Warum ist Out so In?

Das Ausgliedern ("Outsourcen") von Leistungserstellungen aus Unternehmungen und öffentlichen Körperschaften ist "In". Es ist zu einer Ideologie geworden. Doch was sind wirklich Vorteile und wo sind dann die Nachteile?

Eine hintergründige Analyse eines nur vordergründig modernen Themas.

Von Rudi FISCHER.

Auch Wirtschaft und Politik sind "Modeströmungen" unterworfen. Was denn jetzt ein "moderner Unternehmer" oder Bürgermeister "so tut" unterliegt genau so "zeitgeistigen Entwicklungen" wie die Mode. Keiner weiß genau warum, aber plötzlich "trägt man eben" gewisse Arten von Hemden, Hosen oder Röcken. Auch für Wirtschaft und Politik gibt es derartige "Modeentwicklungen". Heute ist zum Beispiel der Börsenkurs ganz wichtig. Nur wenn die kurzfristigen Gewinnerwartungen der "Analysten" von den kurzfristigen Gewinnen ("Quartalsberichte") noch übertroffen werden, so steigen die Aktienkurse und man ist ein tüchtiger Manager. Nur wenn man ankündigt, dass man die Gewinne erhöht, indem man Beschäftigte kündigt, ist man ein guter Unternehmer und die Aktienkurse steigen. Wer hingegen nur die angekündigten Gewinne erreicht, egal wie groß die Steigerung gegenüber dem Vorjahr ist, ist ein schlechter Unternehmer und wird von der Börse bestraft. Gleiches gilt für einen Unternehmer der glaubt, kein Personal mehr abbauen zu können, ohne die Qualität seiner Produktion zu beeinträchtigen. Und gleiches gilt für einen Manager der ankündigt, in den nächsten Jahren die Dividenden nicht zu erhöhen, sondern die zusätzlichen Gewinne in Forschung und Entwicklung zu investieren, um die Marktmacht des Unternehmens zu vergrößern – auch dies wird von der Börse bestraft. Merkwürdige Modeströmung - "Shareholder value"!

Genau so ist es mit den Ausgliederungen. Sie sind modern, sie sind effizient, und wer das noch nicht erkannt hat, gehört zum "alten Eisen", den "ewig Gestrigen" oder den "Steinzeitsozialisten", im besten Fall wird man zum "Sozialromantiker" erklärt. Wer im Heute lebt, der gliedert aus! Ein richtig "modernes Unternehmen" hat keine eigenen Anlagen, kein eigenes Personal, keine eigene Verwaltung, sondern nur einen winzigen Vertrieb und einen tollen Boss mit einer Superidee. Das ist richtig modern: alles gemietet, geleast oder zugekauft, fast keine langfristige Kapitalbindung mehr!

Und im öffentlichen Bereich läuft es genau so: Ja keine Leistung selbst erstellen, denn das ist teuer im Preis und schlecht in der Qualität. Nur wer Leistungen prinzipiell von Privaten erbringen lässt, arbeitet gut und billig und damit im objektiven Interesse der Steuerzahler. Wer nicht bereit ist dies zu erkennen, schützt teure ineffiziente öffentliche Bedienstete vor der rauen Luft des Marktes, betreibt also offensichtlich "Freunderlwirtschaft" zu Lasten des Steuerzahlers.

Was macht Ausgliederung billig?

Ausgliederung kann zu besserer Qualität bei billigeren Preisen führen - muss aber nicht. Niemand wird heute von einer Autofabrik erwarten, dass sie selbst den Stahl für die Karosseriebleche in eigenen Werken aus Kohle und Erz herstellt. Es ist wirtschaftlich sinnvoll im Rahmen einer arbeitsteiligen Wirtschaft, gewisse Spezialprodukte, von darauf spezialisierten Firmen, zuzukaufen. Arbeitsteilung ist wirtschaftlich sinnvoll. Aber: bei jeder Arbeitsteilung brauche ich zusätzliche Qualitätskontrolle und –sicherung! Unternehmensinterne Qualitätskontrolle und –sicherung ist aber immer einfacher, sicherer und billiger, als bei einer Fremdproduktion. Denn im eigenen Unternehmen kann ich die "Inspektoren" durch die Werkshallen schicken und jeden Produktionsschritt entsprechend kontrollieren lassen. Wenn ich hingegen ein Fremdprodukt zukaufe, so kann ich nur das Endprodukt durch entsprechende Tests und Analysen auf seine Qualität überprüfen. Eine Endkontrolle eines Fremdproduktes kann aber nie so gründlich sein, wie die permanente Kontrolle während der gesamten Produktion. Die Frage der Ausgliederung ist also einerseits eine Frage der Kosten und Möglichkeiten der Qualitätssicherung – wenn man es ohne ideologische Scheuklappen betrachtet!

Andererseits ist es eine Frage der sinnvollen Arbeitsteilung unter Spezialisten – siehe Autoindustrie. Ein Auto wird heute aus Einzelteilen verschiedenster Spezialisten zusammengebaut. Und das ist wirtschaftlich sinnvoll. Aber auch wieder nur so lange, als der Autobauer in der Lage ist die Qualität seiner Zulieferer ausreichend zu kontrollieren. Denn wenn z.B. eine fehlerhafte Lenksäulenserie in eine Autoserie eingebaut wird, und die Lenksäulen brechen der Reihe nach, gibt es Unfälle mit Toten, so hat der Autobauer den Schaden (und die Folgeschäden durch Umsatzeinbrüche etc.) und kann ihn nur schwer zur Gänze auf den Lenksäulenzulieferer überwälzen. Denn vom Autobauer erwartet man, dass er seine Zulieferer entsprechend kontrolliert und er für eine gewisse Qualität steht. Auch hier ist es also so, dass Arbeitsteilung nur so lange sinnvoll ist, als ihre möglichen Kosten nicht größer als ihr möglicher Nutzen eingeschätzt werden.

