
Peter Decker/Konrad Hecker: Das Proletariat.
Peter Decker/Konrad Hecker: Das Proletariat. Politisch emanzipiert – Sozial diszipliniert – Global ausgenutzt – Nationalistisch verdorben – Die Große Karriere der lohnarbeitenden Klasse kommt an ihr gerechtes Ende. GegenStandpunkt Verlag, München 2002, 279 Seiten. "Proletariat" – war da nicht mal was?, so beginnen die Autoren ihr Vorwort. Doch, da war mal was. Nicht bloß Lohnarbeiter hat es gegeben, die den Arbeitgebern die Arbeit machen, sondern unter diesen Leuten verbreitet ein Bewusstsein von ihrer gemeinsamen materiellen Lage und ein Bedürfnis, diese Lage gründlich zu ändern. Intellektuelle hat es gegeben, die, statt im Dienst der öffentlichen Ordnung und ihrer sittlichen Verklärung die Karriere zu machen, zu der sie eigentlich prädestiniert waren, der herrschenden Symbiose von Ausbeutung, Gewalt, Zynismus und Dummheit den Kampf angesagt und in kommunistischen Parteien mit unzufriedenen Proletariern gemeinsame Sache gemacht haben. Eine aufrührerische Arbeiterbewegung ist daraus entstanden, die sich gegen das System der Lohnarbeit zur Wehr setzen und die Macht erringen wollte. Noch bis zur letzten Dekade des 20. Jahrhunderts hat ein ganzer Staatenblock für sich in Anspruch genommen, genau diese Revolution zu betreiben oder sogar schon weitgehend geschafft zu haben. Auch in den meisten "marktwirtschaftlichen" Demokratien des Westens hat dieser Standpunkt sich mehr oder weniger lautstark vorgetragene Minderheitenmeinung lange gehalten. Die meisten 1968-Aktivisten verwirklichen ihren hochherzigen Entschluss, als Vorhut der Arbeiterbewegung dem Volke zu dienen, nicht ohne innere Konsequenz heute in der Weise, dass sie im Dienst der und an der Nation, mit der Autorität eines staatlichen Postens oder einer demokratisch erworbenen Befugnis, das geschätzte Volk wirklich und wirksam bevormunden – sie hatten eben doch bloß ihre demokratieidealistischen Hoffnungen auf eine bessere Welt auf ein Proletariat gesetzt, das sie sich im Sinne eines zur emanzipatorischen Gesellschaftsphilosophie verfabelten Marxismus fortschrittsfreundlich zurechtinterpretierten. Von dieser Interpretation sind sie unter dem D