Arme Arbeiterinnen – chancenreichere Beamtinnen !

Einkommensstatistk 2000 birgt keine Überraschung:

Das Brutto-Jahreseinkommen aller unselbstständig Erwerbstätigen betrug im Jahr 1999 281.202 Schilling, das bedeutete ein monatliches Durchschnittsentgelt von 20.085 Schilling.

Schon hier zeigt sich eine große Differenz: Frauen verdienten 203.280 Schilling (monatlich: 14.520,-), also um rund 28 Prozent weniger als der Durchschnitt. Männer erhielten ein Entgelt von 338.700 Schilling (monatlich: 24.192,-), also um rund 40 Prozent mehr als die berufstätigen Kolleginnen.

Noch wesentlich gravierender für eine tatsächliche, ungeschönte soziale Situation sind die Zahlen im Bereich der Arbeiterinnen und Arbeiter.

Gesamtdurchschnitt: 224.033 Schilling (monatlich: 16.002,-)

Männer: 279.452 Schilling (monatlich: 19.960,-)

Frauen: 134.332 Schilling (monatlich: 9.595,-)

Die Arbeiterinnen liegen also generell mit ihren monatlichen Löhnen unter allen derzeitigen Forderungen nach Mindestlöhnen oder –gehältern. Prozentuell gesehen sehen die Unterschiede so aus: Arbeiterinnen verdienen um 41 Prozent weniger als der Durchschnitt und um 52 Prozent weniger als Arbeiter, kommen also nicht einmal auf die des männlichen Entgelts. Selbst wenn man die höhere Quote der teilzeitbeschäftigten Frauen berücksichtigt, ist das schreiende soziale Unrecht erkennbar.. Ist der unter unseren Preis- und Lebensbedingungen Bruttolohn von unter zwanzigtausend Schilling schon ein Hungerlohn, so fällt der durchschnittliche Frauenlohn mit weniger als zehntausend Schilling schon eher unter die zynische Kategorie "Sterbehilfe". Und – wie gesagt – es handelt sich um ein statistisches Mittel, das heißt 50 Prozent der Arbeiterinnen und Arbeiter liegen auch da noch drunter.

Die Zahlen bei den Angestellten:

Gesamtdurchschnitt: 306.751 Schilling (monatlich: 21.910,-)

Männer: 431.749 Schilling (monatlich: 30.839,-)

Frauen: 236.189 Schilling (monatlich: 16.870,-)

Auch hier besteht eine Diskrepanz von 45 Prozent zwischen männlichen und weiblichen Arbeitnehmern und von 23 Prozent zwischen dem neutralen Durchschnitt und den Frauen.

Einzig im Beamtenbereich sind die Geschlechterdifferenzen wesentlich geringer:

Gesamtdurchschnitt: 447.090 Schilling (monatlich: 31.935,-)

Männer: 456.053 Schilling (monatlich: 32.575,-)

Frauen: 427.076 Schilling (monatlich: 30.505,-)

Die Differenz zwischen Beamtinnen und Beamten beträgt somit 6,5 Prozent, jene zwischen den Beamtinnen und dem neutralen Durchschnitt 4,5 Prozent.

Es besteht also kein Zweifel, dass Armut gerade im Bereich der Berufstätigen auch und vor allem zugespitzt weiblich ist und so gut wie die gesamte weibliche Arbeitnehmerschaft außerhalb des öffentlichen Dienstes umfasst. Vielleicht ist ein weiterer Grund, warum die Kapitalfraktionen in der Politik so vehement auf Privatisierung und Entstaatlichung drängen und dies auch vollziehen, weil die Einkommensparitäten dort doch wesentlich gerechter unter den Geschlechtern aufgeteilt sind. Auch aus diesem Grund müssen vor allem sozial Denkenden die Anschläge, von SPÖVP eingeleitet, von den jetzigen blauschwarzen Machthaberern auf Bundesebene noch rabiater betrieben, entschieden abgewehrt werden müssen. Außerdem müssen die Debatten und Forderungen um Grundsicherung und Mindestlöhne und Gehälter vehementer, lauter und offensiver betrieben und erfolgreich umgesetzt werden. Denn stellt man einen Quervergleich an, so wird der Wahnsinn endgültig als Methode entlarvt: Ein männlicher Beamter verdient rund 350 Prozent, also das Dreieinhalbfache (!) einer weiblichen Lohnarbeiterin.

Auch bei einer näheren Betrachtung des Senioritätsprinzips springen sofort geschlechtliche Differenzen ins Auge: Das mittlere Bruttojahreseinkommen steigt von 225.700 Schilling (20- bis 29-jährige) auf 381.496 Schilling (50- bis 59-jährige), diese Steigerung beträgt bei den Frauen: 185.138 Schilling auf 271.618,-(47 Prozent), bei den Männern 263.791 Schilling auf 446.092,- (also 69 Prozent).

Die Zahlen nach Berufsgruppen:

ArbeiterInnen 119.128 Schilling (!) à 176.974,- (48 %)

Arbeiter 248.952 Schilling à 325.730,- (30 %)

Die prozentuell für Frauen günstigere Steigerung hängt allerdings mit dem entlarvenden durchschnittlichen Einstiegslohn der Arbeiterinnen zusammen: 119.000 Schilling brutto im Jahr, ergibt ein monatliches Bruttoeinkommen von 8.500 Schilling, das liegt in etwa in der Höhe des Taschengeldes eines Sprösslings aus "guten Hause".

Weibliche Angestellte: 215.453 Schilling à 325.811,- (51 %)

Männliche Angestellte: 281.050 Schilling à 612.792,- (118 %)

Dieser gravierende Unterschied bei Betrachtung der Seniorität ist ein ganz eindeutiger und handfester Beweis für die ungleichen Aufstiegschancen von Mann und Frau im Angestelltenbereich. Denn die gewaltige Erhöhung des Einkommens männlicher Angestellter hängt natürlich mit teilweiser Aufstiegsmöglichkeit in mittlere und hohe Führungsebenen in der Wirtschaft, die weiblichen Angestellten offenbar weitgehend vorenthalten werden, zusammen.

Weibliche Beamte: 315.171 Schilling à 574.877,- (82 %)

Männliche Beamte: 337.851 Schilling à 589.182,- (74 %)

Auch wenn man das höhere Pensionsanfallsalter der Männer und damit weitere Steigerungsmöglichkeiten berücksichtigt, zeigt sich: Im öffentlichen Dienst haben sich Frauen durchaus Chancengleichheit beim Aufstieg in höhere Positionen erstritten.

  • Helmuth Fellner –

 


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