Goldesel OMV auf Grasser Privatisierungsliste !

Zur kurzfristigen Scheinsanierung der Staatsfinanzen schreckte die schwarz-blaue Regierung mit Finanzminister Grasser auch schon bisher nicht davor zurück, hochprofitable Einnahmequellen wie etwa die Austria Tabak gegen eine einmalige Abfindung loszuschlagen. Nun erfreuen die schönen ATW-Gewinne allerdings den britischen Gallagher-Konzern, während man hierzulande nach weiteren "Goldeseln" Auschau hält, die man zum Stopfen von Budgetlöchern verscherbeln könnte.

Von Heinz GRANZER.

Mit dem Schmäh vom "starken, internationalen Partner", der alleine das Überleben in Zeiten der Globalisierung sichern könne, kann man ja wohl nach den Erfahrungen der Semperit-Reifenerzeugung mit dem Continental-Konzern nicht mehr so leicht daher kommen. Auch die Bank Austria wird jetzt vom leicht angeschlagenen neuen Eigentümer, der bayerischen HypoVereinsbank wieder teilweise an der Börse verscherbelt, um die ärgsten Geldnöte loszuwerden. Wer sich vor zwei Jahren beim Ausverkauf auf den Austausch mit den HVB-Aktien eingelassen hat - wie etwa die Gemeinde Wien - kam dabei erst recht zu Schaden. So auch die Wiener Städtische, die letztes Jahr 200 Millionen Euro an Wertverlusten hinnehmen musste. "Schöner wäre es gewesen, die BA-CA wäre die Mutter der HVB geworden", stellte rückblickend der Chef der Wiener Städtischen, Günter Geyer, fest. "Wer unter dem Kursverfall der BA-CA litt, wird sich heute fragen, was dieser Deal denn letztendlich wert ist".

Egal - Die staatliche Beteiligungsholding ÖIAG soll schleunigst aufgelöst und der letzte Rest an profitablem staalichen Eigentum verscherbelt werden. Frei nach dem Motto "Jede legt noch rasch ein Ei!" wird den Betrieben noch rasch eine Sonderdividende von 300 Millionen Euro diktiert, die dann natürlich für wichtige Investitionen kein Geld haben. Kein Wunder also, dass man auch in den Betrieben über einen solchen Staat als Eigentümer wenig glücklich ist.

Feindliche Übernahmen befürchtet

Kein Wunder also, wenn ÖIAG Vorstandsdirektor Rainer Wieltsch vor so genannten "feindlichen Übernahmen" warnt, wenn der Anteil des staatlichen Eigentums zu sehr absinkt. Die Betriebe sind nämlich zumeist wesentlich mehr wert, als es den Börsenkursen entspricht. Diese orientieren sich schließlich eher an meist spekulativen Erwartungen von auszuschüttenden Gewinnen, die nicht gerade einer langfristigen Perspektive entsprechen.

Ein besonders prekäres Beispiel wäre da die OMV, die sich vom heimischen Energieversorgungs-Unternehmen längst zum weltweit tätigen "Global-Player" entwickelt hat. Hier hält die Republik Österreich immerhin noch 35 Prozent der Anteile, was ihr bei den Rekordgewinnen der letzten Jahre beachtliche Dividenden-Einnahmen sicherte. In diesem Zusammenhang sollte man sich auch daran erinnern, wie noch in den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts mit allen möglichen faulen Tricks Milliardenverluste des Unternehmens vorgegaukelt wurden, um den Boden für den bevorstehenden Abverkauf vorzubereiten.

Dass dann bei diesem entscheidenden Privatisierungsschritt mit 19,6 Prozent der Anteile die "International Petroleum Investment Company of Abu Dhabi" (IPIC) bei der OMV einstieg, ist insofern ein Treppenwitz der Geschichte, als die IPIC in Abu Dhabi selbst sehr wohl jenes staatliche Erdölmonopol verkörpert, das die OMV - aufgrund des vor allem von den USA Österreich anlässlich des Staatsvertrags im Interesse der großen Erdölkonzerne diktierten "Wiener Memorandums" - nie hatte sein dürfen. Die OMV-Anteile Abu Dhabis sind wiederum bei allen Abstimmungen der Anteilseigner mit jenen 35 Prozent Österreichs dergestalt verbunden, dass sie vertraglich aufeinander abzustimmen sind. Und in Abu Dhabi hat man offensichtlich wenig Interesse daran, die Republik Österreich aus ihrer Verantwortung für ihren Erdölkonzern einfach zu entlassen ...

