Die Situation bei Post und Telekom
Zerschlagung
und Verscherbelung,
Personal-
und Sozialabbau heißt heute „sparen“!
Die massiven
und gefährlichen Auswirkungen der „neoliberalen“ Strategie der ökonomischen,
politischen und sozialen Deregulierung und Zerschlagung des öffentlichen
Eigentums zeigen sich gerade in der aktuellen Entwicklung bei Post und Telekom
ganz deutlich.
Von Jürgen
ENSER. *)
War die
Post- und Fernmeldeverwaltung noch vor acht Jahren eine gut funktionierende und
sich finanziell selbstdeckende Behörde mit allgemeinem und vor allem
gesicherten Versorgungsauftrag (flächendeckende Versorgung mit Postämtern,
Buslinien, Telefonanschlüsse und -zellen zu staatlich geregelten Tarifen und
mit sozialem Ermäßigungssystem), so änderte sich die Situation mit dem österreichischen
EU-Beitritt gravierend. Der Ausgliederung aus dem Bundesbudget folgte die
Zerschlagung des Unternehmens in drei große (Post AG, Telekom AG und Postbus
GmbH) und einem halben Dutzend kleinere Firmen.
Die Telekom
AG wurde zuerst - und um ein „Sparbudget“ der damaligen rot-schwarzen
Regierung zu füllen - zu einem Viertel an den Konzern Telecom Italia verkauft
und wird nun von Schwarz-blau bis Ende des Jahres „an der Börse eingeführt"
und bis Ende der Legislaturperiode vollends an heimisches und internationales
Kapital verscherbelt. Hierfür wurde der Personalstand in den letzten Jahren von
über 18.000 Beschäftigten auf heute knapp 15.500 „gedrückt“ und von
diesen sollen in den nächsten vier Jahren weitere 5.000 bis
6.000 (!) entweder in den finanziell wenig lukrativen „Vorruhestand“
geschickt, aus dem Betrieb gemobbt oder gar gekündigt werden. Eine ähnliche
Situation gibt's bei den Kollegen der Post. Hier sollen in drei Jahren von
37.000 Arbeitsplätzen ebenfalls 6.000 „eingespart“ werden, nebenbei noch
von 2.200 Postämtern vor allem auf dem Land 700 bis 800 geschlossen und die
Postbuslinien auf ein profitmäßig lukratives Mindestmaß zusammengestrichen
werden. Von ehemals stolzen 60.000 sicheren und sozial abgesicherten Arbeitsplätzen
werden also aktuell gut 20.000 vernichtet, wobei in den einzelnen Unternehmen
verlautbart wird, dass „weiterer Personalabbau“ notwendig sei um „auf den
Märkten bestehen zu können". Dabei wurde den Kolleginnen und Kollegen im
letzten Jahrzehnt enormes abverlangt. Seit sieben Jahren (!) ist der Reallohn rückläufig
und dies obwohl die Post- und Fernmeldebediensteten ohnehin nie zu den „begüterten"
Bevölkerungsgruppen gehörten. Zwei Jahre lang gab es aus „Spargründen"
der Rot-Schwarz-Regierung gar „Nullohnrunden". Diese kosten einem heute 30- bis 35-jährigen
Beschäftigten jeden Monat umgerechnet 500 Schilling. Gerechnet über die Jahre
bis zur Pensionierung und einer durchschnittlichen Pensionsdauer betragen die
finanziellen Einbußen im Lebensverdienst für jeden Kollegen und jede Kollegin
zwischen 250.000 bis 350.000 Schilling (!!!). Dieses Geld haben sich Regierung,
Kapital und Aktionäre „gespart", auf dem Rücken derer, die jeden Tag
dafür hart schuften müssen! Zusätzlich wurden und werden die Bediensteten von
Post und Telekom natürlich - so wie alle anderen Beschäftigten - von EU und
Regierung finanziell und sozial ausgeplündert und geprellt. Nahezu jeder zweite
Postler oder Telekom-Mitarbeiter muss heute mit einem Zusatzverdienst sich und
seine Familie finanziell „über Wasser halten". „Modernisierung und
Flexibilisierung" führten neben dem rasanten Personalabbau dazu, dass sich
die Arbeitssituation von Zustellern, Schalterbediensteten, Autobuslenkern, Außendiensttechnikern
und Telefonisten auf ein nahezu unmenschliches Ausmaß verschlechterten. Stress,
Arbeitshetze, Zukunftsängste und Mobbing sind „ständige Begleiter" der
Kollegen und zeigen ihre Auswirkungen auch bei Arbeitserkrankungen und
Krankenstandsdauer.
Dies ist
aber nur ein Aspekt der Auswirkungen der neoliberalen Offensive im Bereich
Post/Telekom. Ein weiterer sind die massiven Serviceverschlechterungen für die
Bevölkerung bis hin zu Einschränkungen demokratischer Freiheiten. Entgegen der
marktwirtschaftlichen Lüge, dass der „Wettbewerb zur Verbilligung des
Angebotes" führen soll, wurde bisher noch jede Telefontarifsenkung mit
einer gleichzeitigen Erhöhung der Grundgebühren mehr als ausgeglichen -
billiger wird das Telefonieren nur für „Großkunden", das heißt
Unternehmer und Konzerne. Im Rahmen der „Euro-Umstellung" werden
öffentliche Telefonzellen flächendeckend auf das gesetzliche Mindestmaß
abgebaut. Nahezu 100 (!) alternative Telefondienstbetreiber neben der Telekom führen
zur zusätzlichen Verwirrung und in Folge Verteuerung für den Großteil der
Kunden. Ein nicht geklärtes Problem stellt die Kontrolle der Tel-Firmen beim
Umgang mit den Gesprächsdaten der Kunden dar. Durch die Nutzung neuester
Technologien sind dem Missbrauch durch Überwachung bei Telefon-, Fax- und
Internetbenutzung Tür und Tor geöffnet.
Im
Postbereich ist mit einer enormen Reduzierung der Postämter vor Ort zu rechnen.
Postinterne Analysen sehen hier einen Abbau bis auf 500 Ämter (ein Minus von
1.700) vor. Bereits jetzt wird die örtliche Zustellung von den Ämtern getrennt
und auf eigene „Zustellbasen" ausgelagert. Durch die personellen
„Einsparungen" im Zustellbereich wird außerdem der bisher enge soziale
Kontakt der Zusteller besonders zur älteren Bevölkerung radikal unterbunden.
Demokratiepolitisch
am meisten bedenklich sind aber die drastischen Erhöhungen des bisher
verbilligten Tarifs im Zeitungsversand. Der erst jüngsten Erhöhung auf 70
Groschen pro Zeitung, soll jedes Jahr eine 15-prozentige Erhöhung folgen, bis
zum von Schwarz-blau anvisierten Ziel von 3 Schilling (!) Da
die schwarz-blaue Bundesregierung die diesbezügliche Subventionierung
„einsparen" will, wird die Post zu „Marktpreisen" gezwungen - ein
Zeitungssterben, vor allem für jene von kleineren Initiativen und Vereinen,
aber auch von politisch und gewerkschaftlich kritischen Gruppen ist
vorprogrammiert. Dem Null-Budget folgt also die Null-Demokratie.
*) Jürgen
Enser ist GLB-Personalvertreter im Bereich Telekom.
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