
Ankerbrot-Fabrik in doppeldeutscher Hand und ab?
Von Michael GRABER. *) .
Seit 1891 besteht die traditionsreiche Institution, als die man "Ankerbrot"
ja in Wien bezeichnen muss. Aber hinter der bekannten Marke steht seit 1997
mehrheitlich der deutsche Backkonzern "Müller-Brot", nachdem die größte
Wiener Brot- und Backwarenfabrik bereits in den 80-er Jahren privatisiert
wurde und an die Börse ging. Aber wie das so ist: Die Privatisierung war
nicht unbedingt ein Erfolgsrezept. Trotz des Verlustes vieler Arbeitsplätze
und diversen Rationalisierungen suchte der Eigentümer Schuster schließlich
sein Heil beim deutschen Backriesen. Und auch der kam schließlich ins
Trudeln, bis er vor knapp einem Jahr mit der Deutschen Bank einen potenten
Kapitalgeber fand.
Deutsches Management
Mit diesen doppeldeutschen Eigentümern kehrte im Frühjahr ein neues
zweiköpfiges Management ein, das sogleich großspurig verkündete, dass
Ankerbrot nicht nur mit zwei sondern nur mit den 2.800 Mitarbeitern zum Erfolg
geführt werden könne. So weit so gut. Allerdings wurde gleich eine weitere
Information nachgeschoben. Die Ankerbrotfabrik müsse sich sehr bald um einen
neuen Standort umsehen. Der Standort Wien sei "vorerst" erste Wahl. Es käme
aber auch der "Großraum" Wien in Frage. Sicher sei nur, dass im alten Werk in
Favoriten "manche Prozesse nicht mehr kostenoptimal laufen". Spätestens hier
müssten die Alarmglocken läuten. "Kostenoptimal" ist in der Regel das
Managementkürzel für "zu hohe Arbeitskosten". Zu hohe Arbeitskosten aber
bedeutet weniger Beschäftigte. Beim Standortwechsel sollen also eine noch
nicht bekannte Zahl von Arbeitsplätzen auf der Strecke bleiben.
"Großraum Wien"
Und weiter. Was ist der "Großraum Wien"? Wie weit reicht der? Vielleicht bis
Bratislava? Abgesehen von den Filialen stünden dann fast 1.500 Arbeitplätze in
Wien und in Favoriten im Speziellen zur Disposition. Was sagt die
Gewerkschaft, die Gemeinde Wien?
In der Favoritner Bezirksvertretung gibt man sich gelassen. Frau
Bezirksvorsteherin Mospointner erkärte in einem Gespräch mit einer Delegation
der KPÖ-Favoriten, dass man das Problem kenne und bereits auf der Suche nach
einem geeigneten Ersatzgrundstück in Favoriten sei. Vielleicht das Gelände
der ehemaligen Schmidtstahlwerke.
Der Haken aber ist, dass die deutschen Eigentümer natürlich nicht dem Bezirk
und der Suche der Frau Bezirksvorsteher sondern einzig und allein dem Profit
verpflichtet sind und keinerlei Garantien für den Standort Favoriten noch für
die Arbeitsplätze bestehen.
Die Ankerbrotfabrik als Industrieruine?
Die Arbeitsplätze sind wohl das gravierendste Problem. Aber was geschieht mit
dem ganzen Areal, wenn die Produktion tatsächlich verlagert wird? Steht dann
jahrzehntelang eine verfallende Industrieruine auf der Kreta wo sich dann die
Ratten ein gefälliges Stelldichein geben? Und das nachdem in unmittelbarer
Nachbarschaft eine große Wohnsiedlung errichtet wurde? Fragen über Fragen. In
der Bezirksvorstehung wurde der KPÖ jedenfalls bestätigt, dass es keinerlei
Planungen für diesen Fall gebe.
Die KPÖ fordert jedenfalls jetzt und rechtzeitig, dass Vorsorge zur Erhaltung
der Arbeitsplätze getroffen und die Ankerbrotfabrik modernisiert und
nicht geschliffen wird. Wir fordern auch entsprechende Stellungnahmen von
Gewerkschaft und Arbeiterkammer, Bezirksvertretung und Gemeinde. Und vor
allem: die Offenlegung aller Förderungen, die die privaten Eigentümer bereits
von der öffentlichen Hand erhalten haben. Es darf nicht sein, dass Ankerbrot
zwar mit Millionen Steuergeldern von Privaten gekauft, mehrmals saniert und
nun wieder mit Steuermillionen auf Nimmerwiedersehen aus Favoriten und Wien
verschwindet.
*) Michael GRABER ist Finanzreferent der KPÖ und ehemaliger Bezirksrat von Favoriten.
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