Bosch-Hallein

Ein kleines Fenster in die große, weite Welt des Bosch-Konzerns

Ein Ausblick von Heinz Granzer

Der weltweit zweitgrößte Automobilzulieferer betreibt eines seiner Werke auch im salzburgischen Hallein, wo vor allem Einspritz-Ausrüstungen für Großdiesel-Anlagen erzeugt werden. Auch in Wien und Linz gibt es Niederlassungen, in denen mechanische und elektronische Komponenten für Diesel-Einspritzpumpen fabriziert werden. In Hallein sind rund 700 Beschäftigte tätig, davon 170 Angestellte. Es gibt auch eine eigene Entwicklungsabteilung.

Ein Schauraum veranschaulicht, wie die Entwicklung der Einspritzpumpen für Dieselmotoren vor sich gegangen ist. Mit der Fabrikation ursprünglich begonnen hatte ja bereits 1946 eine Friedmann&Maier-Gesellschaft, die 1954 das in der Nähe der Salzach gelegene Werk in Hallein in Betrieb nahm. Bereits 1969 kam es zur Kooperation mit dem Bosch-Konzern, der das Unternehmen dann schließlich 1986 vollends übernahm.

Nicht nur Einspritzdüsen für den VW-Käfer wurden einstmals in Hallein gefertigt, auch Diesel-Einspritzpumpen für Lokomotiven umfasste das Erzeugungsprogramm. Wurde früher die Einspritzung durch die Stellung der Nockenwelle vorgegeben, konnte ab 1994 der Beginn des Einspritz-Vorganges bereits mit magnetischer Steuerung geregelt werden. Voriges Jahr erfolgte schließlich überhaupt die Umstellung auf elektronische Regelung.

Die Großdiesel-Anlagen, für die hier gefertigt wird, sind freilich noch nicht in jener Größenordnung angesiedelt, die benötigt werden, ganze Kreuzfahrtschiffe über die Meere zu tragen, da werkt man in Hallein schon bescheidener, etwa an Anlagen für die Stromerzeugung auf diesen Schiffen. Da man hier mit zwei Großabnehmern rechnen kann, ist das Risiko einer einseitigen Abhängigkeit geringer.

Moderne Anlagen in alten Winkeln

Die Entwicklung, Fertigung und Vermarktung von Reihenpumpen, Einzylinderpumpen, magnetventilgesteuerten Pumpen, Einspritzdüsen und Düsenhaltern für Großdiesel-Motoren (so das Erzeugungsprogramm in voller Länge) findet durchaus auch auf modernsten, elektronisch gesteuerten Bearbeitungsmaschinen statt. Der Produktionsablauf selbst erfolgt in weiten Bereichen EDV-gestützt. Alles erscheint total durchrationalisiert und tatsächlich ist man in Hallein stolz auf das sogenannte KANBAN-Verfahren zur Produktions- und Materialfluss-Steuerung, basierend auf Rückwärtsverkettung von Vorgängen in der Fertigung. Hiebei wird durch ein System von Bestellkarten ("kanban" auf japanisch) erreicht, dass der Nachschub mit beziehungsweise die Fertigung von Material erst dann erfolgt, wenn dieses Material auf einer Fertigungsstufe tatsächlich benötigt wird. Derart lässt sich die Durchlaufzeit verkürzen und das Lager minimieren.

Modernste Methoden also. In den freilich nicht gerade modernsten Werkhallen leidet die Belegschaft mitunter aber an Platzmangel und auch Absaugung und Frischluftzufuhr werden nicht als optimal empfunden. Gerade bei den in Bereitschaft gehaltenen Werkzeugen wirkt sich der fehlende Raum ganz besonders störend aus. Die vorübergehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten des benachbarten EMCO-Werkes hatten schon Hoffnungen erweckt, das Unternehmen könnte auf dieses Areal ausgeweitet werden, aber das konnte dann doch nicht realisiert werden.

Kfz-Bereich soll an Bedeutung verlieren

Es erscheint jetzt auch als wenig wahrscheinlich, dass früher oder später mit irgendwelchen größeren Neubauten zu rechnen wäre. Der Elektronik-Konzern Bosch sucht derzeit auch weiterhin nach Zukauf-Kandidaten, um seine außerhalb des Kfz-Bereiches liegenden Sparten aufzuwerten. Bereits auf seiner Bilanzpressekonferenz kündigte Firmenchef Hermann Scholl an, den Umsatzanteil des Zuliefererbereiches zugunsten der Sparten Gebrauchsgüter und Industriegüter zu reduzieren. Zwar konnte sich Scholl über eine Verdreifachung des Gewinn vor Steuern auf 2,7 Milliarden DM freuen, doch war dies überwiegend auf eine steuerschonende Erhöhung des Stammkapitals zurückzuführen. Die Rendite wäre nur in den Bereichen Gebrauchs- und Produktionsgütern den Erwartungen entsprechend gewesen, bei der Kraftfahrzeugstechnik hingegen unbefriedigend. Schuld daran wären die hohen Vorleistungen für Dieseltechnik und der in der Branche vorherrschende Preisdruck. Nicht zuletzt die stockende Konjunktur in den USA macht gerade dem zweitgrößten Autozulieferer der Welt einigermaßen zu schaffen, trotzdem wird neuerlich ein Wachstum von vier bis fünf Prozent angepeilt. Nach wie vor werden rund sieben Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung gesteckt, mit neuen Produkten sollen sich auch die Profitmargen wieder verbessern.

