Einige Gedanken zum Tod von Franz Muhri

Mit Franz Muhri hat die ArbeiterInnenbewegung einen großen Politiker verloren. Von der Mitte der sechziger Jahre an bis zum Jahr 1990 repräsentierte Franz als Vorsitzender der KPÖ jenen Teil der Bewegung, der sich trotz schwerer Rückschläge und antikommunistischer Tiraden nicht mit der kapitalistischen Gesellschaftsordnung als Abschluss der gesellschaftlichen Entwicklung abfindet. Äußere Erschütterungen und innere Richtungskämpfe haben Franz weder von seinen persönlichen Überzeugungen noch von seiner sehr menschlichen Grundhaltung abbringen können. Er ist im besten Sinne des Wortes den "anderen Weg" gegangen und hat vielen von uns geholfen, die Orientierung beizubehalten.

Wenn wir uns an Franz erinnern, dann tun wir es in der Achtung und Wertschätzung eines großartigen Menschen, für den die ArbeiterInnenklasse und ihre Interessen nie ein Abstraktum, sondern immer ein konkretes politisches wie persönliches Anliegen waren. Ihm sind Funktionen und höhere Ehren nie in den Kopf gestiegen. Einer streirischen Arbeiterfamilie entstammend, zeichnete Franz sich stets durch große persönliche Bescheidenheit aus. Er legte größten Wert darauf, den direkten Kontakt mit den Arbeitenden zu halten. Er war ein guter Gesprächspartner und Zuhörer, gerade auch dann, wenn es um gewerkschaftliche Fragen und Anliegen und das Wohl und Wehe des GLB und der BetriebsfunktionärInnen ging. Franz war immer bereit zur Hilfe - konkret und unter großem persönlichen Einsatz.

Seine eigene starke Überzeugung und sein internationalistisches und solidarisches Denken befähigten ihn, andere Menschen zu überzeugen und mit Andersdenkenden intensive Dialoge zu führen. Diese Eigenschaft ist keine Selbstverständlichkeit. So hat Franz eine große Wertschätzung weit über unsere Reihen hinaus genossen. Im Dialog mit ihm entstand bei vielen seiner GesprächspartnerInnen ein anderes Bild von KommunistInnen und Linken, als es vorgeprägt war. Das ist keine Kunst, die sich in Seminaren erlernen lässt. Da müssen geäußerte Überzeugungen mit der Persönlichkeit übereinstimmen. Und nicht zuletzt bedarf es der Fähigkeit, andere Standpunkte zu respektieren und auf sie einzugehen.

Angesichts seines Todes wird uns einmal mehr schmerzlich bewusst, dass kein Mensch ersetzbar ist. Wir verlieren mit Franz Muhri einen unserer besten Genossen und einen innig verbundenen, guten Freund.

Manfred Groß


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