ÖGB-Bundesfrauenausschuss vom 11.-13.10.2000

Neben einem Referat von ÖGB-Präsident Verzetnitsch zur aktuellen politischen Lage befasste sich der diesjährige ÖGB-Bundesfrauenausschuss mit zwei Themenschwerpunkten: Mehr Frauen in Gewerkschaftsgremien und Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Für ein Solidaritätstelegramm an die zur gleichen Zeit gegen die Einführung von Studiengebühren und gegen Sozialabbau demonstrierenden Studenten war leider keine Zeit ...

„Mehr Frauen in gewerkschaftliche Gremien“

war Thema des ersten Tages. Denn trotz Frauenförderplänen ist es auch in den eigenen Gewerkschaftsreihen noch lange nicht üblich, bei gleicher Qualifizierung Frauen den Vortritt zu lassen. Frauenquoten – wie etwa in der GPA eingeführt - sind da der erste Schritt, um eine quantitative Parität zu erlangen.

„Gender–Mainstreaming“ und „Mentoring“ sind die aktuellen Schlagwörter, um Frauenanliegen in allen Bereichen das richtige Gehör zu verschaffen. Unter „Gender-Mainstreaming“ ist eine geschlechterbezogene Sichtweise zu verstehen, die nicht auf den biologischen sondern eben auf den sozialen Unterschieden fußt. Die unterschiedliche Lebenssituation oder auch das Kommunikationsverhalten von Frauen wird dabei mitgesehen.

Beim „Mentoring“  handelt es sich um ein konkretes Instrument der Frauenförderung. Erfahrene Kolleginnen übernehmen zeitlich begrenzt und mit klarer Aufgabenstellung die Betreuung jüngerer Kolleginnen.

Zu diesem Themenbereich wird von den ÖGB-Frauen eine Projektgruppe eingerichtet.

„Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen“

war der zweite Schwerpunkt, mit dem sich die ÖGB-Frauen auseinandersetzten. Obwohl die offene Frauendiskriminierung in den Kollektivverträgen weitgehend verschwunden ist, es keine „Frauenlohngruppen“ mehr gibt, änderte sich bei der Entlohnung kaum etwas:  Frauen verdienen  im Durchschnitt 31 Prozent weniger als Männer. Es gilt die versteckte Diskriminierung aufzuspüren, die sich in schlechteren Einstufungen, in Nichtanrechnung von Vordienstzeiten oder auch in unterschiedlicher Bezeichnung und Bezahlung ein und desselben Berufes (Verkäuferin – Verkaufsassistent) manifestiert.

Durch klare Definition von Lohngruppen soll diesem Übel begegnet werden. Auch sollen mehr Kolleginnen qualifiziert werden,  um  Kollektivverträge auszuhandeln, damit nicht im entscheidenden Moment „Gleiche Entlohnung für gleichwertige Arbeit“ Wichtigerem zum Opfer fällt. Dazu soll eine Kampagne  Anfang kommenden Jahres von den ÖGB-Frauen gestartet werden.

Unter dem Titel „Diese Regierung trifft die Frauen sicher“ wurde abschließend eine  Resolution verabschiedet, die allerdings nicht an die Regierung sondern an den ÖGB-Bundesvorstand gerichtet wurde.


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