
Es geht ums Überleben
Von Manfred GROSS. In all den Jahren, in denen mir die Aufgabe zugefallen war, den Kommentar für "die arbeit" zu schreiben, fehlte es mir nie an Freude und Motivation dafür. Schreiben ist nie ganz unabhängig von der eigenen Verfassung und auch nicht von den äußeren Umständen, unter denen eine Zeitung produziert wird. Wenn ich mich mit dem Kommentar dieser Ausgabe nach mehr als einem halben Jahr Abwesenheit wieder zurück melden kann, dann liegt es daran, dass ÄrztInnen, Pflegepersonal und TherapeutInnen an mir ein kleines Wunder vollbracht haben, ja – richtig gelesen: ein kleines Wunder. Mag mein Wunderglaube auch nicht sehr stark ausgeprägt sein, so kann ich doch heute feststellen, dass ich noch wenige Stunden und Tage nach dem Schlaganfall gefürchtet hatte, der Rollstuhl und ein gewisser geistiger Dämmerzustand würden von nun an zum erbärmlichen Rest meines Lebens gehören. Das war herb, umso herber, als ich wenige Wochen vorher meinen 50. Geburtstag gefeiert hatte, zu dem mir der GLB eine Super-Feier bereitet hatte, für die ich allen Kolleginnen und Kollegen danken möchte. Doch zurück zu den Wundern: es gibt sie – und leider auch die blauen! Auch ein solches "durfte" ich erleben, kaum dass ich von meinem Rehabilitationsaufenthalt zurück war. Die Nachricht, dass nach dem politischen Urteil im so genannten "Novum-Prozess", die KPÖ in Hinkunft außer Stande sei, den GLN zu fördern und per 1. Jänner 2004 jegliche Subventionierung einstellen müsse, bedeutete für den Vereinsvorstand die Notwendigkeit, sämtliche aus dieser Subvention finanzierten Tätigkeiten abzubrechen und alle im GLB bestehenden Dienstverhältnisse zu kündigen. Alles andere würde darauf hinauslaufen, den GLB in den Konkurs zu treiben, was jeden Versuch, zu retten, was politisch noch zu retten ist, von vornherein mit einer schweren Hypothek belasten würde. Ist überhaupt noch was zu retten? Bei Beantwortung dieser Frage ist man freilich versucht, die eigene Befindlichkeit zum Gegenstand eines ausführlichen Lamentos zu machen. Aber damit wäre in dieser Situation niemandem geholfen, am allerwenigsten all jenen Kolleginnen und Kollegen, die ihre Jobs verlieren und trotzdem dem GLB in großartiger Weise die Treue halten und nach wie vor ihre Arbeit leisten. Da sind zwei Kolleginnen Mitte der Fünfzig, da ist eine alleinerziehende Mutter und der alleinerziehende Vater zweier unversorgter Kinder und und und ... Zu retten ist vielleicht noch die Zeitung, wenn wir auf ein Billigverfahren in der Produktion ausweichen, wenn uns unsere LeserInnen und Unterstützungskarten-BezieherInnen die Treue halten und wenn wir neue dazu gewinnen. Auch möchte ich unsere Autorinnen und Autoren bitten, so weit es ihre persönliche Situation erlaubt, Beiträge zu spenden. Als persönlichen Beitrag habe ich mir überlegt, die "arbeit" projektmäßig ehrenamtlich zu bearbeiten, unabhängig davon, wo mich die weitere Entwicklung hinbringen wird. Dieses Versprechen kann ich freilich nur dann einhalten, wenn in meinem Gesundheitszustand kein allzu großer Rückschlag mehr zu verzeichnen ist. Eine gut gemachte, gut lesbare und kämpferische Zeitung für die lohnabhängig Beschäftigten ist in meinen Augen noch immer das beste Unterpfand für Linkspolitik in Betrieben, Dienststellen und Gewerkschaften. Somit könnte die "arbeit" zu einem wichtigen Überlebenselement für den GLB insgesamt werden. Darin weiß ich mich mit den KollegInnen, die an der Herstellung der Zeitung arbeiten und den Kolleginnen und Kollegen des Vereinsvorstands einig.