
Jede Zeit ist unser Zeit!
Teil 2
Von Michael GEHMACHER. *) In der letzten Nummer der "arbeit" habe ich mich darüber beklagt normalen Beruf, Betriebsratsarbeit, Widerstand gegen blau-schwarz und Kampf für soziale Verbesserungen so zu verbinden, dass einem nicht die Zeit davonrinnt. Das ist ein Problem. Ein Problem, das auch der ÖGB kennen dürfte, denn kurz vor der geplanten (und vom ÖGB- Bundeskongress beschlossenen) Arbeitszeitkonferenz, flatterte jedem Delegierten ein Brief ins Haus. Darin wurde die geplante Arbeitszeitverkürzungskonferenz kurz und bündig abgesagt. Begründung: Der ÖGB muss Widerstand gegen die Sparpakete leisten. Beim ersten Lesen überkam mich eine gewisse Freude. Gedanken wie " gut ein Termin weniger" und "wenigstens geht es dem ÖGB auch so wie mir" gingen mir durch den Kopf. Aber beim zweiten Lesen war ich schon etwas beunruhigt. Eine große Organisation mit so vielen bezahlten Funktionären schafft es nicht, eine solche Konferenz und den sehr bescheiden ausgefallen Widerstand gegen die Belastungspakete auf die Reihe zu bringen? Die ÖGB -Führung ist zu unflexibel um die Konferenz mit dem Widerstand zu verbinden? Uns wäre da sicher viel eingefallen, (Besuch der Donnerstagsdemonstrationen beispielsweise). Man kann die Absage des ÖGB unterschiedlich auslegen, aber wie man es dreht und wendet, es sagt nichts Gutes über den Zustand des ÖGB aus. Der GLB wird dafür eintreten, dass diese Konferenz tatsächlich nur aufgeschoben und nicht aufgehoben ist. Durch die Absage fällt auch der angekündigte Bericht ins Wasser. Das macht aber nichts, denn erfreulicherweise haben wir als Reaktion auf den letzten Arbeitszeitartikel einen Leserbrief erhalten, auf den ich jetzt näher eingehen kann. Herr Jancza aus Zell am Moos schreibt:
"Sofortige Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn. An und für sich wünschenswert." "Aber", meint er weiter, "angenommen, ich arbeite für ein Produkt acht Stunden und verdiene damit 1.000,- Schilling. Nun will ich aber nur mehr vier Stunden arbeiten und nehme für die anderen 4 Stunden einen Mitarbeiter auf. Da aber mein Verdienst weiter nur 1.000,- Schilling beträgt, kann jeder nur mehr 500,- Schilling erwirtschaften. Soll nun jeder 1.000,- Schilling erhalten, so muss das Produkt 2.000,- Schilling kosten." Mit diesem Beispiel wird eine Grundsatzfrage der Arbeitszeitverkürzung angesprochen, nämlich: Mit vollem Lohnausgleich ja oder nein? Beim oben angeführten Beispiel ist der Marktpreis des erzeugten Produkts gleich hoch wie der Lohn des Arbeiters (1.000,- Schilling). Im Kapitalismus ist so ein Beispiel die große Ausnahme. Denn neben den andern Produktionskosten kommt noch ein erheblicher Gewinn für den Unternehmer hinzu. Jene Werte die heute in der Produktion geschaffen werden sind unweit höher als das was die dortigen ArbeiterInnen als Lohn erhalten. Ein Beweis dafür sind die Aktienwerte eines Unternehmens. Wenn ein Aktienwert steigt heißt das, dass sich jene, die Aktien kaufen, saftige Gewinne von den dazugehörigen Unternehmen erwarten (sonst würden sie nicht kaufen). Dazu drei Beispiele aus dem bürgerlichen Wochenblatt " Profil" im Jänner 2001: Aktiengewinne der Familie Mayer-Melnhof ( Papierindustrie): 95 Millionen Gewinnzuwachs bei einem Wert von 4.652 Mio Schilling 2. Palfinger ( Kranbau): 1.090 Millionen Gewinnzuwachs bei einem Unternehmenswert von 2.540 Mio Schilling im Jahr. 3. Haselsteiner (Bau Holding) 55 Millionen Gewinnzuwachs bei 1.395 Mio Schilling derzeitigem Wert. Alle diese Werte sind der Beweis für die enormen Gewinne der entsprechenden Unternehmen. Sie alle haben in den letzten Jahren massiv Personal abgebaut!
Der technische Fortschritt und die Leistung der Menschen in den Betrieben erlauben längst eine radikale Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich. Aber nicht nur in der Industrie, auch im Dienstleistungsbereich. Im Handel haben sich Umsatz und Verkaufsfläche seit 1970 verdoppelt, während die Beschäftigtenzahl gleich geblieben ist! Ein voller Lohnausgleich ist finanzierbar wenn man die Profite einbezieht! Doch welche Unternehmen geben schon freiwillig Profite her ? Es geht also darum, ob die Arbeiterbewegung bereit ist, sich auf diesen Machtkampf einzulassen. Wenn der ÖGB dazu nicht bereit ist, wird es in der Frage der Arbeitszeitverkürzung keinen Schritt weiter gehen und noch so manche Konferenz abgesagt werden ! *) Michael Gehmacher ist GLB-Betriebsrat und Gewerkschaftssprecher der SLP.
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