
Mit Rekordergebnissen zu neuen Ufern.
Nix ist es geworden mit der Übernahme der Aral-Tankstellen und der damit verbundenen Marktführerschaft in Deutschland und Österreich. Letztendlich hat doch die British Petrol im Austausch gegen die Mehrheit an ihrer Tochter Gelsenberg (mit Einfluss auf die Ruhrgas) das in der Größenordnung von neun Milliarden Euro (123,8 Milliarden Schilling) angesiedelte Geschäft gemacht. Dafür bleibt der OMV nun doch das gewinnbringende Gasgeschäft weiter erhalten, gegen dessen Verscherbelung bekanntlich auch die Betriebsräte Sturm gelaufen sind. Hier wird für die Zukunft ein gemeinsames Vorgehen mit den Landesgesellschaften Wien-Gas und EVN, aber auch mit der steirischen Estag überlegt. Von Heinz GRANZER. Mit wohlgefüllter Kriegskasse, Insider sprechen von 2,3 Milliarden Schilling, widmet sich nun die OMV ihren eigenen Plänen bezüglich Osterweiterung. Nachdem man in der Slowakei bei der Slovnaft gegenüber der ungarischen MOL ins Hintertreffen geraten ist, beteiligte man sich bei dieser erst einmal mit zehn Prozent, was dort freilich eher als die Androhung einer "feindlichen Übernahme" aufgefasst wurde. Beide Konzerne sind auch hinter dem verbliebenen Staatsanteil von 17,58 Prozent an der polnischen PBK Orlen her und auch in Tschechien stehen Transgas und Unipetrol zum Verkauf aus, ebenso die slowakische SPP. Und zum Drüberstreuen interessiert sich die OMV auch für die griechische Hellenic Petrol, die in ihrem Stammland immerhin 56 Prozent Marktanteil hält. "Markante Verbesserungen" Wie auch immer, wirtschaftliche Sorgen braucht sich die OMV derzeit wirklich keine zu machen, auch wenn Einsparungspläne bei der Belegschaft in Form von Ausgliederungen und Personalreduktion weiterhin auf der Tagesordnung stehen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres stieg jedenfalls das Betriebsergebnis EBIT um 88 Prozent, so dass wie für das Vorjahr ein neuerliches Rekordergebnis erwartet werden kann. Das sei vor allem auf "markante Verbesserungen" in den Bereichen "Raffinerien und Marketing" sowie "Exploration und Produktion" zurückzuführen, hieß es seitens des Unternehmens. Das erscheint noch untertrieben, da etwa allein im Bereich "Raffinerien und Marketing" die Steigerung nicht weniger als 388 Prozent ausmachte, was allerdings auch auf das infolge von Wartungsarbeiten an zwei Hauptdestillationsanlagen geringere Ergebnis des Vorjahrs zurückzuführen ist. Aber auch bei "Exploration und Produktion" betrug der Zuwachs 42 Prozent und auch sonst kletterten die Werte ganz schön in die Höhe. Das "Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit" (EGT) stieg von 183 auf 340 Millionen Euro und der Periodenüberschuss von 125 auf 222 Millionen Euro. Dabei blieb der Umsatz im wesentlichen stabil bei rund 3,9 Milliarden Euro, während die Zahl der Beschäftigten weiter von 5.941 auf 5.703 per Ende Juni absank. Kurioserweise sank auch der Börsenkurs trotz dieser Erfolgsmeldungen um 2,77 Prozent auf 105 Euro, die Analysten hatten nämlich eine Verdoppelung des Ergebnisses erwartet. Auch seitens der OMV wird mit einem schwächeren zweiten Halbjahr gerechnet, dennoch soll das Jahresergebnis aber noch höher liegen, als im rekordverdächtigen Vorjahr. Grund zur Freude also für die Herren Aktionäre. Dazu Generaldirektor Schenz: "Ich nehme an, wenn das Ergebnis besser wird, wird die Dividende nicht kleiner". Für 2000 gab es 4,3 Euro je Aktie, ein Jahr zuvor noch 2,4. Bei den Tankstellen abgeblitzt Schwerer tut sich die OMV da am internationalen Parkett, wo sie im Konzert der Mächtigen offensichtlich nur die zweite Geige zu spielen vermag. Immerhin musste sie jetzt im Tankstellengeschäft die Marktführung auch in Österreich an BP abgeben, die ja auch schon Ende der Neunzigerjahre die Tankstellen von MOBIL übernahm, als diese mit Exxon/Esso fusionierte. Somit steht es bei den Tankstellen 556 zu 548 zugunsten von BP, die in Deutschland auch die RWE-Tochter Shele & Dea auf den zweiten Platz verwies. BP will aufgrund der nunmehrigen Synergie-Effekte jährlich rund 200 Millionen Dollar und insgesamt 1.500 Beschäftigte einsparen. Die dafür eingetauschte Übernahme von 51 Prozent an Gelsenberg ist für die E.ON insofern von Vorteil, als diese BP-Tochter mehr als 25 Prozent an der deutschen Ruhrgas hält, die wiederum zu den drei wichtigsten europäischen Gasunternehmen zählt. Wichtigster Aktionär von Gelsenberg mit mehr als einem Drittel