Adieu, Lehrlingsbüchereien ?

Auf Wunsch und Weisung der zuständigen Stadträtin und Vizebürgermeisterin, Grete Laska, (SPÖ, das muss dazugesagt werden, sonst glaubt manīs nicht) wurden die letzten drei noch im Rahmen der Büchereien Wien, vormals Städtische Büchereien existierenden Lehrlingsbüchereien (im Folgenden LB) zugesperrt. Es handelt sich um die Lehrlingsbüchereien in den Zentralberufsschulen Mollardgasse (Mollardburg) und Längenfeldgasse (Hans Mandl-Berufsschule) sowie jene in der Scheydgasse in Wien-Strebersdorf (Siegfried Marcus-Berufsschule).

Die Absicht, diese gut frequentierten Büchereien zu schließen, wurde am 31. Juli bekanntgegeben, die Schließung mit dem 1. August terminisiert. Der Zeitpunkt war von der Bürokratie äußerst gut und hinterlistig gewählt: Lehrkörper, BerufsschülerInnen sowie bibliothekarisches Personal waren ferienbedingt nicht anwesend, die Nachricht erreichte die KollegInnen aus den Leihbüchereien am Urlaubsort.

Allein, von Schließung dieser wertvollen sozialen Einrichtung wollen die Stadträtin und ihre weisungsgebundenen Beamten nicht reden: Zunächst hieß es, Bedienstete des KUS (Kultur- und Sportverein der LB) sollten die qualifizierten BibliothekarInnen in ihrer Tätigkeit ersetzen. Allein der KUS sitzt derzeit finanziell und personell selbst auf dem Trockenen, abgesehen davon, dass er über kein ausgebildetes Büchereipersonal verfügt. Dann sollten Lehrkörper und Lehrlinge ganz einfach diese, nicht nur viel Fingerspitzengefühl erfordernde, Büchereitätigkeit übernehmen, nur: Einem, vom Landesschulinspektor und KUS-Vorsitzenden Prigl entsandten Funktionär der Sozialistischen Jugend, der auch Lehrling ist, fiel die Lade hinunter, als ihm von einer Büchereikollegin aus der Mollardburg genau erklärt wurde, was für ein Haufen Arbeit da auf ihn zukommen würde, sollten die LB auch nur annähernd ihre Qualität erhalten wollen.

Die Arbeit der in den LB beschäftigten KollegInnen ist aber zu wichtig und zu verantwortungsvoll, um sie so nebenbei betreiben zu lassen. Diese Arbeit schlägt sich nicht unbedingt in Einnahmen oder berauschenden Zahlen nieder, sie schlägt sich allerdings im Vertrauen nieder, welches die Lehrlinge zu einer Sozial- und Bildungseinrichtung wie einer LB fassen, jenseits vom Druck durch Schulleitung und Lehrkörper, aber auch jenseits von Hierarchien unter Schülerinnen und Schülern, wie sie im Zuge schulischer Kasernierung entstehen können. Hier wurden die Lehrlinge, die sonst oft wie der letzte Dreck behandelt werden, als Persönlichkeiten respektiert, ihre Bedürfnisse erforscht und ernst genommen. Hier wurden sie nicht nach ihrer Konsum- und Durchsetzungskraft beurteilt, hier durften sie Mensch sein ohne "hier kauf ich ein ".

Nur: So etwas versteht Grete Laska offensichtlich nicht, genausowenig wie ihre untergeordneten GemeinderätInnen, sowie die weisungsgebundenen BeamtInnen. Welchen Schaden sie damit anrichten, begreifen sie und ihresgleichen nicht, auch nicht, dass sie mit ihren undurchdachten Maßnahmen das ohnehin schon schwer beschädigte "Rote Wien" zügig weiter demolieren.

Die Wiener Lehrlingsbüchereien dürfen nicht geschlossen werden. Sie müssen nicht nur im bisherigen Ausmaß im Rahmen der Büchereien Wien betreut werden, ihre Tätigkeit bedarf einer Ausweitung und muss personell ausgebaut werden.

Oder haben wir den Herrn Bürgermeister falsch verstanden ?

- Rudi Hieblinger -


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