
Streiks zahlen sich aus
Am 17. November gingen bei der AUA wichtige Verhandlungen zwischen Management und dem Betriebsrat des fliegenden Personals zu Ende. Von Michael GEHMACHER. Schon seit Jahren gibt es Konflikte bei der AUA. Das neue Management wollte in den letzten Monaten eine Einsparung von rund 30 Prozent bei den Gehaltskosten erreichen. AUA- und Lauda–Bordbetriebsrat sowie die Fachgruppe Luftfahrt in der HTV (Gewerkschaft Handel-Transport-Verkehr) kämpfen seit langen um einen einheitlichen Kollektivvertrag. Das Problem der unterschiedlichen Bezahlung wurde durch die Übernahme der Lauda Air von der AUA besonders akut. Ziel war auch ein entsprechender Unterwanderungsschutz gegenüber einer neuen AUA-Fluglinie aus den östlichen Nachbarstaaten (und deren Löhnen). Der 17. November machte deutlich, wie viel mit dem entschlossen Vorgehen einer Belegschaft erreicht werden kann. Am Sonntag, dem 16. November um 24:00 Uhr lief die Frist ab, die sich Betriebsrat und Management selbst für die Verhandlungen setzten. Symbolisch wurde noch einige Stunden weiter verhandelt. Zu dieser Zeit stand das neue Abkommen im Wesentlichen. Der Vorstand wollte jedoch die Unterzeichnung des Übereinkommens noch hinaus schieben. Bezeichnenderweise bestellte das Management bereits am 16. um 20:00 Uhr (also noch vor dem vereinbarten Verhandlungsende) acht Flieger samt Besatzung, um für einen allfälligen Streik vorbereitet zu sein. Dazu wurde auch das Check-In aus den üblichen Räumen des Crewgebäudes – welches das Zentrum jedes AUA-Streiks ist - ausgelagert. Uniformiertes Personal hätte an Streikposten vorbei gelotst werden können. Offensichtlich legte es das Management nicht auf ein positives Ergebnis an. Nachdem die Verhandlungen endgültig an der Nicht-Unterschrift des Vorstands scheiterten, wurde das Personal zu einer Betriebsversammlung in das Crewgebäude gerufen. Um 6:00 Uhr begann dann der bislang letzte AUA-Streik. Er dauerte zwar nur 16 Minuten, demonstrierte aber die Entschlossenheit und vor allem die Streikfähigkeit der Belegschaft. Hier machte sich die Einbindung der gesamten Belegschaft in die Streikaktivitäten positiv bemerkbar. Während die Betriebratsmitglieder sich in den aufreibenden und zeitintensiven Verhandlungen wechselseitig ablösten, existierte das Streikkomitee, das bei den Streiks der Vergangenheit entstanden war, weiter, und konnte einen wesentlichen Teil zur Mobilisierung der Belegschaft beitragen. Seitens des Managements wurden dann die Sozialpartner zu Hilfe geholt, und am 17. fand die Unterzeichnung des Verhandlungspapiers des Vortages statt. Was bedeutet das Verhandlungsergebnis ? 1. Die Flugbetriebe von Austrian Airliens und Lauda-air sollen zusammengelegt werden. Es entsteht schrittweise ein neues gemeinsames Gehaltschema. 2. Der Vertrag von 17.11. regelt auch die Beziehung von AUA-Gruppe (alle Fluglinien im AUA- Besitzt) zu anderen Fluggesellschaften. Hier ist es dem Betriebsrat gelungen eine Absicherung der AUA -Arbeitsplätze und Gehälter zu erreichen. Gründet die AUA-Gruppe eine neue Gesellschaft, so ist der AUA-KV anzuwenden (Bei einer Regionalengesellschaft kommt der KV der Tyrolen Beschäftigten zur Anwendung). Kauft die AUA- Gruppe eine Gesellschaft so ist innerhalb von 5 Jahren der AUA-KV anzuwenden. 3. Gründet oder kauft die AUA-Gruppe eine Fluglinie in den Beitrittsländern, wurde vereinbart, dass diese Aireline keinen Langstreckenbetrieb unter dem Namen "Austrian" durchführen wird. Operiert eine derartige Fluggesellschaft von und nach Wien, so ist der mindestens 50% des Verkehrs von AUA Personal nach AUA-KV abzuwickeln. Von Bratislava aus darf kein Flugbetrieb unter dem Namen "Austrian" durchgeführt werden. 4. AUA-Piloten verzichten auf drei Prozent des Gehalts. Die Bezüge werden aber nicht aktiv gesenkt, die nächste Gehaltsvorrückung fällt geringer aus. Diese Regelung gilt nur für die rund 500 Piloten (genau 472 /davon 208 Kapitäne) und nicht für die FlugbegleiterInnen, und sie gilt nicht für Neueintretende. 