
Bericht von einer Betriebsversammlung
Mehr als 2.000 ArbeitnehmerInnen der Wiener Gebietskrankenkasse sowie von metallverarbeitenden Betrieben am Wienerberg legten am ersten Streiktag, am 6. Mai, ab 7.30 Uhr die Wienerbergstraße lahm. Sie hielten dort ihre Betriebsversammlung ab. GewerkschaftsfunktionärInnen, darunter ÖGB-Chef Verzetnitsch und der Chef der Druckereigewerkschaft, Franz Bittner, informierten dabei über die antisozialen Pensionspläne der Regierung und betonten die Legitimiät, sich dagegen zur Wehr zu setzen und zu Streikmaßnahmen zu greifen. Die Zustimmung zu Streiks und zur Fortsetzung einer klaren Widerstandspolitik der Gewerkschaften war groß, selbst PassantInnen, die nicht an der Betriebsversammlung teilnahmen, erklärten spontan ihre Solidarität mit den Streikenden. Ein düsteres Bild zeichneten einige Betriebsratsvorsitzende der rund um die Gebietskrankenkassa angesiedelten Betriebe. So beklagte etwa Josef Hutter, Betriebsratsvorsitzender bei Schindler Aufzügen, dass man vor zehn Jahren die Lehrwerkstätten geschlossen habe. Dies bedeute, dass die Jungen "chancenlos" seien. Nun wolle man Ältere in die Altersteilzeit schicken. Doch angesichts der nun drohenden Heraufsetzung des Pensionsantrittsalters sei diese Gruppe in massiver Ungewissheit, ob sie regulär in Pension gehen könne oder eines Tages auf die Sozialhilfe angewiesen sein werde. Brigitte Holzmann, Vorsitzende des Arbeiterbetriebsrates von Holiday Inn, rechnete vor, dass ein Stubenmädchen heute 20 Zimmer inklusive WC und Bad in acht Stunden zu bewältigen habe. Dies bedeute für ein Zimmer 24 Minuten. Das sei "körperlich extrem harte Arbeit", und die könne nicht bis ins hohe Alter geleistet werden. Überdies gäbe es als Pension dafür gerade einmal 800 Euro. Dann müsse man froh sein, eine Wohnung mit Balkon zu haben, denn dort könne man dann Paradeiser anbauen. Denn mit dieser Pension liege man bereits unter der Armutsgrenze. Verzweifelt zeigte sich Gottfried Nusser, Betriebsratsvorsitzender von Grundig: Es gäbe keine Aufträge für die Fabrik, keine Arbeit und kein Geld für die Beschäftigten – seit drei Monaten warten sie bereits auf ihren Lohn. Nur eine Woche nach dieser Betriebsversammlung scheiterte ein Ausgleichversuch für Grundig – eine Folge neoliberaler Politik, die auf dem Rücken der ArbeitnehmerInnen ausgetragen wird.