Nachlese

Nachstehende Ausführungen stammen von Samo Kobenter im "Standard" vom 2. März 2001 auf Seite 38, wo er zusammenfassend seine Sicht der Dinge zum gelaufenen Zusammenschluss von "Format" und "Profil" zum Besten gibt.

"Kammerseelen"

"So stellt sich eine Arbeitnehmervertretung in der Abendröte ihrer Existenzberechtigung dar: Weil kein Aufschrei der Belegschaften zu hören war, die zurzeit noch getrennt in "Format" und "profil" arbeiten, fiel für den Wiener AK-Direktor Werner Muhm ein weiterer – nebensächlicher – Grund weg, sein Möglichstes gegen den Zusammenschluss der beiden Medienunternehmen zu versuchen. Dafür werden wohl die Umschulungsprogramme funktionieren, welche die Arbeiterkammer ihren beitragszahlenden Mitgliedern anbieten wird, wenn erst einmal die Synergieeffekte der Fusion zu wirken beginnen. Aber das dürfte nur der geringere Grund sein, weshalb die AK sich der Bildung einer marktbeherrschenden Gruppe nicht entgegengestemmt hat. Eine lohnende Arbeit für angehende Historiker und Sozialwissenschafter wäre, die Nebenabsprachen dieses einmaligen Deals zu ergründen und in einen strukturellen Zusammenhang mit den aktuellen Interessen der AK zu stellen. Die Vermutung sei gestattet, dass auch der linke Teil der in den letzten Jahren medial so hergeprügelten Sozialpartnerschaft der Versuchung nicht widerstehen konnte, sich seine Ruhe zu erkaufen: Wir werden ja sehen, wie nachdrücklich künftig die innere Verfassung der AK in den Hervorbringungen des neuen Medienkartells thematisiert wird. Keine Angst, die Bierruhe, die sich AK-Funktionäre vom Schlag eines Muhm erhoffen, wird die des Grabes sein, das sie sich aus Furcht und Unvermögen selbst geschaufelt haben. Aber sogar das werden sie erst erkennen, wenn es völlig dunkel um sie geworden sein wird. Die Bildung des "Formil" bedeutet auch die mediale Fixierung der FPÖ als gesellschaftsbestimmende Kraft im Lande. Es ist eine schöne Ironie, dass dies gerade jene Figuren ermöglicht haben, die Jörg Haider am wütendsten bekämpft."

Die Schauspieler der Gruppe 80 führen seit einigen Jahren mit großem Erfolg jeweils am 31. Dezember Ernst Jandls Humanisten auf – vergangenesmal in memoriam. Vorher und nachher werden einige seiner bekannten, aber auch weithin unbekannten Gedichte gesprochen, unter ihnen dieses:

die kammer

der arbeiterkammer wien gewidmet

die kammer.

die vielen arbeiter darin.

die vielen armen arbeiter darin.

so eng.

so eng.

die stockbetten.

die strohsäcke.

o jammer.


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