5. Die Lauda-air Piloten sollen sukzessive an ein besseres Gehaltsniveau herangeführt werden. Im Schnitt bedeut dies ein Anhebung des jetzigen Gehaltsniveaus um ca. 21 %. 6. Neueintretende Piloten egal ob Lauda oder AUA werden nach dem neuen Schema bezahlt. 7. Die Arbeitszeitregelungen werden im wesentlichen von der Lauda-Aire übernommen. Der Betriebsrat betont das diese sowohl Vor- als auch Nachteile gegenüber der AUA -Arbeitszeitregelung hat. Das sich einiges ändert, aber unterm Strich nichts verschlechtert. Diese Vereinbarung sind die Eckpunkte eines neuen Kollektivvertrags der im April 2004 in Kraft treten soll, bis dahin gelten die alten Regelungen und das Management hat sich verpflichtet bis dahin niemanden zu kündigen. Vergleicht man dieses Ergebnis mit den Verhandlungsergebnissen aus andern Brachen kann man klar sagen: Die Streiks und der kämpferische Kurs haben sich ausgezahlt! Die AUA-Bord Belegschaft hat in den letzten 4 Monaten 5 x gestreikt. Vor allem die Streiks am 11.10 und am 15.10 waren Streiks wie es sie in Österreich schon lange nicht mehr gegeben hat. Am 11.10 kam es zu besonderen Konfrontationen mit dem Management. Es gab eine einstweilige Verfügung gegen die Betriebsversammlung. Im einem Flieger wurde die Belegschaft so unter Druck gesetzt, dass ein Art aktiver Streikposten auf die Rollbahn fuhr das Flugzeug besetzte und so der Besatzung die Teilnahme am Streik ermöglichten. Als Reaktion wurde das Auto der Personalchefin von vielen AUA-KollegInnen umstellt. Es kam zu Rempeleien mit Vagn Sörensen. Durch die Länge der Streiks stellte sich die Frage des Rahmenprogramms während des Streiks. Presseausendungen und Berichte wurden vorgelesen, Nachrichten gemeinsam angeschaut. KollegInnen sahen und lasen praktisch live wie die Medien logen. Außerdem: wer sich selbst 3 x hintereinander als Topmeldung in den Nachrichten sieht, erkennt das man sich in Politik einmischen kann wenn man solidarisch zusammenhält. Welche Erfahrungen können aus dem Streik gezogen werden? Dazu exemplarisch 2 Zitate: Nach der Betriebsversammlung am 7.10 meinte Betriebsratsvorsitzender Rudolf Novak, zum Thema nächste Schritte: "In der Betriebsversammlung ist von Kollegen der Wunsch gekommen, das gestreikt werden soll. Der massive Wunsch....".. " Daraus ist ein Streikkomitee kreiert worden. Das Streikkomitee hat jetzt freie Hand, wann, wo, wie was gemacht wird...." Auch wenn in der Praxis es natürlich eine enge Kooperation mit dem Betriebsrat und er HTV gab, diese Streikkomitee waren wesentlich "freier" als etwa die aktuellen in der ÖBB. Die Einmischung und Politisierung der Belegschaft über den Betriebsrat hinaus hat sich bezahlt gemacht. Markus Populorum BR-Mitglied in einer Bilanz am 21. 11.03 : "Manager geben sich mit den Verhandlungsergebnissen, die durch die Sozialpartner erzielt werden nicht mehr zufrieden. Verblendet durch die exorbitanten Prämien verlieren sie jegliches Augenmaß, bedrohen Belegschaften, kündigen Angestellte en masse und wollen das Personal maximal schröpfen. Dagegen muss es Widerstand geben, und wie in unserem Fall ist Streik das wirkungsvollste Mittel, um Manager in die Schranken zu weisen. Erst nach den Streiks war das Management bereit, auf unsere zukunftsorientierten Konzepte und Forderungen einzugehen." Wie bei allen Verhandlungsergebnissen der letzten Jahre stellt auch diese Ergebnis einen Kompromiss dar, in dem auch das Management einige Forderungen durchsetzen konnte. Unterm Strich wurden aber wesentliche Ziele erreicht: 1.Die Vereinbarung wird aller Voraussicht nach im April 2004 als neuer gemeinsamer Kollektivvertrag in Kraft treten. 2. Die Gehälter bei Lauda werden deutlich gehoben. 3. Auch neu eintretende KollegInnen werden immer noch weit mehr als bei anderen Fluglinien verdienen. 4. Arbeitsplätze wurden abgesichert und Schadensersatzdrohungen abgewehrt. Vergleicht man dieses Ergebnis mit Ergebnissen die ohne Streiks "erreicht" wurden (etwa bei der gelben Post) so wird klar: Die Streiks haben sich für die Belegschaft bezahlt gemacht.