Milliardeninvestitionen in neue Einspritz-Technologien sollen die Genauigkeit von Diesel-Einspritzpumpen grundlegend verbessern. Aber auch bei den derzeit weltweit rund 123.000 Beschäftigten muss sich Grundlegendes ändern, denn der Firmenchef hat seine Vision: Aus 200.000 Mitarbeitern werden eigenständige "Unternehmer" werden, die selbständig entscheiden und für die der Kunde im Mittelpunkt steht ...

Hierarchische Strukturen und Gewerkschaftsfeindlichkeit in Tschechien

Bei Bosch selbst stehen freilich ganz wenige im Mittelpunkt und haben die Möglichkeit, selbständig zu entscheiden, was weltweit rund 123.000 "Mitarbeiter" zu werken haben. Alle Stimmrechte des Stiftungs-Unternehmens wurden nämlich auf eine Industrie-Treuhand übertragen, der zwei Bosch-Geschäftsführer, der Vorsitzende des Aufsichtsrates und externe Manager angehören. In diesem Gremium fallen auch alle Entscheidungen, der Aufsichtsrat selbst hat keine Möglichkeit, einzugreifen.

Diese Selbstherrlichkeit findet ihren Ausdruck auch in der Auseinandersetzung mit der betrieblichen Interessenvertretung der Belegschaft. In Österreich wird das gesetzlich verankerte Betriebsratswesen zwar nicht in Frage gestellt, aber in Nachbarländern wie Tschechien geht man nicht anders vor als hierzulande im Magna-Konzern.

So wird berichtet, wie in Jihlava/Iglau bei Bosch-Diesel die versuchte Gründung einer betrieblichen Interessenvertretung gescheitert ist. Anlass für diese Initiative war das gebrochene Versprechen, die Löhne zum Jahresbeginn um zehn Prozent zu erhöhen. Stattdessen wurden die Wochenend-Zuschläge sogar noch gekürzt. Daraufhin angesprochen rechtfertigte sich der Betriebsleiter Heiner Hillmann laut "Presse": "Wir sind hier eine große Familie, die Firma tut für ihre Leute mehr, als bei Bosch sonst üblich ist." In diesem Zusammenhang verwies er auf von der Firma organisierte Ausflüge und Tanzveranstaltungen, sowie auf das Privileg, Dienstfahrzeuge auch privat nützen zu können.

Als nun drei Gewerkschafter daraufhin eine Betriebsversammlung zur Vorbereitung einer Betriebsratswahl einberufen wollten, eröffnete das lokale Management von Bosch einen wahren Propagandakrieg gegen diese Aufmüpfigen und das sicherlich nicht gegen den Willen der Konzernzentrale. Eine Unterschriftenaktion gegen die Gründung eines Betriebsrates wurde gestartet und 750 entsprechend aufgehusste KollegInnen zur Betriebsversammlung gekarrt, wo sie die Gewerkschafter mit Eiern und Orangen bewarfen. Nach zehn Minuten war die Veranstaltung erfolgreich gesprengt.

Das ist dann oft der wahre Hintergrund für billigere Produktion in den sich ehemals "sozialistisch" nennenden Ländern. Demgegenüber sind nun freilich auch in Hallein dem Vernehmen nach die Löhne erfreulicher: Mit 130 bis 140 Schilling Anfangslohn kann man als gelernter Arbeiter rechnen und nach zwei Monaten gibt es mehr. Das mag auch im Verhältnis zu anderen Arbeitsplätzen in der Region nicht schlecht sein, trotzdem wird davon berichtet, dass sich ein langjährig Beschäftigter nach über zwanzig Jahren von Bosch verabschiedete, weil er es sich in einem anderen Unternehmen doch entscheidend verbessern konnte.

Also erhebt sich auch hierzulande bei Bosch die bange Frage, ob nicht mitunter auch am falschen Platz gespart wird. Wenn man die Berge von Zigarettenstummeln in den Raucherecken begutachtet, die offensichtlich nur in größeren Intervallen beseitigt zu werden scheinen, möchte man das fast vermuten ...


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