Leserbrief

"Der Mensch im Mittelpunkt des Unternehmens!"

Ausnahmsweise veröffentlichen wir einen anonymen Leserbrief und die Beantwortung der darin gestellten Fragen, da sie uns besonders interessant erscheinen.

In dem von ihnen, geschätzte/r LeserIn, angesprochenen Artikel in "die arbeit" geht es hauptsächlich um die profunde Ausbildung und Motivierung der Lehrlinge der Firma Blum. Dieser Artikel wurde ursprünglich von mir für die Betriebszeitung der Firma Voith in St. Pölten (in der ich als GLB-Betriebsrat tätig bin) geschrieben, da unsere Lehrwerkstätte ein Potential von ca. 35 Lehrlingen pro Jahr bewältigen könnte, aber derzeit nur 6–7 (!!!) Lehrlinge pro Jahrgang tatsächlich ausbildet! Restrukturierung nennt man das im Managerjargon. Und da auch die Motivierung der übrigen Mitarbeiter (derzeit 420 Arbeiter und 490 Angestellte) bei Voith St.Pölten sehr im Argen liegt, habe ich mich entschlossen, den Weg der Firma Blum als positives Beispiel in der Lehrlingsausbildung und der Mitarbeitermotivation darzustellen.

Doch nun, geschätzter Leser, zu Ihren Fragen im Detail. Ich werde mich bemühen sie ausführlich zu beantworten.

  1. Das Unternehmen Blum ist in reinem Privatbesitz und hat 2.443 Mitarbeiter in Vorarlberg (Stand März 2001); insgesamt arbeiten in der gesamten Blum-Gruppe 3.035 Mitarbeiter. Da alle Beschäftigten nach der Lehre Angestellte werden, ergibt sich daraus
  2. die Anzahl der Betriebsräte - nämlich 17.
  3. Einen Betriebskindergarten gibt es nicht, doch welche Firmen haben in Zeiten wie diesen (Profitmaximierung um jeden Preis) schon so eine Einrichtung?
  4. Die Leistungen der Vorgesetzten werden einmal jährlich von den Lehrlingen (es geht hauptsächlich um die Lehrlingsausbildung) beurteilt und nach der Auswertung aller Beurteilungen (Noten) im Betrieb veröffentlicht. Konsequenzen bei längerfristiger schlechter Beurteilung ß im schlechtesten Fall Versetzung auf einen anderen Arbeitsplatz ß weg von der Lehrlingsausbildung.
  5. Fast alle angesprochenen Kurse außer Meisterprüfung, Ingenieurschule und Matura sind für die Lehrlinge der Firma Blum, werden von der Firma Blum finanziert und finden zum Großteil in der Arbeitszeit statt.

Es ist möglich, dass dieser Artikel bei den Lesern von "die arbeit" Befremdung hinterließ, aber meine Intension war es, den Managern der Firma Voith aufzuzeigen, dass es sehr wohl auch andere Methoden gibt Gewinne zu schreiben, nämlich die menschliche Methode, bei der die Arbeit der Mitarbeiter noch geschätzt wird.

Ich hoffe, euch geschätzte LeserInnen, mit der Beantwortung der aufgeworfenen Fragen gedient zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Werner Hatzmayer, GLB-BR, Voith-Paper AG., St. Pölten.


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