
Der Verkauf unserer Spitäler
Von Oliver JONISCHKEIT. Öffentliche Spitäler in privater Hand - unvorstellbar? Leider nicht mehr. Bereits vor einem Jahr wurde das öffentliche Spital Kitzbühel verkauft und befindet sich nun in der Hand der deutschen Klinikkette Helios. Aktuell diskutiert wird bereits der Verkauf des Hanusch-Krankenhauses, das sich noch im Eigentum der Wiener Gebietskrankenkasse befindet. Interesse am Erwerb soll die HCC Krankenanstaltenbetriebsführung AG von Bau-Tycon Hans-Peter Haselsteiner und Ex-LIF-Chef Köck haben, ebenso der private Gesundheitsdienstleister Vamed. Letzterer managt seit kurzem auch das neu eröffnete neurologische Rehabilitationszentrum der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft und beteiligt sich am Bau eines neuen Spitals in Schladming. Vamed ist derzeit auch in Oberösterreich fleißig - gebaut wird der Neubau des Landeskrankenhauses (LKH) Vöcklabruck, der Um- und Ausbau des LKH Steyr und das neue Mutter-Kind-Zentrum in Linz. Neben dem Bau von Spitälern hat sich die Vamed-Gruppe ein zweites Standbein geschaffen - mit Dienstleistungen wie Facility Management, medizinischer Instandhaltung und der Betriebsführung von Gesundheitseinrichtungen. Und folglich will Vamed künftig auch verstärkt Spitäler betreiben bzw. übernehmen. Krankenhäuser in Tschechien, Slowenien, Kroatien, Italien und Deutschland stehen auf seiner Speisekarte - ebenso wie ein Managementauftrag für 71 Krankenhäuser in Malaysia, den Vamed bereits an Land gezogen hat. Im Jahr 2001 stieg der Umsatz der Vamed-Gruppe, die so großes Interesse am Hanusch-Krankenhaus in Wien hat, um 8 Prozent auf 201 Mio Euro. Privatisierung konkret Wie werden Krankenhäuser auf die Reise ins private Ungewisse geschickt? Als erstes, auch aufgrund der knappen Finanzmittel der Kommunen, werden Krankenhäuser in Länderholdings zusammengefasst. Dies ist in den meisten österr. Bundesländern bereits geschehen. Den weiteren Weg zeigt unser Nachbar Deutschland, wo derzeit der Verkauf aller Hamburger Spitäler zur Diskussion steht. Es wird einfach für die Holdings ein privater Partner gesucht. Oder sie werden gleich ganz verkauft. Wen trifft die Privatisierung sofort? Zunächst einmal noch nicht die PatientInnen, auch wenn Österreichs Hauptverbandspräsident Gleitsmann die Idee äußerte, Versicherte innerhalb des öffentlichen Kassensystems zwischen einer Gesamtversorgung und einer Basisversorgung mit privater Zusatzversicherung wählen zu lassen. Sagte nicht vor einiger Zeit ÖGB-Präsident Verzetnitsch, das Thema Versicherungspflicht statt Pflichtversicherung - eine der Forderungen der ÖGB-Urabstimmung - sei vom Tisch? Nun sollen also doch auf Umwegen, geht es nach dem Wunsch Gleitsmanns, den Privatversicherern die Türen zur öffentlichen Gesundheitsversorgung geöffnet werden. Was die PatientInnen betrifft ist es allerdings noch so, dass in Österreich und Deutschland alle Spitalsbetreiber Fixtarife nach einem vorgegebenen Behandlungskatalog haben. Um gewinnbringend arbeiten zu können, müssen private Betreiber also die Kosten senken oder weitere Einnahmen lukrieren. Wie eingespart wird, zeigt die Managementgruppe Accenture, welche gerade die Hamburger Spitalsholding für den Verkauf präpariert hat. In einem Interview mit dem "Wirtschaftsblatt" erklärt der Experte Wick, welche Einsparungsmöglichkeiten es gibt, wie die Kosten um 20-30 Prozent reduziert werden können. Öffentliche Holdings können dabei ähnlich vorgehen,wie private. Laut Wick lässt sich der gesamte IT-Bereich, alles, was mit Leistungsabrechnungen und Datentransfers zu tun hat, in einem Backoffice-Bereich zusammenfassen oder gleich ganz auslagern. Auch andere Bereiche, bis hin zur Logistik im OP-Bereich, lassen sich outsourcen. Auch im Diagnostik- und dem so genannten Hotelbereich lässt sich auslagern - was Wick nicht sagt, ist die Möglichkeit, gleich in einen Betrieb auszulagern, der sich im Dunstkreis des privaten Spitalsbetreibers befindet. So können letztlich auch schlechtere Kollektivverträge angewendet werden. Als Vergleich, wie Auslagerungen erfolgreich stattfinden können, bemüht Wick die Autoindustrie. Folglich werden die Beschäftigten die ersten Opfer der Privatisierung von Spitälern sein - egal, ob diese nun von Länderholdings betrieben werden oder von Privaten. Wo die Entwicklung endet, lässt der Österreicher Armin Fiedler erahnen, der bei der Weltbank für Gesundheitssysteme in Europa und Asien zuständig ist. "Wenn große Versicherungen eigene Kliniken haben, wird es auch für die Börse interessant". Ach ja: Bei der ÖGB-Urabstimmung haben sich weit über 90 Prozent für den Erhalt der öffentlichen Grundversorgung ausgesprochen. Von Widerstand ist auch im Bereich der Gesundheitsversorgung wenig zu spüren ...