Rezension von Helmedag, Fritz: Warenproduktion mittels Arbeit

Werner Mittenzwei

Die Intellektuellen. Literatur und Politik in Ostdeutschland 1945 – 2000.

Verlag Faber & Faber, Leipzig 2001, 590 Seiten. Preis: 29,70 Euro.

In der vorliegenden Publikation wird chronologisch der Einfluss der Politik auf die Literatur untersucht. Es wird gezeigt, welche Entscheidungszwänge in einzelnen Politikphasen der deutschen Nachkriegszeit für die Schriftsteller entstanden und in welchem Maße Politiker wie Ulbricht, Honecker, Adenauer, Brandt, Gorbatschow und Kohl Einfluss auf intellektuelle Gruppierungen gewannen. Unterschiedliche Generationserfahrungen, Polarisierungen und Scheidewege werden durch Mittenzwei gekennzeichnet, aber auch Anpassung und Widerstand beschrieben. In ständiger Begleitung einer sich im Wandel der Zeiten verändernden Literatur entsteht so ein Bild des literarischen Intellektuellen, das schlechthin als eine "Mentalitätsgeschichte der ostdeutschen Intelligenz in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts" angesehen werden kann.

In der Einleitung setzt sich der Autor mit dem Typus des literarischen Intellektuellen auseinander. So erfährt der Leser u.a. wie etwa Schumpeter die Intellektuellen sah: "Ärzte und Advokaten ordnete er nicht in diese Schicht ein, es sei denn als Verfasser von Büchern ..." Im ersten Kapitel wird der Zeitraum 1945 – 1949 untersucht. Hier wird u.a. der Aufbau-Verlag Berlin, die Emigranten und die Daheimgebliebenen, die Entnazifizierung statt nationaler Katharsis oder der Erste deutsche Schriftstellerkongress untersucht. Im zweiten Kapitel geht es um das Bild vom neuen Staat, die Haltung der Führung zur Intelligenz: Fördern und disziplinieren, die Ereignisse des 17. Juni 1953 und die Haltung der Intelligenz sowie Ulbrichts Abrechnung mit der Reform-Intelligenz. Das dritte Kapitel befasst sich ausführlich mit der Haltung der literarischen Intelligenz in der geschlossenen Gesellschaft und im vierten Kapitel werden die 70er Jahre dokumentiert. Das fünfte Kapitel handelt von der inneren Distanz zur offenen Opposition, also vom letzten Jahrzehnt der DDR. Der Umgang mit der Vergangenheit oder das Schicksal des Marxismus am Ende des Jahrhunderts ist Inhalt des Epilogs.

Dieses Buch von Werner Mittenzwei ist weit mehr als die Geschichte der literarischen Intelligenz. Da sich in ihrer Geschichte die der DDR spiegelt, haben wir es mit einem Buch einer Geschichte der DDR und ihrer Zerstörung zu tun, die so noch nicht vorgelegt worden ist. Es ist dem Verlag Faber & Faber hoch anzurechnen, dass er diese hervorragende Publikation ermöglicht hat.

Werner Mittenzwei ist Literatur- und Theaterwissenschaftler. Herausragend seine Beiträge zur Exilforschung und zu Problemen der internationalen Dramatik. Er ist einer der Herausgeber der Großen kommentierten Berliner und Frankfurter Ausgabe der Werke Bertolt Brechts sowie Verfasser einer zweibändigen Brecht-Biographie.


(c) 2003 by Gewerkschaftlicher Linksblock