2002), aber der größere Skandal. Und der dahinter liegende Skandal ist, dass das ja alles normal legal ist. - Für den "illegalen" Betrag wandert Kozlowsky vielleicht ins Gefängnis oder auch nicht. Für sein "legales" Gehalt wurde er groß gefeiert.
Mit diesem Verdienst stehen österreichische Höchstverdiener unter den Konzernchefs wie Nackerbatzerl da: Das ist jährlich (mit Ausnahme von Magna) mehr als das 40-fache österreichischer Höchstverdiener und zumindest das 15-fache des Magna-Chefs Wolf.
Immerhin beträgt das legale Verdienst des Chefs damit etwa das fünffache der gesamten Lohnkosten aller 500 im Waidhofner Werk Arbeitenden in den letzten 5 Jahren und jeder einzelne Cent stammt aus harter Arbeit der weltweiten Tyco-Arbeiter.

In Tschechien ist man sich bewusst, dass Kapital wie Tyco auch nur auf Durchreise dort sein wird. Klar ist, dass eine ausgeglichenere Zusammenarbeit mit dem jetzt schon existierende Werk in Tschechien zweckmäßig wäre, denn derzeit ist dieses Werk nur Zulieferer.

Die Lösung ist eigentlich einfach:

* **Jedenfalls keinen Cent aus öffentlichen Mittel für eventuelle faule Kompromisse vor den Wahlen, denn dieses Geld würde letztendlich nur auf die Bahamas fließen; aber Förderung nach einer Nationalisierung
* **Jedenfalls kein Lohnverzicht für die Mega-Abzocker ohne fixe Zusagen.
* Neue Kooperationsbasis mit dem tschechischen Werk und gemeinsames Vorgehen der Belegschaften
* **Nationalisierung - wenn möglich mit Selbstverwaltung. Das Unternehmen war früher selbstständig und ist auch und gerade ohne laufende Überweisungen an die Bahamas lebensfähig. (Wenn eine Regierung Juristen findet, die die laufende Aushöhlung der verfassungsmäßig gewährleisteten Neutralität begründen können, dann wird die Sicherung des Eigentums bei denen, die es geschaffen haben, wohl auch möglich sein).
* **Unterstützung durch die neu zu aktivierende GBI des Bundes, welche von der jetzigen Regierung aufgelöst wurde, aber sich große Verdienste bei der vorüber gehenden Führung von gefährdeten Unternehmen erwarb.

Mag Josef Baum, Ökonom,


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