Sozialistische Alternativen aufbauen !

Drei SLP-Kandidaten zur Nationalratswahl stellen sich im Gespräch mit der "arbeit" vor.

"die arbeit": Kollege Mahrer, kannst du dich bitte kurz vorstellen?

MAHRER: Ich bin seit Mai 2002 GLB-Betriebsrat bei Melzer-Kopie und schon seit 10 Jahren Mitglied der Sozialistischen LinksPartei-SLP bzw. deren Vorgängerorganisationen. Ich bin 28 Jahre jung, wohne und arbeite in Wien-Brigittenau. Nach dem Abbruch meines Studiums (Hauptschullehramt) begann ich in der Kopie-Branche als Digitaldrucker zu arbeiten. An und für sich eine hoch qualifizierte Beschäftigung, allerdings nicht zuletzt wegen der nicht vorhandenen gewerkschaftlichen Organisation in der Branche, schlecht bezahlt.

"die arbeit": Welche Schwerpunkte hat deine Betriebsratsarbeit?

MAHRER: Ursprünglich trat ich an, um für bessere Arbeitsbedingungen (im Bereich Arbeitszeit) und höhere Löhne einzutreten. Da Melzer-Kopie Mitte Oktober Konkurs angemeldet hat, hat sich das Schwergewicht auf die Sicherung der Ansprüche der KollegInnen verschoben. Dabei geht´s vor allem, um die absurde Situation, dass einerseits kein Austrittsrecht existiert und andererseits Zahlungen ausständiger Löhne monatelang auf sich warten lassen. Wovon wir leben sollen, ist offenbar dem Gesetzgeber (der Geschäftsführung sowieso) egal.

"die arbeit": Was kannst du als Betriebsrat erreichen?

MAHRER: Da ich im Betriebsrat in der Minderheit bin, muss ich viel über meine Fraktion arbeiten. Es geht da vor allem um das Aufbauen von politischem Druck und Solidarität in der Belegschaft. Wir, die "Liste KIV", fordern neben Geld von Eigentümer und Geschäftsführer zur Überbrückung der ärgsten Notlagen, auch eine Änderung in den gesetzlichen Rahmenbedingungen (sofortige Auszahlung des Insolvenzausfallsgelds, Austrittsrecht im Konkursfalle), sowie die Übernahme der Firma durch die öffentliche Hand und die Selbstverwaltung durch die Beschäftigten. Ich bin überzeugt, dass nur ein erhöhter politischer Druck die Lage der Belegschaft verbessern kann. Ob es gelingt, weiß ich nicht, da der Frust schon ziemlich um sich greift. Dennoch ist es meine Aufgabe, der Belegschaft diese Zusammenhänge zu erklären und zu versuchen, sie zu mobilisieren.

"die arbeit": Du kandidierst an 3. Stelle der SLP-Liste. Warum?

MAHRER: Meine Erfahrung - nicht zuletzt als Betriebsrat - ist, dass es nötig ist organisiert zu sein, eine Kraft, die dir den Rücken stärkt. Das muss auch über eine rein gewerkschaftliche Organisation hinausgehen. Die Arbeitsstätten sind keine isolierten Plätze, sie sind Teil, und teils sogar im Zentrum der Gesellschaft. Da braucht es eine Partei, die die gesamten gesellschaftlichen Verhältnisse analysiert und zu verändern versucht. Es ist nötig, dass die österreichische ArbeiterInnenbewegung eine neue politische Kraft hervorbringt, die in der Lage ist, die Klasse zu mobilisieren. Dass eine solche neue Partei entstehen kann, braucht es Kämpfe der Klasse und die Erfahrungen in diesen Kämpfen. Sie wird auch nicht ein bloßer Zusammenschluss vorhandener linker Kräfte sein, sondern hauptsächlich aus einer neuen Generation der Klasse heraus geboren werden. Wenn ein solche Partei entsteht werden wir uns einbringen, mit unserem Programm und den Erfahrungen die wir schon heute sammeln. Wir bieten uns als revolutionäre Partei an. Auf der Wahlebene einerseits, und andererseits als Partei in der man aktiv werden kann. Die Kandidatur der SLP versteht sich als Beitrag zum Neuaufbau einer revolutionären Bewegung, diese Bewegung wird aber in erster Linie durch Aktivitäten in Betrieben, im Kampf gegen Rassismus, in der golbalen Protestbewegung und im Kampf für Frauenrechte aufgebaut. Deshalb engagiere ich mich, gerade als Betriebsrat, hier als Kandidat.

 

 

 

"die arbeit": Kollege Hilberth, könntest du dich unseren LeserInnen kurz vorstellen?

HILBERTH: Ich bin 1971 in Frankfurt/Main geboren und vor 10 Jahren zur Fortsetzung meines Studiums nach Wien gekommen. Ich wohne im 10. Bezirk und bin bei einem IT-Unternehmen beschäftigt. Auch in Deutschland war ich schon bei der Schwesterorganisation der SLP aktiv.

