Geschichte der Arbeiterkammern

1848 Gründung von Handels- und Gewerbekammern, die 1868 gesetzlich verankert wurden à Idee zur Gründung analoger Kammern für Arbeiter

1872 1. Allgemeiner Arbeiterverein überreicht dem Ministerium des Inneren und dem Reichsrat ein Memorandum zur Gründung von AK (Heinrich Oberwinder & Hermann Hartung vom gemäßigten Flügel der öst. Arbeiterbewegung. Wurden von den Revolutionären um Andreas Schau kritisiert und bekämpft. Waren nicht am Parteitag in Neudörfl 1874)

1886 brachte der Führer der Liberalen im Reichstag, Ernst Edler von Plener einen Antrag ein, wurde von den Arbeiterorganisationen abgelehnt. Diese Haltung blieb bis zum Ende der Monarchie, da man sich von einer Stärkung der Gewerkschaften und dem Kampf um allgemeines Wahlrecht mehr und besseren Einfluss erhoffte, und die liberalen Vorstöße für AK als dazu kontraproduktiv erachtete

1917 griff ausgerechnet Karl Renner den Gedanken der AK in der AZ auf: "Die Unentbehrlichkeit von AK in der Übergangswirtschaft"

1919 griff der "erste deutsch-österreichische Gewerkschaftskongress" den Gedanken auf.

Von Anfang eher als Organ der Sozialpartnerschaft konzipiert.

1920 26. Februar Regierungsvorlage AK-Gesetz (Sektionen für Arbeiter und Angestellte)

9. Juni trat es in Kraft

1. Oktober Novelle (Beschäftigte im Öffentlichen Verkehr kamen dazu.)

"..zur Vertretung der wirtsch. Interessen der im Gewerbe, in der Industrie, im Handel, im Verkehr und im Bergbau tätigen Arbeiter und Angestellten und zur Förderung der auf die Hebung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der Arbeiter und Angestellten abzielenden Bestrebungen."

"...Kammern zu schaffen, die den entsprechenden Kammern der gewerblichen Unternehmer nicht nur völlig gleichwertig, sondern auch in ihrem Wirkungskreis und ihrer Organisation derart ähnlich gestaltet sind, dass ein Zusammenwirken der beiderseitigen Körperschaften bei Lösung von wichtigen Aufgaben der wirtschaftlichen Verwaltung ohne Schwierigkeiten möglich sei."

Daher: Skepsis bei den Kommunisten ("Rote Fahne" vom 29. 2. 1920)

1921 Erste Wahlen:

Freie Gewerkschaften 466.900 Stimmen 83,9 %

Christlichsoziale 65.700 Stimmen 11,8 %

Nationale 8.000 Stimmen 1,4 %

Kommunisten 15.100 Stimmen 2,7 %

Neutrale 1.100 Stimmen 0,2 %

1926 Zweite Wahlen:

Freie Gewerkschaften 430.800 Stimmen 78,8 %

Christlichsoziale 56.800 Stimmen 10,4 %

Nationale 43.000 Stimmen 7,8 %

Kommunisten 15.300 Stimmen 2,8 %

Neutrale 1.100 Stimmen 0,2 %

Später verhinderten (bereits vor dem Austrofaschismus) die konservativen Regierungen weitere Wahlen.

1934 1. Jänner (also bereits vor dem Februar) wurden Regierungskommissäre ernannt, in denen die Freien Gewerkschaften nicht mehr vertreten waren.

Verwaltungskommission der AK Wien: 6 Christlichsoziale (unter Führung Johann Stauds), 3 Heimwehrler, 2 Deutschnationale (!)

1938 Auflösung durch den NS- Stillhaltekommissar für Vereine, Organisationen und Verbände; das Vermögen ging an die DAF (Deutsche Arbeitsfront)

1945 20. Juli Wiedergründung unter Federführung des ÖGB

Renner: "In eben dieser Funktion sind die AK nicht das, was man von ihnen, oft auch von arbeiterfreundlicher Seite, anfangs befürchtet hat, Organe des sozialen Krieges, sondern Mittler zum sozialen Frieden. Fragen, die vormals oft nur auf der Straße ausgetragen werden konnten, entscheiden sie am Konferenztisch, Erkenntnisse, die sich die Regierungen oft durch schwierige und trügerische Untersuchungen von obenher zu gewinnen suchen, ermitteln sie in einer Art ständiger Enquete von unten aus unzweideutiger Klarheit..."

1949 23./24. Oktober AK-Wahlen

SPÖ 583.544 Stimmen 64,42 % 508 Mandate

ÖVP 128.873 Stimmen 14,23 % 120 Mandate

WdU (FPÖ) 105.565 Stimmen 11,66 % 117 Mandate

Kommunisten(Linksblock) 87.754 Stimmen 9.96 % 56 Mandate

- Helmuth Fellner -


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