Im Osten abgeblitzt

Dieses seltsamen Bemühen des staatlichen Eigentümers, den hochprofitablen Erdölkonzern so mir nix - dir nix verscherbeln zu wollen, macht es dem Unternehmen anscheinend auch recht schwer, in Ländern wie Ungarn, Slowakei oder Kroatien in die dort zur Privatisierung anstehenden ehemaligen Staatsunternehmen einsteigen zu können. Wie in Abu Dhabi will man es auch hier offensichtlich genau wissen, nach der Pfeife wessen Erdölmultis die OMV in Zukunft einmal tanzen könnte und bleibt vorerst einmal lieber auf Distanz. So ist etwa in der Slowakei die ungarische MOL der OMV vorgezogen worden, was den Österreichern eine beachtliche Konkurrenz praktisch vor den Toren Wiens beschert. Auch bei der Privatisierung der kroatischen INA scheint die MOL die Nase vorn zu haben und auch Versuche, direkt bei der MOL einzusteigen, sind als nicht gerade freundlich aufgefasst worden. Der zuletzt zur Privatisierung anstehende 25-prozentige Aktienanteil der "Staatlichen Privatisierungs- und Vermögensholding" APV an der MOL, auf den man sich bei der OMV Hoffnung gemacht haben dürfte, geht jetzt jedenfalls direkt an die Börse.

Dennoch will die OMV bis 2008 ihren Marktanteil in Mittel- und Osteuropa von derzeit zehn auf zwanzig Prozent verdoppeln. Dies wird auch zügig durch den erfolgreichen Ausbau des Tankstellennetzes vorangetrieben. Von insgesamt 1.305 Tankstellen waren voriges Jahr lediglich noch 532 in Österreich beheimatet. In Deutschland wurden unter anderem von Shell insgesamt 313 Tankstellen erworben. In Rumänien gelang der Einstieg in das zweitgrößte Erdölunternehmen, die "Rompetrol". Und auch auf der anderen Seite der Erdkugel ist die OMV nunmehr in Australien und Neuseeland präsent, wo zuletzt durch den Erwerb der Preussag Energie ein 36-Prozent-Anteil am Pohokura-Feld existiert. Auch 40 Kilometer vor der Küste Neuseelands ist die OMV mit zehn Prozent am Öl- und Gasfeld "Maui" beteiligt.

Rund 667 Millionen Euro haben diese letzten Neuerwerbungen gekostet. Dazu kommen noch geplante Investitionen im Ausmaß von 2,7 Milliarden für drei Jahre. Dadurch würde der Verschuldungsgrad heuer auf etwa 50 bis 60 Prozent ansteigen, kündigte OMV-Finanzchef Davis an. Eine Kapitalerhöhung (bei der dann die Republik Österreich als Eigentümer wahrscheinlich nicht mitgegangen wäre) schloss Vorstandsdirektor Ruttenstorfer allerdings aus. Stattdessen soll der Kapitalmarkt über eine entsprechende Anleihe angezapft werden.

Schulden machen keinen Staat

Schulden machen für den Finanzminister ist also angesagt und auch die privaten Aktionäre wollen mit schönen Dividendenzahlungen beglückt werden. Dabei konnte freilich nicht an das besonders profitable Rekordjahr 2001 angeknüpft werden, vor allem niedrige Raffineriemargen Anfang letzten Jahres verschlechterten das allerdings nach wie vor ausgezeichnete Ergebnis. Inzwischen ist aber der Ölpreis wieder deutlich höher, heißt es, und auch die Verdienstspanne im Raffineriegeschäft beträgt "rekordverdächtige" vier Dollar pro Fass nach 88 Cent im Vorjahrsdurchschnitt.

Das letzte Quartal 2002 war immerhin das drittbeste der Unternehmensgeschichte und rettete den Aktionären eine Dividende von 3,5 Euro je Aktie. Bei einem um acht Prozent auf etwa sieben Milliarden Euro gesunkenen Umsatz wurden immerhin 322 Millionen Euro Gewinn erzielt - ein erfreuliches Ergebnis trotz eines Rückgangs von 16 Prozent gegenüber dem besonders guten Ergebnis im Rekordjahr 2001.

Auch in der Zukunft gibt es große Vorhaben. Die eigene Produktion soll von 100.000 auf 115.000 Fass Öläquivalent gesteigert werden, wobei ein Drittel aus Österreich stammen soll. Weiters wird noch vor Ende des Jahres flächendeckend schwefelfreier und damit niedriger besteuerter Treibstoff angeboten, wofür noch 150 Millionen Euro etwa in eine Wasserstoffanlage in der Raffinerie Schwechat investiert werden müssen. Ab 1.1.2004 soll es dann in ganz Österreich zum Missvergnügen allfälliger Teufeleien nur noch Schwefelfreies geben.


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