Wo die Macht liegt

Wie spannend können Gewerkschaftstage sein! Vorausgesetzt man gehört dazu oder man ist auf der Seite der KollegInnen aus der jeweiligen Branche. Aus welchen Personen setzt sich so ein Kongress zusammen? Es sind überwiegend an ihren Arbeitsplätzen gewählte Vertrauensleute oder Betriebsräte, GewerkschafterInnen von allen Ebenen der Organisationen - und natürlich eine Reihe gewählter, aber fest etablierter Funktionäre, die durch zusätzliche Funktionen in Parteigremien, als Abgeordnete in Landtag oder Parlament mitmischen, wo Politik gemacht wird. Dagegen ist nichts zu sagen - GewerkschafterInnen sollen jede Einflussmöglichkeit nutzen, vor allem in der Gesetzgebung!

Wenn manche dabei den Boden unter den Füßen verlieren oder sich mehr mit der Regierungspolitik (oder mit saftigen Einkommen) verbunden fühlen als mit ihren Mitgliedern - außer wenn sie ihnen gerade einmal direkt gegenüber stehen - dann kommt das heraus, was sattsam bekannt ist: Eine VP-FP-Regierung kann auf "ihre" Abgeordneten bauen - und als die SP den Bundeskanzler stellte, gingen die GewerkschaftsführerInnen eher mit der Regierung als mit ihren Mitgliedern durch dick und dünn. Erinnern wir uns nur an die neunziger Jahre ...

Kurz gesagt: Ganz so einfach ist das nicht mehr. Die unzähligen TeilnehmerInnen an den Versammlungen und Konferenzen vor einem Gewerkschaftstag bestimmen heute weit stärker als zuvor die Stimmung, die Anträge und die Diskussionen. Das bleibt nicht ohne Wirkung: Wie sonst wären die Kampfaktionen der letzten Jahre möglich gewesen! Jetzt heißt es aber nicht locker lassen und die Macht der Mehrheit zur Geltung zu bringen: der ArbeiterInnen, Angestellten und öffentlich Bediensteten.

 

 


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