
Öffentliche Dienstleistungen und öffentliches Eigentum
Von Rudi Fischer. Öffentliches Eigentum wird assoziiert mit teuer, unproduktiv, bürokratisch, korrupt, verschwenderisch etc. Privates Eigentum hingegen ist preiswert, produktiv, flexibel, effizient etc. So weit die kleinbürgerliche Ideologie und Propaganda. Die Praxis schaut oft etwas anders aus. Über 90 Prozent der Konkurse der letzten Jahrzehnte sind ausschließlich aufgrund unternehmerischer Fehlentscheidungen verursacht worden, doch niemand kommt auf die Idee zu sagen, dass viele Unternehmer offensichtlich zu dumm sind für ihren Job. Manche von ihnen versuchen dann ihre eigene Unfähigkeit zu kaschieren, indem sie Aufträge mittels Schmiergeld beschaffen. Wobei man bemerken muss, dass Korruption sowohl bei der Vergabe von öffentlichen wie privaten Aufträgen vorkommt. Nur bei Bestechungen von Privat an Privat wird dies im Fall der Fälle nicht öffentlich, sondern der Ertappte muss Schadenersatz leisten und sein Arbeitsvertrag wird gelöst. Bei Exportgeschäften wurden Bestechungsgelder sogar von der Finanz als notwendige Betriebsausgaben steuerlich anerkannt! Wenn es im Bereich der öffentlichen Hand zu Korruptionsvorwürfen kommt, so werden diese auch öffentlich. Dadurch entsteht dann der Eindruck Korruption komme nur bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen vor. Dienstleistungen, die von der öffentlichen Hand bzw. von öffentlichen Unternehmungen erbracht werden, sind oft aufgrund ihres natürlichen Monopolcharakters in ihrem Angebot bürgerfern und bürokratisch. Doch dies ist das Problem von natürlichen Monopolen und nicht das Problem von öffentlichem Eigentum. Private Wasserversorger verhalten sich, wie ausländische Erfahrungen zeigen, auch nicht kundenfreundlicher als die öffentlichen Anbieter, sie sind aber in der Regel teurer. Die zentrale Frage ist also nicht, ob es öffentliche Dienstleistungen geben soll, sondern wie die öffentlichen Dienstleistungen anzubieten sind! Und hier sind alle gefordert qualifiziert nachzudenken: Die PolitikerInnen, die Spitzenbeamtenschaft, und vor allem die Beschäftigten in den öffentlichen Dienstleistungsbereichen und ihre gewerkschaftlichen Vertretungen. Da es die Bestrebungen gibt, den öffentlichen Dienstleistungssektor zu zerschlagen und all diese Lebensbereiche dem privaten Kapital zu überlassen, müssen als Gegenstrategie entsprechende Konzepte eines neuen bürgerfreundlicheren öffentlichen Dienstleistungssektors entwickelt werden. Die Beschäftigten und ihre Gewerkschaften sollten hier – schon aus reinem Eigeninteresse – die treibenden Kräfte der Reformdiskussion sein. Anforderungen an den öffentlichen Dienstleistungssektor Eine derartige Reform des öffentlichen Dienstleistungssektors ist eine Voraussetzung für seinen weiteren Fortbestand aber keine Garantie. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Privatisierungsfanatikern muss trotzdem geführt werden, aber unter den neuen Voraussetzungen kann sie gewonnen werden!