
Lehrlingsoffensive ? Lehrlingsdefensive !
Von Helmuth FELLNER. Die schwarz-blaue Koalition hat - wie die Regierungen - davor auch eine Lehrlingsoffensive angekündigt. Man müsse alles ganz anders angehen, mehr Anreize für Unternehmen und Unternehmer bieten. Das kennen wir. Die rosa-schwarze Ex-Koalition schlägt sich mit dem Vorwurf, der sich allmählich zur Gewissheit verdichtet, der Korruption gerade in diesem Bereich herum. Stichwort: EUROTEAM. Ein cleveres SP-Freunderl hat einen Verein gegründet, um eine – erraten- Lehrlingsoffensive zu starten. Und seine Genossin Hostasch, damals Sozialministerin, tappte in des smarten rosa Machers Falle, machte Millionen locker. Aus der Offensive wurde jedoch ein ungeordneter Rückzug auf der ganzen Linie. Die Mittel sind futsch. Aber in schwarz-blauen Zeiten sollte im vergangenen Jahr alles anders werden. Lehrlingsoffensive hieß jetzt: Ein Teil der Unternehmenskosten für die Lehrlinge wurde und wird aus den Geldern der Arbeitslosenversicherung bezahlt. Der Rest fällt der Abschreibung anheim. Welche grandiosen Kosten ein Lehrling, der ab dem 1. Lehrjahr putzt und ab dem zweiten billiger Hilfsarbeiter ist, eigentlich verursacht, bleibt bei allen Ausführungen der Herren Mitterlehner und Leitl von der Bundeswirtschaftskammer in tiefstem Dunkel. Nun liegen die empirischen Daten für den Dezember 2000 vor. Unterteilt ist die Statistik des AMS mit dem Titel "Lehrstellenmarkt" in sofort verfügbare und in nicht sofort verfügbare Lehrstellen, letztere wirken also tief in das Jahr 2001 herein. Demnach standen im Dezember 2000 im gesamten Bundesgebiet 2.924 Lehrstellensuchende 2.114 Lehrstellen gegenüber, im nicht sofort verfügbaren Bereich sieht es noch krasser aus: Auf 5.985 Lehrstellensuchende kommen 3.050 Lehrstellen. Nimmt man die Zahlen zusammen, so warteten und warten noch ca. 9.000 Jugendliche auf einen von 5.000 Ausbildungsplätze. An die 4.000 junge Menschen (44 Prozent) hoffen vergeblich auf irgendeinen Einstieg ins Berufsleben. In Wien sieht die Situation noch schlimmer aus. Im Dezember 2000 gab es 78 sofortige offene Lehrstellen, allerdings 362 AnwärterInnen auf sie. Bei den Lehrstellen für das heurige Jahr öffnet sich ein tragisches Loch: Dort steht es 1.335 zu 36, es gibt also 37 mal so viele Lehrstellensuchende als angebotene Ausbildungsplätze. Nimmt man auch hier die Zahlen zusammen, so harren ca. 2.000 Jugendliche auf etwas mehr als 100 Lehrstellen. Die Hoffnung von 95 ist also vergeblich. Natürlich ist die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage in den einzelnen Branchen unterschiedlich. Auf Bundesebene werden etwa im Bereich der chemischen Industrie 10 Stellen sofort und 45 auf Perspektive angeboten, ihnen steht jeweils nur ein Bewerber gegenüber.