Gegen den Krieg !

Von Manfred Groß.

Die verbrecherischen Terroranschläge von New York und Washington sowie Reaktionen der USA in Richtung militärischer Schläge gegen Afghanistan und möglicherweise andere Regionen und Länder haben bei vielen Menschen, auch in unserem Land, die Angst vor Krieg und Krise ausgelöst. Tatsächlich sind – entgegen anderslautenden Beschwichtigungsversuchen – die Folgen der Vorgänge der letzten Wochen absehbar. Die Terrorakte sind nicht "Wahnsinnstaten" einiger "Psychopathen", sondern wurzeln in realen Konflikten und Konfrontationen, die nicht durch eine "pax americana" zu lösen sind. Und eine "Befriedung" ist selbst dann nicht machbar, wenn alle militärischen Potentiale der sogenannten "zivilisierten Welt" zusammengelegt und auf die wirtschaftlich unterentwickelten Regionen, in denen sich Widerstand gegen Ausplünderung und Unterdrückung regt, losgelassen werden. Im Gegenteil: Der Versuch, soziale Gegensätze mit militärischen Mitteln zu lösen, ist noch zu jeder Zeit fehlgeschlagen und hat die Widersprüche sogar noch extrem zugespitzt.

In dieser Situation ist es unangebracht und gefährlich, sich von Bildern leiten zu lassen, die die Welt in einem Schwarz-Weiß-Schema zeigen: Hier die Guten, dort die Bösen. Dass etwa das Taliban-Regime in Afghanistan ein mörderisches und zutiefst reaktionäres ist, kann ebensowenig wegdiskutiert werden, wie die Tatsache, dass es nicht zuletzt die USA waren, die ihm in den politischen Sattel geholfen haben, weil das damals ins Kalkül der kapitalistischen Supermacht passte. Die "Gottessucher" sollten die früheren US-Verbündeten gegen die Sowjetunion – die Dostums und Hekhmatyars – vertreiben, die durch ihren Selbstzerfleischungskrieg keine Gewähr dafür boten, dass die nicht unbeträchtlichen Rohstoffquellen der Region ausgebeutet werden konnten. Dieses Kalkül ist gründlich fehlgeschlagen, da sich die islamischen Fundamentalisten schnell gegen die USA als "Satan" – als Inbegriff der Ungläubigkeit und des "Bösen" – gewandt haben. Und auch der von den USA ins Visier genommene Osama bin Laden stand einmal auf den Lohnlisten der CIA, gewissermaßen als Trumpfkarte gegen die "Russen".

Das alles soll und muss man wissen, wenn nun die Öffentlichkeit auf einen "Kreuzzug" eingeschworen werden soll. "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns", trommelt US-Präsident Bush – und unsere RegierungspolitikerInnen sind nicht abgeneigt, dem Ruf zu folgen. Genau diese Kreuzzuglogik ist aber das falsche Rezept gegen den Terror, gegen dessen Ursachen und gegen Unterentwicklung und Unterdrückung.

Was jetzt mehr denn je nottut, ist das selbstbewusste Eintreten gegen den Krieg und für eine soziale Weltordnung, die dem Terror und seinen politischen Apologeten den Boden entzieht. Dabei ist jeder sinnvolle Beitrag gefragt – der jedes einzelnen Menschen und der jedes Landes, das seine Politik selbst bestimmt. Und gerade die neutralen Länder könnten Schrittmacherdienste leisten, so sie den Neutralitätsauftrag ernst nehmen und vermittelnd eingreifen.


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