5 Prozent Zuwachs ohne Wenn und Aber!

Argumente wider die noble Zurückhaltung von Werner Beier. *)

Lohn- und Gehaltsabschlüsse haben enorme wirtschaftliche Bedeutung und sind ein zentraler Fixpunkt gewerkschaftlichen Wirkens. Wir alle kennen die damit verbundenen Rituale, wie das Gejammer der Unternehmensseite und das leise Kettenrasseln der Gewerkschaft. Glaubt man den Einflüsterern, so kann durch vornehme Zurückhaltung bei den Forderungen positiver Einfluss auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung genommen werden, was jedoch wiederholt eindrucksvoll widerlegt wurde. Weder inflationsdämpfende Wirkung, noch Rettung eines einzigen Arbeitsplatzes sind durch Lohnverzicht erreichbar, wobei die dadurch steigenden Gewinne – statt in Reinvestition – meist anderen Formen der Verwertung zugeführt werden.

"Man dürfe die Kühe (=Unternehmen) nicht schlachten, die man melken will", so lautete die Losung der Sozialpartnerschaft. Dass aber die Besitzer der Kühe diese selbst am hemmungslosesten melken und dabei immer weniger für uns übrig bleibt, wurde nicht dazu gesagt. Es wird Zeit den Platz am Melkschemel einzunehmen!

Arbeit und Inflation

Unser ökonomisches System sieht den Faktor Arbeit unter marktwirtschaftlichen Kriterien, was aber nichts anderes bedeutet, als dass Arbeit wie jede x-beliebige Ware gehandelt werden kann. Nun ist es aber so, dass bei Erhöhung der Gestehungskosten eines Produktes oder einer Dienstleistung diese Mehrkosten üblicherweise an den Käufer abgewälzt werden. Wenn sich nun die Bedingungen – also unser Lebensunterhalt – unter denen wir das Produkt Arbeit erbringen verteuert, haben gefälligst die gleichen Spielregeln zu gelten. So einfach ist das! Darum Abgeltung der Inflationsrate!

Arbeit und Verteilungsgerechtigkeit

Das Maß aller in einer Volkswirtschaft produzierten Werte wird durch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erfasst. Erfährt dieses BIP nun eine Steigerung, so ist dies folglich dem Wirken aller Österreicher zu verdanken. Es ist daher nur gerecht, wenn wir daran entsprechend Anteil nehmen oder anders ausgedrückt: Wir fordern unser Stück vom Kuchen, den wir täglich backen!

Inflationsrate nach Verbraucherpreisindex und Zuwachsrate des realen BIP (Prognose) sind die volkswirtschaftlichen Eckdaten, die isoliert betrachtet bereits eine Forderung von weit über 4 Prozent Steigerung begründen würden!

Produktivitätssteigerung

Die unglaublichen Zahlen, die hier durch die Straffung der Arbeitsabläufe erpresst wurden, blieben für das Personal weitgehend unbelohnt.

Wir fordern dafür eine massive Entschädigung, die einerseits in deutlichen Gehaltszuwächsen und vor allem in einer entsprechend forcierten Stellenplanentwicklung umzusetzen ist. Stellenplanpolitik hat enorme Bedeutung für unsere Einkommensentwicklung, nur sollte sie nicht zum Unterpfand und Argument der jährlichen Gehaltsrunden dienen, sondern schon allein aus Gründen der Logik primär zur Abgeltung der enormen Kollektiv- und Individualleistungen der Eisenbahner.

 

Das sind die grundsätzlichen Faktoren, an denen wir vom Gewerkschaftlichen Linksblock unsere Lohn und Gehaltsforderungen orientieren. Rein additativ würden unsere Argumente eine Forderung begründen, die niemals umsetzbar wäre. Wir sind nicht realitätsfremd, sagen aber deutlich, dass jeder Abschluss unter 5 Prozent Zuwachs im Geldbörsel des durchschnittlichen Eisenbahners, der durchschnittlichen Eisenbahnerin vom GLB abgelehnt und nicht mitgetragen wird!

In diesem Zusammenhang fordern wir die anderen Fraktionen in der Gewerkschaft der Eisenbahner auf, ihre Positionen zu den kommenden Lohn- und Gehaltsverhandlungen – noch vor den bevorstehenden Personalvertretungswahlen – darzulegen. Die Karten auf den Tisch!

*) Werner Beier ist GLB-Vertrauensperson in der GdE


(c) 2001 by Gewerkschaftlicher Linksblock