"die arbeit": Was machst du im Betrieb?

HILBERTH: Wir haben vor zwei Jahren einen Betriebsrat aufgebaut und ich bin momentan stellvertretender Betriebsratsvorsitzender für eine linke Liste, die bei den letzen Wahlen eine 2/3-Mehrheit gegen eine unternehmerfreundliche Liste erreicht hat. Ich habe bereits einige Versuche mich loszuwerden überstanden (Kündigung, Abwahl, Mobbing etc.)

"die arbeit": Warum kandidierst du für die SLP?

HILBERTH: Die oben genannten Erfolge zeigen mir, dass kritische Betriebsräte eine Partei wie die SLP brauchen. Außerdem ist die Tatsache, dass es in Österreich, genauso wie in anderen Staaten, kein volles AusländerInnenwahlrecht gibt, dass AusländerInnen von der Demokratie ausgeschlossen sind, schon Grund, sich auch auf Wahlebene zu engagieren. In Österreich zu leben, zu arbeiten, Steuern zu zahlen, reicht nicht aus für Mitbestimmung. Auch wenn ich weiß, dass Wahlen nicht wirklich etwas am System verändern können: Es geht darum, sie als Plattform für unsere politischen Ziele zu nutzen. Genauso, wie im Betrieb Nicht-EU-AusländerInnen zwar wählen, aber nicht kandidieren dürfen, zeigt, wie sich das System gegen KritikerInnen schützen will. Ich trete für ein System ein, wo Demokratie auch in der Arbeitswelt existiert; mehr als nur die "Mitbestimmung" durch BetriebsrätInnnen, sondern durch demokratische Kontrolle der Wirtschaft! Unter dem jetzigen privat-wirtschaftlichen Experimenten müssen schon zu viele (z.B. arbeitslose) KollegInnen leiden!

 

 

 

"die arbeit": Kannst du uns bitte kurz etwas zu deiner Person sagen?

GEHMACHER: Ich bin 30 Jahre alt und seit 1990 bei der SLP, bzw. deren Vorläuferorganisationen aktiv. Durch meinen Zivildienst kam ich zur Behindertenarbeit und arbeitete fast 10 Jahre in diesem Bereich, die meiste Zeit bei meinem letzten Arbeitgeber dem ÖHTB (Österreichisches Hilfswerk für Taubblinde). Ab 1998 bis August 2002 war ich auch im Betriebsrat tätig. Anfang September 2002 habe ich mit dem Jus-Studium begonnen.

"die arbeit": Was war das wichtigste Thema deiner Betriebsratstätigkeit?

GEHMACHER: Für mich sicher die Arbeitszeit. Beim ÖHTB arbeiten derzeit nicht ganz 300 KollegInnen und das in total unterschiedlichen Bereichen, wie Werkstätten, Wohngemeinschaften, Reinigung usw. Im Wohngemeinschaftsbereich gab es, als ich dort anfing, kein gesetzliches Arbeitszeitsystem. Die Selbstausbeutung war sehr groß. Wir von der SLP sind ja radikale VerfechterInnen einer 30-Stundenwoche bei vollem Lohn, und außerdem gegen jede Arbeitszeitflexibilisierung. Ich war im Betriebsrat nicht in Opposition, obwohl jeder weiß wo ich politisch stehe. Ich habe gemeinsam mit der Betriebsratsvorsitzenden eine Betriebsvereinbarung über die Arbeitszeit in Wohngemeinschaften durchgekämpft, in die einige sozialpolitische Grundsätze linker Gewerkschaftspolitik eingeflossen sind, und wo es uns gelang einiges für die KollegInnen zu verbessern. Diese Verbindung, spürbare Verbesserung für die KollegInnen und das Durchsetzen von Grundsätzen, das ist mir wichtig.

"die arbeit": Warum kandidierst du für die SLP?

GEHMACHER: Die SLP hat einen revolutionären und internationalen Anspruch. Es gibt im Wahlkampf 3 zentrale Forderungen: Stopp dem Kürzungsterror – Geld zurück! Frauenrechte verteidigen!

Und vor allem : Nein zum Krieg – Kein Blut für Öl! Die Antikriegsarbeit ist ein zentraler Teil unseres Wahlkampfs. Wir sind Teil einer Internationale. Unsere US-amerikanischen GenossInnen sind genauso Teil einer Antikriegsbewegung wie unsere GenossInnen in Rußland und dem nahen Osten. Schon allein die Tatsache, dass wir Teil einer echten Internationale, einer "Weltpartei" sind, ist für mich ein Grund zur Kandidatur. Die Tatsache, dass trotz unterschiedlicher Probleme in verschiedenen Ländern überall die gleichen Forderungen aufgestellt werden und für das selbe Programm gekämpft wird, macht uns politisch glaubwürdig und stark.

 


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