
Wo keiner hilft, da hilft die Allianz
Von Oliver JONISCHKEIT. .
Langsam kommt er wieder - der alljährliche Weihnachtsstress. Nicht so für viele Angestellte der Allianz-Versicherung, sie haben keinen Stress mehr - sie stehen auf der Straße. Fröhliche Weihnacht überall ...
Begonnen hat die unheilvolle Weihnachtsgeschichte mit der Fusionierung von Allianz und Elementar-Versicherung bzw. mit der Übernahme der Allianz-Elementar durch den deutschen Mutterkonzern. Die Deutschen habenīs uns gründlich gezeigt. Schuld daran, so sagen sie unisono wie der Vorstand der Allianz, seien die schlechten Zahlen der letzten Jahre. Wobei nie gesagt wird, dass zwischen 20 und 30 Prozent Rendite jährlich an die Aktionäre ausgeschüttet wird. Aber vielleicht hat sich die Allianz ja schon bei der Aktion "Licht ins Dunkel" beworben - den finster wird es nun für die Angestellten. Es wird ausgelagert, dass es eine Freud ist - dran ist zunächst der Innendienst. Das "Allianz Kunden-Service" (AKS) wurde mit Sitz in Wien gegründet und als GmbH aus der Allianz ausgegliedert. Übernehmen soll es großteils die Arbeiten der Schadens- und Vertragsabteilung - und zwar in Form eines erweiterten Call-Centers. Die Vertragsabteilungen in den Bundesländern wurden geschlossen, Schadensabteilungen gibt es neben Wien nur mehr in Oberösterreich, der Steiermark und Tirol. Vorläufig jedenfalls - doch auch diese gehören natürlich zum AKS. Angeboten wurde den KollegInnen des Innendienstes, sie könnten natürlich ins AKS wechseln - erschüttert zeigte sich Generaldirektor Hoyos über die mangelnde Flexibilität der Mitarbeiter, er sei ja auch flexibel ... Nur hat er halt ein paar Milliönchen mehr in der Tasche, da fälltīs eben etwas leichter. VorarlbergerInnen oder TirolerInnen zum Beispiel können nun mal nicht so einfach die Zelte abbrechen und ihre Existenz in Wien neu aufbauen. Nun stehen viele von ihnen auf der Straße, soweit sie nicht anderswo untergekommen sind. Nachdem der Innendienst somit erfolgreich erledigt war, kümmert man sich nun um den Außendienst, indem ihm die Scheinselbständigkeit in Form von Agenturen schmackhaft gemacht werden soll. Bereits jetzt erledigt der Außendienst so nebenbei kleinere Schäden, bearbeitet Kündigungen, etc. - und das gratis, denn wie es immer so schön heißt - "... ist alles mit den Provisionen abgegolten". Und nun will ihn der Vorstand wie der Krampus in die Hölle treiben. Als Agent gibts zwar etwas höhere Provisionen, dafür darf er/sie dann aber alles selbst bezahlen. Vom Büro angefangen bis hin zu den Sozialversicherungsbeiträgen. Und wehe, wehe - man wird krank.
Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit
Aber wo keiner hilft, da hilft die Allianz. Ihren künftigen Agenten bietet sie an, sie könnten sich ja bei ihr dagegen versichern - so spart sie nicht nur Kosten, da der sozialversicherte Außendienst wegfällt - nein, sie macht sogar noch ein Geschäft. Mit dem Motto "wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit..." versucht sie, dem Außendienst bei der Entscheidungsfindung "hilfreich" zur Seite zu stehen. Sie erwähnt nicht, dass Agenten, die übrigens nur Allianz-Produkte verkaufen dürfen, sämtliche kollektivvertraglich gesicherten Ansprüche verlieren. Die Rechnung kann folglich nur für die Allianz aufgehen, nicht aber für die MitarbeiterInnen und künftigen Agenten. Übrig bleibt ein großer Versicherungsriese, bei dem künftig fast niemand mehr beschäftigt ist - vom Vorstand abgesehen und von ein paar Spezialisten. Um ihre "Menschlichkeit" nach außen zu demonstrieren, wurde eine Krankenversicherung für Hunde und Katzen entwickelt ... die eigenen MitarbeiterInnen werden hingegen eher zur staatlichen "Konkurrenz", der Arbeitslosenversicherung geschickt. Ach ja: was bei der Allianz anfängt, wird bei anderen Versicherungen enden, die bereits in Lauerstellung sind. Fusionierungen gibt es bereits (EA Generali mit Interunfall) oder die Pläne dafür liegen bereits in der Schublade ("Wr. Städtische sucht Partner..."). Während ehemalige Allianz-MitarbeiterInnen bereits in aller Ruhe Weihnachten feiern können, da ohnehin arbeitslos, können die MitarbeiterInnen der anderen Versicherungen getrost zittern, wenn ihnen der Vorstand ein gutes neues Jahr wünscht - das meint er nämlich vor allem für sich und die Aktionäre, die Opfer werden auch hier die Angestellten bringen müssen ...
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