Billig durch Lohndumping

Dies passiert zum Großteil im Rahmen der "internationalen Arbeitsteilung" (weltmännische Umschreibung für den neuen Kolonialismus bzw. Imperialismus im 21. Jahrhundert). So werden z.B. international bekannte Markensportschuhe zur Gänze in Südostasien produziert, wo den ArbeiterInnen für eine Zwölfstundenschicht ein US-Dollar bezahlt wird. Diese koloniale Ausbeutung mit Kinderarbeit etc. rechnet sich für die Konzerne aber wieder nur so lange, als bei uns niemand ein Problem damit hat, Markensportschuhe zu tragen, die von Kindersklaven produziert werden. In dem Moment, wo die KonsumentInnen solch Produkte nicht mehr kaufen bzw. nicht mehr tragen können, ohne "geächtet" zu werden, haben die Konzerne ein Problem. Daher ist es auch so wichtig, dass diese Ausbeutung in den "Kolonien" durch "soziale Ächtung" bei uns und durch Aufbau von Gewerkschaften etc. dort vor Ort verhindert wird.

Doch Lohndumping gibt es auch bei uns. Dadurch, dass in unterschiedlichen Kollektivverträgen für die gleiche Arbeit unterschiedlich hohe Löhne bezahlt werden, wird durch Ausgliederung Lohn gedrückt. "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" müsste hier von den Gewerkschaften erst einmal erkämpft werden. Denn jeder Unternehmer wird versuchen, die unterschiedlichen betrieblich notwendigen Tätigkeiten in jenen Branchen (bei jenen Kollektivverträgen) zu organisieren, wo am wenigsten Lohn bezahlt werden muss. Der Kampf gegen Lohndumping durch Ausgliederung kann nur erfolgreich sein, wenn er auch als Kampf um "Gleichen Lohn für gleiche Arbeit" egal in welcher Branche, verstanden wird.

Postbus auf Abwegen

Die Postbus AG hat ein neues Geschäftsfeld zu erobern begonnen. Die "unrentablen" Buslinien am Land werden kontinuierlich eingestellt. Dafür kämpfen sie jetzt um Buslinien bei den Wiener Verkehrsbetrieben. Diese haben die Buslinie 80A, die bisher vom Privatunternehmer Dr. Richard betrieben wurde, neu ausgeschrieben, und die Postbus AG hat den Zuschlag bekommen. Es wäre ja noch nichts auszusetzen, wenn die Postbus AG versuchen würde, den bestehenden Fuhrpark und das vorhandene Personal in neuen Geschäftsbereichen entsprechend einzusetzen. Doch dies ist nicht der Fall! Denn die Fahrer werden neu aufgenommen, aber nicht zu den bisherigen Bedingungen der Postbus AG, sondern nach dem bedeutend niedrigeren Kollektivvertrag der HTV (Handel-Transport-Verkehr), nach dem auch alle Fahrer der Privatbusse entlohnt werden. Auch braucht die Postbus AG für den innerstädtischen Linienverkehr entsprechende Niederflurbusse, die der diesbezüglichen EU-Richtlinie entsprechen. Mit "klassischen Postautobussen", darf man innerstädtische Linien nämlich nicht fahren.

Weiters will der Vorstand der Postbus AG auch alle bereits beschäftigten Fahrer durch Änderungskündigungen in den billigeren HTV-Kollektivvertrag zwingen. Dass dabei die ehemalige AK-Expertin Wilhelmine Goldmann im Vorstand federführend ist, ist ein weiteres Zeichen sozialdemokratischer Wandlungsfähigkeit! Personalabbau und Lohnkürzungen sind eben einfacher und regierungskonformer, als der Kampf mit der Regierung um die Abgeltung der gemeinwirtschaftlichen Versorgung durch die Postbusse.

Es besteht somit die Gefahr, dass die Postbus AG immer mehr Buslinien der Verkehrsbetriebe in den österreichischen Ballungsräumen übernimmt und im Rahmen der diversen Verkehrsbetriebe in Zukunft keine eigenen Buslinien mehr geführt werden. Oder aber die Buslinien werden in eigene Busgesellschaften ausgegliedert, wo die Fahrer so wie bei der Postbus AG durch Änderungskündigungen gezwungen werden, auf den niedrigeren HTV-Kollektivvertrag umzusteigen. Die Postbus AG verdrängt somit nicht nur die privaten Busbetreiber aus dem öffentlichen regionalen Personenverkehr, sondern sie drängt in der Folge auch die Busfahrer der diversen Verkehrsbetriebe aus ihren bisherigen Jobs!

Mehr Arbeit, mehr Stress und dafür um ca. 30 Prozent weniger Gehalt pro Fahrer – so kann ja wohl nicht die Zukunft der Buslinien von Post, Bahn und Verkehrsbetrieben aussehen! Die öffentliche Hand darf sich um die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs nicht drücken! Und wenn sie es versucht, so ist solidarischer Widerstand über alle (!) Bereiche angesagt, denn einzeln kämpfen wird nicht erfolgreich sein!


(c) 2001 by Gewerkschaftlicher Linksblock