
Gewerkschaft lässt LehrerInnen im Stich
Österreichische LehrerInnen Initiative / Unabhängige
GewerkschafterInnen für mehr Demokratie (ÖLI-UG)
zum Boykott mehrtägiger Schulveranstaltungen im
Schuljahr 2001/02 und zur ÖGB-Urabstimmung. Das Aussetzen der mehrtägigen Schulveranstaltungen ist
Teil des Arbeitskampfes von Lehrerinnen gegen die
Arbeitszeiterhöhung für Klassenvorstände und
KustodInnen und den damit verbundenen Abbau von
LehrerInnendienstposten und gegen die eklatanten
Lohnkürzungen bei Supplier- und Überstunden. Die KollegInnen zahlreicher Schulen in Wien,
Vorarlberg, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und
Kärnten sind weiterhin von der Notwendigkeit dieser
Maßnahme überzeugt, während die FCG-dominierte
LehrerInnen-Gewerkschaft abwartet und prominente
Funktionäre der Fraktion christlicher
Gewerkschafter/ÖAAB gegenüber den Medien den von den
KollegInnen an den Schulen organisierten Boykott
herunterspielen. Das Aussetzen der mehrtägigen
Schulveranstaltungen richtet sich nicht gegen
SchülerInnen und Eltern, sondern gegen
Arbeitszeiterhöhung, Einkommensverluste und sich
verschlechternde Arbeitsbedingungen an den Schulen.
Solange die Gewerkschaft nicht bereit ist, für
wirksame bundesweite Kampfmaßnahmen zu mobilisieren,
bleibt das Aussetzen der mehrtägigen
Schulveranstaltungen das einzige
öffentlichkeitswirksame Mittel, das von den
LehrerInnen auch ohne gewerkschaftliche Unterstützung
durchgeführt werden kann. Es geht den Lehrerinnen -
und hier treffen sich ihre Interessen mit denen von
SchülerInnen und Eltern - um die langfristige
Sicherung und den Ausbau des öffentlichen
Bildungswesens. Vielleicht gelingt es bei der ÖGB-Urabstimmung (Frage
5: Bildungsoffensive, Frage 6: öffentlicher Dienst),
der GÖD-Führung und den LehrerInnengewerkschaften
noch einmal klarzumachen, dass Streikbereitschaft der
öffentlich Bediensteten bereits vor einem Jahr
abgefragt und von der großer Mehrheit der KollegInnen
bestätigt worden ist und dass es für GÖD und
LehrerInnengewerkschaften Zeit ist, Kampfmaßnahmen
gegen die Regierungspolitik zu beschließen und
durchzuführen. Die Unabhängigen GewerkschafterInnen
fordern ihre KollegInnen auf, an der ÖGB-Urabstimmung
teilzunehmen und in Betriebs- oder
Dienststellenversammlungen die für den
LehrerInnenbereich zentralen Fragen und die derzeitige
Arbeit der Gewerkschaft zu diskutieren und über
laufende Boykott- und weitreichendere Kampfmaßnahmen
zu beraten und Beschlüsse zu fassen. Die Bundesregierung und ihre FPÖ-ÖVP-
Parlamentsmehrheit betreibt die Einsparung von
Dienstposten, die Erhöhung der Wochenarbeitßeit
insbesondere für Klassenvorstände und KustodInnen und
allgemein eine Verschlechterung der Einkommenssituation
der LehrerInnen. Betroffen sind nicht nur die
LehrerInnen, sondern über höhere
KlassenschülerInnenzahlen, Klassenzusammenlegungen,
verringerte Bildungsangebote bei Freifächern und
Übungen, gestrichene Integrations- und
Fördermaßnahmen die SchülerInnen und ihre Eltern. Die FCG-dominierten LehrerInnengewerkschaften haben es
ebenso wie die FCG-dominierte Führung der Gewerkschaft
öffentlicher Dienst bisher verabsäumt, den
Arbeitskampf der LehrerInnen gegen den Arbeitgeber
Bundesregierung offensiv zu führen und gemeinsam mit
den VertreterInnen der Eltern und SchülerInnen gegen
den unsozialen Bildungsabbau aktiv zu werden.
Eigenständige gewerkschaftliche Initiativen von
KollegInnen an den Schulen, die im Frühjahr 2001 in
Vorarlberg zu einem Streikbeschluss aller
LehrerInnensektionen der GÖD und des Vorarlberger GÖD-
Landesvorstandes geführt haben, wurden und werden von
den FCG-Mehrheiten in den Bundesgremien der GÖD und
der LehrerInnensektionen abgeblockt. Damit wird der
FPÖ-ÖVP-Regierungspolitik die Maür gemacht. Die
offensichtliche Nicht-Mobilisierung der GÖD-Mitglieder
für die ÖGB-Urabstimmung, die vom GÖD-Vorsitzenden
und ÖGB-Vize Kollegen Neugebauer mitbeschlossen worden
ist, spricht für sich. Wir Unabhängigen GewerkschafterInnen (UG) sind mit der
von der FCG-Mehrheit verursachten Inaktivität der
Bundessektionsleitungen nicht einverstanden. Wir werden
neben der Arbeit in GÖD-Gremien auch weiterhin
gemeinsam mit fraktionslosen, mit sozialdemokratischen,
mit FCG-KollegInnen und mit KollegInnen der
Unabhängigen Bildungsgewerkschaft (UBG), die in
Opposition zur GÖD gegründet wurde, zur Bewegung an
den Schulen beitragen und in den regionalen Komitees
mitarbeiten, die angesichts bereits erfolgter und
weiterer angekündigter Verschlechterungen notwendige
aktive Gewerkschaftsarbeit leisten. Für die ÖLI/UG an den AHS
reinhart.sellner@blackbox.net Für die ÖLI/UG an allen Schultypen
kreidekreis@telering.at
(Von der Redaktion gekürzt)