Barrikaden in Paris

Im Mai 1968 rebellierten die französischen ArbeiterInnen und die StudentInnen

HistorikerInnen sprechen von den Ereignissen des Mai 1968 als "bedeutendster revolutionärer Erhebung in Westeuropa seit den Tagen der Pariser Commune".

Hunderttausende StudentInnen haben sich Straßenschlachten mit der Polizei geliefert, neun Millionen ArbeiterInnen waren im Streik. Rote Fahnen flatterten über Bahnhöfe, Schulen, Theater, Hotels und über Industriegebäude.

Der Umfang der Streik- und Protestbewegung erklärt sich aus den gesellschaftlichen Spannungen und Widersprüchen in der zehnjährigen Präsidialdiktatur General de Gaulles. Sechs bis sieben Millionen Menschen lebten am Existenzminimum. Ein Viertel der ArbeiterInnenschaft verdiente weniger als 150 Francs in der Woche, es gab eine massive Arbeitslosigkeit - 23 Prozent der Arbeitslosen waren Jugendliche - und die Kurzarbeit nahm drastische Ausmaße an.

Hinzu kamen völlig desolate oder unzureichende Wohnverhältnisse, unter denen fast die Hälfte der Pariser Wohnbevölkerung litt. Eine Inflation von 45 Prozent, Mehrwertsteuererhöhungen und konservative Attacken auf das Sozialsystem hatten die ArbeiterInnen ausgelaugt. In den großen Automobilfabriken Frankreichs herrschten frühkapitalistische Verhältnisse. Citroen etwa, wo ein Drittel der Beschäftigten aus ImmigrantInnen bestand, die in werkseigenen Wohnungen unter desolaten Verhältnissen kaserniert waren, eilte der Ruf voraus, mehr ein Zuchthaus als eine Fabrik zu sein.

Der unmittelbare Auslöser der Mai-Revolte war die Unzufriedenheit vieler StudentInnen mit dem überkommenen und konservativen Bildungssystem. Stipendien gab es zu dieser Zeit nahezu nicht und zehn Prozent der Studierenden stammte aus Arbeiterfamilien. 50 Prozent wurden noch vor Beendigung aus dem Studium wieder hinaus gedrängt, davon der überwiegende Teil aus den unteren Schichten. Die Durchfallquote betrug 20 Prozent, wer es endlich geschafft hatte, das Studium abzuschließen, fand schließlich keinen Job, weil die Arbeitslosigkeit unter den HochschulabsolventInnen extrem hoch war. Die StudentInnen forderten Mitbestimmungsrechte über Studieninhalt und größere Freiheiten auf dem Campus wie die Aufhebung der Geschlechtertrennung in den Wohnheimen.

Die starre Haltung der Regierung in diesen Fragen führte schließlich dann zur Mai-Rebellion, der sich auch der überwiegende Teil der ArbeiterInnen anschloss.

- Manfred Bauer -


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