GLB sieht Bedenken gegen Telekom-Börsegang
bestätigt
Harter Kern
ist Frontalangriff auf Beschäftigte
Als
unternehmerisches Harakiri bezeichnet der Gewerkschaftliche Linksblock (GLB)
in der Gewerkschaft Post- und Fernmeldebedienstete (GPF) den vom Vorstand
mit Rückendeckung der Regierung und mit „glasklarer“ Unterstützung
der Spitze der Personalvertretung auf Biegen und Brechen für den 21.
November angesetzten Börsegang der Telekom Austria (TA). Die jüngsten
Flops an der Wiener Börse (Verschiebung von AII, MCN und Andritz, Absturz
von Head, Kursstürze von Verbund, EVN, VA-Tech, VA-Stahl und Böhler-Uddeholm)
und der Ausstieg der Erste Bank aus dem Telekom-Konsortium bestätigen die
grundsätzlichen Bedenken des GLB gegen den Börsegang.
Hinter dem
Rauchvorhang der Jubelmeldungen der neoliberalen Medien über vom
Meinungsforschungsinstitut OGM ermittelte angeblich 400.000 Kaufwillige für
die „Volksaktie Telekom“ verbirgt sich ein Frontalangriff auf die
Telekom-Beschäftigten: Alle derzeit 15.100 Beschäftigten werden noch im
Oktober in eine Personalmanagementgesellschaft ausgegliedert, 10.000 dann
in die TA zurückgeleast, die restlichen 5.000 Arbeitsplätze per
Sozialplan oder „Golden Handshake“ vernichtet. Die Reduktion der als überhöht
bezeichneten Personalkosten ist der zentrale Punkt in der Strategie des überbezahlten
Vorstandes.
Massiver
Druck auf die rund 10.000 pragmatisierten Telekom-Bediensteten zum
„freiwilligen“ Verzicht auf die Unkündbarkeit ist dabei ein Fixpunkt.
Kosten von 3,7 Mrd Schilling für Personalmaßnahmen werden in die heurige
Bilanz eingebaut um den künftigen TA-Aktionären ab 2001 satte Dividenden
zu sichern. Während der Vorstand den Bediensteten die Daumenschrauben
ansetzt, werden mit lockerer Hand 300 Mio Schilling zur Bewerbung des Börseganges
beim Fenster hinausgeschmissen. Allein mit diesem Geld wären einige
hundert Arbeitsplätze gesichert.
Nachdem sich
FSG und FCG voll auf den Börsengang eingeschworen haben, ist die Spitze
der Personalvertretung offensichtlich bereit, sich ihre Zustimmung zu der
verlogen als „Abschlankung“ und „Rekonfigurierung“ bezeichneten
Arbeitsplatzvernichtung für einige Scheinzugeständnisse abkaufen zu
lassen, anstatt für den Erhalt aller Arbeitsplätze zu kämpfen. Nur der
GLB-Vertreter Jürgen Enser hat bei der Konstituierung der
Konzernvertretung am 15. Juni 2000 seine Zustimmung zum Börsegang
abgelehnt.
Wie windig
die von der Personalvertretung als „Erfolg“ dargestellten Zugeständnisse
des Vorstandes sind, wird nach Meinung des GLB etwa daran deutlich, dass
die Betriebsvereinbarung im Börseprospekt der Telekom so dargestellt
werden soll, dass man „mit dem österreichischen Arbeitsverfassungsrecht
nicht so gut vertraute Anleger nicht abschrecken“ will.
Telekom-Aufsichtsratschef Johannes Ditz (ÖVP) will zudem die
Betriebsvereinbarung nicht akzeptieren. Schon in der Vergangenheit hat sich
wiederholt gezeigt, wie wenig von den Versprechungen von Vorstand und
Regierung zu halten ist.
Unter dem
Strich zeigt sich, dass die bereits von der rot-schwarzen Regierung
eingeleitete und von der EU verordnete „Liberalisierung“ des
Telekomsektors zum Schaden volkswirtschaftlicher Interessen und zum
Nachteil der Beschäftigten erfolgt. Durch ihre unterwürfige Bereitschaft,
den Börsegang mitzutragen, haben die Fraktionen der FSG und FCG in
Personalvertretung und Gewerkschaft ein gerüttelt Maß Mitschuld an der
Zerstörung der früher einheitlichen Post und Telekom.
(c) 1998 by Gewerkschaftlicher Linksblock
Designed by
Web Design Zehetbauer