der Anteile ist eine Bergemann GmbH, hinter der sich illustre Namen wie der britische Mobilfunkbetreiber Vodafone, der deutsche Stahlriese Thyssen-Krupp oder auch die RWE verstecken. Die Ruhrgas selbst hält als Ruhrgas Austria hierzulande rund sieben Prozent Marktanteil und will die bevorstehende Gasliberalisierung zur weiteren Expansion nutzen. Auf dem Weg zur Ostallianz ? Im Idealfall soll es eine große Ostallianz zwischen OMV, der polnischen PFN und der ungarischen MOL werden, die ja auch schon bei der slowakischen Slovnaft zum Zug gekommen ist und bei der die Österreicher gern im Fahrersitz säßen. Von den Anteilen des polnischen Marktführers sind bereits 72 Prozent an der Börse gelandet, nun will Polens Staatsministerium auch die verbliebenen 17,58 der PBK Orlen möglichst gewinnbringend verkaufen und erwartet sich daraus zumindest 4,7 Milliarden Schilling, was für die wohlgefüllte Kriegskasse der OMV spräche. Zugleich soll es allerdings auch zu einer aktienrechtlichen Verschränkung kommen, was wiederum mehr der Strategie des Rivalen MOL entspräche. Diese hat mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen und will aufgrund von Verlusten im ersten Quartal sogar zwei Raffinerien schließen und sich auf den Standort Százhalombatta konzentrieren. Damit hoffen die Ungarn anscheinend auch, möglichst viele Beschäftigte loszuwerden, da diese die angebotene Übersiedelung in die Hauptstadt großteils ablehnen. So soll die MOL den Polen neben einem entsprechenden Barbetrag auch einen Aktientausch angeboten haben, als dessen Resultat beide Aktionärsgruppen jeweils 50 Prozent an der anderen Gesellschaft halten würden. In diesem Angebot wird die Transaktion mit etwa 1,63 Milliarden Euro bewertet (22,4 Milliarden Schilling). Die PKN hat mit 12,5 Millionen Tonnen eine jährliche Verarbeitungskapazität von etwa der Höhe der OMV und kontrolliert etwa 40 Prozent des heimischen Tankstellenmarktes. In Tschechien wiederum erhofft sich die Prager Regierung aus der Privatisierung der staatlichen Beteiligung von 63 Prozent an der Unipetrol immerhin umgerechnet 6,4 Milliarden Schilling. Das zweitgrößte Unternehmen des Landes betreibt nicht nur die größte Tankstellenkette Tschechiens, sondern verfügt auch über Beteiligungen an mehreren Raffinerien und petrochemischen Anlagen. Bislang haben sich die russische Lukoil und die kanadische Norex für die Unipetrol interessiert. Der zu hundert Prozent staatliche Gaskonzern Transgas wiederum wird gemeinsam mit acht regionalen Versorgern verkauft. Hier ergäbe sich für die OMV die Möglichkeit einer direkten Anbindung ihrer Pipelines an das Transgas-Netz. Hieran ist freilich auch der deutsche Branchenführer Ruhrgas noch dazu gemeinsam mit dem Monopolisten "Gaz du France" interessiert. Auch die beiden nächstgrößeren deutschen Konzerne RWE und die BASF-Tochter Wintershall haben sich zwecks Erwerbs der Transgas zusammengetan. Dazu kommt wahrscheinlich auch noch der Weltmarktführer Gazprom aus Rußland. Alle diese Rivalen sind auch an der slowakischen SPP interessiert. Das Land der Griechen mit dem Zapfhahn suchend Auf ihrer Einkaufstour haben sich die Emissäre der OMV auch nach Griechenland begeben, wo der staatliche Anteil an der Hellenic Petroleum in der Höhe von 60,1 Prozent auf unter 51 Prozent reduziert werden soll. Mindestens 35 Prozent sollen freilich in Staatsbesitz verbleiben, um einen entsprechende Einfluss auf das größte Ölunternehmen des Landes auch weiterhin wahren zu können. Mit einem Marktanteil von 56 Prozent bei den raffinierten Produkten verfügt die Gruppe mit ihren Raffinerien in Astropyrgos mit 125.000 Barrel täglicher Verarbeitungskapazität und in Thessaloniki mit 66.500 Barrel über mehr als die Hälfte der gesamten Raffineriekapazität des Landes. "Staatstragende" OMV... Während also sowohl in den derzeitigen EU-Ländern als auch bei den Beitrittskandidaten die Rolle der staatlichen Eigentümerschaft an der Schlüsselindustrie Erdöl wiederum zur Diskussion gestellt erscheint, scheint die schon weitgehend privatisierte OMV mitunter nach wie vor mit einer durchaus staatstragenden Strategie zu agieren. Wie denn auch nicht, ist sie doch auch weiterhin großteils im Besitz des Staates Abu Dhabi, der auch sehr wohl darauf schaut, dass durch Syndizierung der Anteile die Republik Österreich an eine gemeinsame Strategie gebunden bleibt und sich nicht einfach aus der Verantwortung davonstehlen kann.