
Die Wahl zwischen „Pest" und „Cholera"
Die Medien, die es überhaupt wert fanden, über die Urabstimmung
des sogenannten Helm-Modells - ein Modell für ein neues Dienst-
und Besoldungsrecht - für die PflichtschullehrerInnen zu berichten,
zeigten sich außerordentlich mangelhaft informiert.
Aus diesem Grund schickte Kurt WINTERSTEIN *) einige Informationen
An die Medien, die wir gerne abdrucken:
In der Auswirkung lässt sich über das "Helm-Modell" (sie werden
vermutlich das Unglaubliche wissen, dass es sich bei diesem Herrn
nicht um einen Vertreter der Regierung, sondern um den Vorsitzenden
der Allgemeinen Pflichtschulen/APS-Gewerkschaft handelt) sagen, dass es die gleichen Spareffekte (ca 1,5 Mrd Schilling) wie das Budgetbegleitgesetz bewirken würde und
konsequenterweise die LehrerInnen im gleichen Ausmaß, was Arbeitsplätze und Bezahlung betrifft, treffen würde.
Die scheinbare Arbeitszeitverkürzung von 23 Stunden auf 20 bis 22 Stunden
ist ein schlichter Schwindel, da jede/r LehrerIn in diesem Bereich durch
die sogenannten Abschlagsstunden für Klassenvorstandstätigkeiten,
Lehrmittelbetreuung, Schularbeitsverbesserungen usw. um die 20 Stunden
In den Klassen stehen musste, um eine volle Lehrverpflichtung zu erfüllen.
Es wird in Zukunft sogar möglich sein, LehrerInnen bis zu 25 Stunden in
die Klassen zu schicken, ohne ihnen Überstunden zu bezahlen. Das hängt
mit einem sehr schwammig formulierten, aber sehr gezielt gegen die
LerherInnen einsetzbaren „C-Topf" zusammen, aus dem vom Dienstgeber
sehr willkürlich Stunden entnommen werden können.
Die Materie ist etwas kompliziert und ich möchte mit dieser
Erstinformation vorerst einmal ihr Interesse wecken.
Die Konzentration auf die Diskussion dieses Modells lässt außerdem außer
acht, dass es nicht nur um die 2.000 Arbeitsplätze geht, die durch beide
Modelle verloren gehen, (wenn das auch nicht Entlassungen bedeuten muss,
da einerseits durch nicht Nachbesetzung von Pensionierungen bereits über
1.500 Arbeitsplätze „erledigt sind" und dass andererseits LehrerInnen mit
Jahresverträgen nicht entlassen werden müssen, um sie auf die Straße zu
setzen.
Eine weit größere Anzahl von Arbeitsplätzen nämlich ca 5.000 geht in den
nächsten beiden Jahren durch den Finanzausgleich zwischen Bund und
Ländern verloren.
Da vermutlich in den nächsten beiden Jahren rund 3.000 LeherInnen durch
den natürlichen Abgang in Pension gehen, verlieren darüber hinaus 4000
Menschen, die momentan im Schuldienst arbeiten, ihren Arbeitsplatz.
Soweit zu den inhaltlichen Konsequenzen des Helm-Modells.
Skandalös ist leider auch die Art und Weise, wie die APS-Gewerkschaftsführung
dieses Modell „verkauft" hat. Bei oben erwähnter Urabstimmung hatten die
KollegInnen nur die Wahl zwischen „Pest" und „Cholera", also zwischen
dem Budgetbegleitgesetz oder dem Helm-Modell.
In Vorarlberg erstellte die Landesleitung einen Stimmzettel, auf dem
auf die dritte Möglichkeit, nämlich beide Varianten abzulehnen und die
Organisation von Kampfmaßnahmen zu fordern, enthalten war.
Das Ergebnis war eine neunzigprozentige Zustimmung zu dieser Möglichkeit.
In den anderen Bundesländern wagten es einige Schulen, ebenfalls diese
dritte Möglichkeit in ihre Entscheidungsfreiheit einzubeziehen und
wagten es außerdem auch gegen den erklärten und verständlichen Wunsch
der Gewerkschaftsführung die Stimmen an den Standorten auszuzählen.
AN ALLEN SCHULEN, AN DENEN DIES GEMACHT WURDE, GAB ES EINE MEHRHEIT
FÜR DIE ABLEHNUNG BEIDER SPARVARIANTEN UND FÜR DIE FORDERUNG NACH
KAMPFMASSNAHMEN!
Die Gewerkschaftsführung wertete sämtliche Stimmen, die für eine
der beiden Varianten Budgetbegleitgesetz oder Jahreszeitmodell ab-
gegeben wurden als ungültig, und berechnete somit das von ihr
gewünschte Stimmverhalten, nämlich eine mehrheitliche Zustimmung
zu dem von ihr favorisierten Modell.
*) Kurt Winterstein ist Obmann des gewerkschaftlichen Betriebsausschusses
des BRG XXII, Bernoullistraße 3
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