Lustig ist das Arbeitslosenleben

Von Helmuth Fellner.

Wurde man früher arbeitslos, so musste man aufs Arbeitsamt "um stempeln zu gehen". Das war die Voraussetzung, um in den Genuss des Arbeitslosengeldes zu kommen, einer ganz normalen – das wird immer vergessen – Versicherungsleistung, für die der Arbeitnehmer über den Arbeitgeberbeitrag und seinen eigenen Beitrag seinen Obulus leistet. Doch in Zeiten relativer Vollbeschäftigung erfand man bereits für den Fall der Rezession eine Art Wirtschafts-Rotwelsch, also eine ökonomische Gaunersprache. Aus wirtschaftlicher Stagnation wurde Nullwachstum, aus Schrumpfung sogar Minuswachstum. Die Dummdreistigkeit und Absurdität des letzteren Begriffs lässt sich erahnen, wenn man seinen Gegensatz bildet, das wäre also Plus-Schrumpfung für Wachstum.

Das war damals auch die lustige Zeit, als bei den SPÖ-Vorfeldorganisationen der Begriff "Arbeiter" durch "allgemein" ersetzt wurde, siehe ARBÖ, ASKÖ usw. Schon bald zog man auch "institutionell" nach: das Arbeitslosengeld, meist nur "Arbeitslose" genannt, wurde zu einer Arbeitslosenunterstützung, ganz so, als stünden dem Arbeitslosen noch andere Geldquellen zur Verfügung. Das Arbeitsamt wurde zum Arbeitsmarktservice - wie nobel.

(Der Amtscharakter blieb allerdings, sowohl was den Umgang mit "Kunden" als auch was die Sprache vieler "Betreuer" und deren willkürliche Auslegung von Zumutbarkeit anbetrifft, erhalten. Das Kürzel AMS ist ja auch nur um einen Buchstaben von AMT verschoben.)

Immer wieder versucht dieses AMS, sich an die Moderne, Postmoderne – was auch immer – anzupassen, freilich weniger was die Serviceleistungen für Arbeitslose anbelangt, sondern eher im oberflächlichen Erscheinungsbild. So verfügt man zwar über eine technisch gute Homepage im Internet, doch die angebotenen Jobs sind häufig schon Tage und Wochen, in der Rubrik Lehrlinge manchmal Monate, vergeben. (Wer es nicht glaubt, kann ja die Probe aufs Exempel machen: www.ams.or.at) Werden etwa Förderrichtlinien neu beschlossen, so bleiben die alten noch Wochen im Netz stehen, wendet man sich per e-mail an eine zuständige Stelle, so erhält man "schon" ein oder zwei Wochen später die nichtssagende und sich nicht festlegen wollende Antwort meist einer übergeordneten Stelle.

Dass sich die Zumutbarkeitsbestimmungen und die Leistungen schon unter SPÖ/ÖVP, jetzt unter ÖVP/FPÖ verschlechtert haben, dafür kann das AMS nichts. Dass die Betreuer (in vielen Fällen ein euphemistischer, beschönigender Begriff) ihrerseits diese Bedingungen so schlecht wie möglich auslegen, darauf werden sie von ihrer Hierarchie getrimmt. So verordnen sie nicht selten Mitfünfzigern sinnlose Sprachkurse (häufig mit Videokassetten), um sie für den Arbeitsmarkt "fitter" zu machen. Noch absurder wird es beim sogenannten "Job-Coaching": Arbeitslose Werkvertragnehmer oder Studenten, die selbst den Arbeitsmarkt nicht kennen, weil sie sich ihm noch nie stellen mussten, versuchen Arbeitslose für Vorstellungsgespräche zu "trimmen".

Dies alles aber ist harmlos gegen die neue Werbekampagne des AMS. Zunächst drängt sich natürlich die Frage auf, warum überhaupt wertvolles Geld aus der Arbeitslosenversicherung der Lohnabhängigen an "Kreativagenturen" und Werbehaie verschwendet werden muss, wenn sich Arbeitslose ja sowieso beim für sie zuständigen Arbeitsamt, pardon AMS melden müssen.

Der Slogan "Bin gleich wieder da, geh’ nur kurz auf Jobsuche", den eine smarte junge Dame ihrem smarten Partner, fast ist man versucht zu schreiben zuhaucht, ist in Wahrheit eine perverse Frotzelei für Lanzeitarbeitslose, schwervermittelbare und ältere Arbeitslose. Es ist ja wirklich ur-lustig, von der als Arbeitslosenunterstützung bezeichneten Sterbehilfe zu leben, Herr Buchinger !

Das "sozialpartnerschaftliche" Gegenplakat steht dem ersten an Dummheit nicht nach: Zwei mega-coole Unternehmertypen mit Surfbrettern sind mit dem Slogan unterlegt: "Du wirst es nicht glauben, aber ich habe meinen neuen Mitarbeiter beim Surfen gefunden." Bunte-lustige Arbeits-, Konsum- und Elektronikwelt. Sollte die Arbeitslosenunterstützung wieder gekürzt werden, wissen wir, wohin ein Teil unseres Geldes wandert, in die Säcke der Werbeunternehmer.


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