Bruno Trentin

Befreiung der Arbeit.

Die Gewerkschaften, die Linke und die Krise des Fordismus.

VSA-Verlag Hamburg, 262 Seiten. Preis: 269 Schilling

 

Bruno Trentin (1988-1994 Generalsekretär der italienischen Gewerkschaft CGIL und bis Mitte 1999 ihr wichtigster Stratege. Seit Juni 1999 ist er Abgeordneter der linken Demokraten im Europaparlament) vertritt in diesem Buch die These, dass die Linke viel zu lange am überholten tayloristisch-fordistischen Entwicklungsmodell festgehalten hat. So blieb sie bis heute unfähig, die grundlegenden Krisenerscheinungen zu erfassen und Elemente einer nachfordistischen Gesellschaft aufzuzeigen. Das betrifft sowohl die politische Linke wie die Gewerkschaften.

Zur Aktualität seiner aufgeworfenen und behandelten gesellschaftlichen Fragestellungen zitiert er im Vorspann seines Buches einen Spruch von Altan: "Rechts und links sind überlebte Konzepte, Peppi. Und oben und unten? Gibt’s das auch nicht mehr?" Treffender kann wohl die Unsicherheit bei einer Großzahl der Linken und Vertretern der Gewerkschaftsbewegung nicht formuliert werden, sind sie doch seit einigen Jahren nicht mehr in der Lage oder auch willens anzuerkennen, dass das kapitalistische System hauptverantwortlich für die gesellschaftspolitische Misere ist. Bleibt anzumerken, dass das kapitalistische System handelnder Personen bedarf, um so agieren zu können wie es eben seit Jahrzehnten agiert. Hierin liegt jedoch auch eine Chance, das heißt die Menschen können sich ja ändern.

Im ersten Teil mit dem Titel "Die Linke und die Krise des Fordismus" geht Trentin unter anderem der Frage nach, ob es eine andere Linke gab. Weiters beschäftigt er sich unter anderem mit der Krise des Managerkapitalismus und dem Ende der alten Gewissheiten; Der Einkommensumverteilung als Weg zum Sozialismus; der Rückeroberung der Rechte; dem Übergang zum "Sozialismus", Übergang zur "Regierbarkeit"; mit der Politik ohne Qualität; der kulturellen Hegemonie des "wissenschaftlichen" Managements und der Arbeit nach Taylor, die nach Trentin neu zu denken ist. Im zweiten Teil bezieht Trentin sich auf die Fordismus- und Staatsanalyse von Antonio Gramsci und dessen Einfluss auf die Politikkonzeptionen der westeuropäischen Linken. Gerade dieser Zusammenhang von theoretischer Fundierung und praktischer Kritik macht die Bedeutung dieser Intervention aus.

Bleibt zu hoffen, dass dieses Buch viele Vertreter der Arbeiterbewegung lesen werden, um endlich wieder klarer die sich abzeichnenden gesellschaftlichen Bruchlinien erkennen zu können. Darüber hinaus haben sie beim Lesen des Buches den zusätzlichen Vorteil, dass hier ein Stratege der italienischen Gewerkschaftsbewegung zu ihnen spricht, also eine Persönlichkeit, die zumindest, was die österreichische Situation betrifft, unbekannt ist.

Rezension von Josef Schmee.

Die in unserem Magazin besprochenen Bücher liegen in der ZB, 1010 Wien, Schulerstr. 1-3 auf.


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